Direkt zum Inhaltsbereich

Beitragssatzstabilisierungs-Gesetz

Schmerzmediziner fürchten die Folgen des Sparkurses in der GKV

Schmerztherapeuten sehen sich von der Politik als doppelt geprellt an: Erst wurde der Disziplin in der Krankenhausreform eine eigene Leistungsgruppe verwehrt. Jetzt werde die Schmerzversorgung durch Einsparungen erneut geschwächt.

Veröffentlicht:
Die Illustration zeigt einen Menschen, der sich an den Kopf fasst. Im Gehirn sind Blitze zu sehen.

Stabile Beitragssätze dürfen nicht zu Lasten der Versorgung von Patienten gehen, warnt die Deutsche Schmerzgesellschaft.

© peterschreiber.media - stock.adobe.com

Berlin. Die Deutsche Schmerzgesellschaft sieht die geplante Gesundheitsreform mit großer Sorge. Nach Ansicht der Fachgesellschaft stellt der Sparkurs in der gesetzlichen Krankenversicherung für die interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie eine „Bedrohung“ dar.

„Beitragssatzstabilität darf nicht zu Lasten von Millionen Schmerzpatientinnen und Schmerzpatienten erkauft werden“, sagte Professor Frank Petzke, Präsident der Schmerzgesellschaft, bei einer digitalen Pressekonferenz anlässlich des 15. „Aktionstags gegen den Schmerz“ am Dienstag.

Die interdisziplinäre Schmerztherapie sei im Ökosystem Krankenhaus das „schwächste Glied“: „Mit keinem Potenzial auf hohe Rendite und ohne Luft zur Effizienzsteigerung durch kürzere Behandlung von mehr Patienten“, so der Leiter der Abteilung Schmerzmedizin an der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen.

Lesen sie auch

Schon beim Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) habe die Politik die besonderen Anforderungen der Schmerztherapie nicht gesichert – eine eigene Leistungsgruppe wurde nicht geschaffen. Als eine „weitere Härte“ komme jetzt das GKV-Sparpaket hinzu.

Der Schmerzgesellschaft zufolge sind bereits jetzt 22 Prozent der Standorte in ihrer Existenz gefährdet. Dort würden 44 Prozent der Fälle von multimodaler Schmerztherapie erbracht. Dabei seien schon bisher vor allem interdisziplinär ausgerichtete Therapieeinrichtungen für rund die Hälfte der Betroffenen von ihrem Wohnort aus kaum zu erreichen.

Das Sparpaket von Bundesgesundheitsministerin Nina Waken (CDU) sehe vor, dass Tarifsteigerungen im Krankenhaus künftig nur noch zu 50 Prozent refinanziert werden sollen, sagte Vera Lux, Präsidentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK): „Das bedeutet, dass die Kliniken wahrscheinlich auf Kosten der Pflege wieder sparen werden.“

Lesen sie auch

Doch weniger Personal bedeute weniger Zeit für die pflegerische Versorgung – und damit auch weniger Zeit für eine hochwertige Schmerzversorgung, argumentiert Lux.

Sie warnte vor dem Szenario, dass Pflegefachkräfte wieder mehr pflegefremde Tätigkeiten übernehmen müssten, weil entlastende Maßnahmen nicht mehr ausreichend finanziert werden. Ohne Pflege könne es keine wirksame Schmerztherapie geben, sagte die ehemalige Pflegedirektorin der Medizinischen Hochschule Hannover. (fst)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Design der CASPAR-Studie

© Springer Medizin Verlag GmbH, modi?ziert nach [2]

Diabetische Polyneuropathie

Capsaicin-Pflaster: Wirkung kann bei Mehrfachanwendung zunehmen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Lungenkrebs: Unbedingt an Testung des Tumors denken!

© Springer Medizin Verlag GmbH

Lungenkrebs: Unbedingt an Testung des Tumors denken!

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Takeda Pharma Vertrieb GmbH & Co. KG, Berlin
Suchtmedizin: ein spannendes und vielfältiges Betätigungsfeld

© Springer Medizin Verlag GmbH

Suchtmedizin: ein spannendes und vielfältiges Betätigungsfeld

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Hexal AG, Holzkirchen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Eine Roboterhand zeigt auf ein Stethoskop

© Slowlifetrader / stock.adobe.com / mit KI generiert

Künstliche Intelligenz

ChatGPT im Praxisalltag nutzen: Wieso diese Verlockung gefährlich ist

Ein Mann tippt etwas auf einem Laptop.

© tippapatt / stock.adobe.com

Erfahrungen eines Hausarztes

40 Prozent Home-Office für Ärzte: Wie das funktionieren kann

Eine Frau mit Rhinitis putzt sich ihre laufende Nase.

© onephoto / stock.adobe.com

Ob allergisch oder nicht

Rhinitis ist signifikant mit Migräne verbunden