Direkt zum Inhaltsbereich

Herzinfarkt

Sachsen-Anhalt will nicht mehr Schlusslicht sein

Wer in Sachsen-Anhalt heute einen Herzinfarkt erleidet, hat oft schlechtere Karten als in den anderen Ländern. Jetzt will das Land die rote Laterne bei der Sterblichkeit loswerden. Ein Schritt ist der Aufbau eines Herzinfarktregisters.

Von Petra Zieler Veröffentlicht:
Infarktpatient im Rettungswagen: Auch die telemedizinische Infrastruktur soll verbessert werden.

Infarktpatient im Rettungswagen: Auch die telemedizinische Infrastruktur soll verbessert werden.

© imagebroker / INTERFOTO

MAGDEBURG. Die überdurchschnittlich hohe Todesrate nach Herzinfarkten hat Sachsen-Anhalts Landesregierung auf den Plan gerufen. Nun sollen Ursachen erforscht und Diagnosewege verbessert werden.

Auf 100.000 Einwohner kommen in Sachsen-Anhalt 111 Todesfälle - doppelt so viele wie beispielsweise in Hamburg. Insgesamt liegt die Sterblichkeit bei Herzinfarkten 43 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

"Dagegen müssen wir im Interesse aller Sachsen-Anhalter endlich etwas unternehmen. Alle müssen an einem Strang ziehen", sagte Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff. Er will gemeinsam mit Vertretern der Medizinischen Fakultäten Magdeburg und Halle, der Krankenkassen und der Ärzte eine Trendwende in Sachsen-Anhalt erreichen.

Beschlossen wurde der Aufbau eines Herzinfarktregisters unter Leitung der beiden Universitäten. Bereits ab Mai sollen in der Stadt Halle sowie in den Altmarkkreisen Salzwedel und Stendal alle Herzinfarkte einschließlich der notwendigen relevanten Daten erfasst werden.

Das Land fördert den Aufbau des Registers mit einer Anschubfinanzierung von 150.000 Euro. "Die Sensibilisierung der Politik", ist nach Ansicht von Dr. Burkhard John, Vorsitzender der KV Sachsen-Anhalt (KVSA), "ein wichtiger Schritt, um das seit Jahren drängende Thema besser in den Griff zu bekommen."

Mögliche Ursachen für die hohe Sterblichkeit sieht John in den Risikofaktoren Adipositas, Tabak, Alkohol, aber auch in der nach wie vor hohen Arbeitslosigkeit, geringer Bildung und geringem Einkommen.

Vorkämpfer Böhmer

Doch es gebe auch strukturelle Mängel -  zu wenige Kardiologen im Land, der Zugang zu Katheterplätzen sei in einigen Regionen erschwert. Verbessert werden müsse die Notfallversorgung.

Mit jeweils 80.000 Euro will die Landesregierung die Projekte "Herz/Net-optimierte Behandlung" und "Herz/Net-LSA Postinfarktpatienten" unter Leitung der Magdeburger Uniklinik für Kardiologie fördern, die noch in diesem Jahr umgesetzt werden sollen.

Telemedizinische Infrastruktur sowie optimierte Patientenversorgung in der Notfallversorgung sollen helfen, die Herzinfarktsterblichkeit zu verringern.

Ein gutes Beispiel gibt es bereits im Landkreis Wittenberg mit dem bislang einzigen Infarkt-Netzwerk des Landes. Stark gemacht hatten sich dafür auch der frühere Ministerpräsident Professor Wolfgang Böhmer sowie Dr. Tom Giesler, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Herzzentrum Coswig.

"Notärzte im Netzwerk können bereits im Rettungswagen ein EKG aufzeichnen und direkt an die Ärzte im Herzzentrum senden", erläutert Giesler.

"Wird ein Infarkt diagnostiziert, kommt der Patient sofort ins Herzkatheterlabor. Das kann überlebenswichtig sein, denn mit jeder Minute, die das Gefäß verschlossen bleibt, wächst das Risiko zu sterben." Dank des Netzwerkes könnten Infarktpatienten im Schnitt etwa zwei Stunden eher medizinisch versorgt werden.

Nach Ansicht von Professor Hendrik Schmidt, Kardiologie-Chefarzt am Klinikum Magdeburg, gibt es in Sachsen-Anhalt auch zu wenige Chest Pain Units (CPU), Diagnose- und Therapieeinheiten zur Versorgung von Patienten mit unklaren, akuten Brustschmerzen. Von bundesweit über 200 CPU, hat Sachsen-Anhalt nur zwei, die beide im Süden sind.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Zusatzeinkommen

Lukratives Prüfgeschäft: Versorgerpraxen in der klinischen Forschung

Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG
Abb. 1-- Zeit bis zum ersten Ereignis (Tod durch jegliche Ursache oder kardiovaskuläres Ereignisb) in der Gesamtpopulation (a) bzw. in der Monotherapie-Population (b).

© Springer Medizin Verlag

Mit Vutrisiran früh kausal behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Früherkennung von Bluthochdruck

Hypertonie: Wenn die Smartwatch in falsche Sicherheit wiegt

Lesetipps
Eine ältere Person hält drei Blisterstreifen mit Tabletten zwischen beiden Händen.

© wernerimages / stock.adobe.com

GeriPAIN-Leitlinie

Welche Schmerztherapien eignen sich für geriatrische Patienten?

Ein Hautarzt untersucht die Haut mit einem Dermatoskop auf Melanom.

© Iryna&Maya / stock.adobe.com

Vergleich mit anderen Ländern

Hautkrebs-Screening in Deutschland laut Studie ohne klaren Nutzen