Spekulieren mit MVZ

„Regierung tatenlos“

Private Kapitalgeber haben die Versorgung als Anlageobjekt im Visier. Die Regierung weiß darum. Nach Ansicht der Linken tut sie aber zu wenig dagegen.

Veröffentlicht: 07.11.2018, 12:00 Uhr

BERLIN. Die Landschaft der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) ist ein weitgehend blinder Fleck in der Wahrnehmung der Bundesregierung.

Das geht aus der Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Fraktion der Linken hervor, die der „Ärzte Zeitung“ exklusiv vorliegt. „Die Bundesregierung sieht der Übernahme von Gesundheitseinrichtungen durch Großinvestoren tatenlos zu“, sagte der Obmann der Fraktion der Linken im Gesundheitsausschuss Dr. Achim Kessler der „Ärzte Zeitung“.

Immerhin: Gesundheitsstaatssekretär Dr. Thomas Gebhart räumt ein, dass zunehmend von Fällen berichtet werde, in denen ärztliche und zahnärztliche MVZ von Investoren gegründet würden, die „alleine Kapitalinteressen verfolgen und keinen fachlichen Bezug zur medizinischen Versorgung haben“. Dies gelte zum Beispiel für von Investoren aufgekaufte nichtärztliche Dialyseleistungserbringer, die MVZ gründeten.

Tatsächlich bereitet die Koalition bereits Gegenmaßnahmen vor. Es würden verschiedene Einschränkungen der MVZ-Trägerschaft diskutiert, um zu verhindern, dass Kapitalinteressen Einfluss auf medizinische Behandlungen gewännen, führt Gebhart aus. So sehe der Entwurf des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) vor, die Gründungsbefugnis von nichtärztlichen Dialyseleistungserbringern auf fachbezogene MVZ zu beschränken.

Die Fragesteller gehen davon aus, dass bereits 15 kleinere Krankenhäuser mit dem Ziel gekauft worden seien, um in den Besitz von MVZ-Trägerschaften zu gelangen. Sie berufen sich dabei auf eine aktuelle Bestandsaufnahme des freien Autors Rainer Bobsin. Insgesamt sollen von den bislang 2821 MVZ demnach 420 in den Händen von Private Equity-Gesellschaften sein, also von nicht börsennotierten Kapitalgebern.

Die Bundesregierung, so legt es die Antwort nahe, kann zumindest für ärztliche MVZ keine Zuordnung der Träger zu Private Equity-Gesellschaften vornehmen. Dabei beruft sie sich auf Informationen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Für den zahnärztlichen Bereich scheint dies einfacher möglich zu sein. Nach Auskunft der Kassenzahnärztlichen Vereinigung sollen derzeit rund 70 Zahnarzt-MVZ mit Finanzinvestoren verbunden sein.

Die Zuwächse bei den MVZ kommen der allgemeinärztlichen Versorgung nur bedingt zugute. Von 2014 bis 2017 sind ausweislich der Regierungsantwort mehr als 800 MVZ gegründet worden. Die Zahl der MVZ mit hausärztlicher Versorgung wuchs in diesem Zeitraum nur von 1098 auf 1311. Von den insgesamt 54.741 Hausärzten praktizieren gerade 2756, also fünf Prozent, in einem MVZ. Die Statistiken belegen zudem, dass MVZ in ländlichen und strukturschwachen Gebieten noch keine hinreichende Versorgungsalternative sein können. Lediglich 14 Prozent der MVZ befinden sich abseits der Ballungsräume. (af)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Goldene Gewinne durch MVZ

Mehr zum Thema

IQWiG

Keine Empfehlung für Screening auf Hodenkrebs

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Vergütung für Corona-Tests wird weiter verhandelt

KBV nimmt Klage zurück

Vergütung für Corona-Tests wird weiter verhandelt

Wie stark die Corona-Pandemie Kindern zusetzt

Studie von Psychiatern

Wie stark die Corona-Pandemie Kindern zusetzt

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden