Kurz-Interviews

So sehen Kassen-Chefs den strittigen Honorar-Beschluss

Der Beschluss zum Ärzte-Honorar schlägt hohe Wellen. Wie die Kassen das Verhandlungsergebnis bewerten, erzählen der Vorstands-Vize des AOK-Bundesverbands und der Chef der Barmer GEK im Kurz-Interview.

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NEU-ISENBURG. Der Schlichterspruch zum Ärzte-Honorar ist nicht das letzte Wort. Uwe Deh, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, und Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK, sagen: Für Leistung und Qualität gibt es eine Zahlungsbereitschaft.

Ärzte Zeitung: Insgesamt hat das GKV- System ein Finanzpolster von mehr als 20 Milliarden Euro. Können Sie aus der Sicht Ihrer Kasse Ihren Versicherten und deren Ärzten gegenüber das minimale Honorarplus rechtfertigen?

Uwe Deh: Es wäre gegenüber den Versicherten und Beitragszahlern nicht zu rechtfertigen gewesen, dass sie eine Vergütungssteigerung der niedergelassenen Ärzte finanzieren sollen, die sich völlig von der Lebens- und Einkommenswirklichkeit in deutschen Landen abkoppelt. Von daher ist es wichtig, dass der erweiterte Bewertungsausschuss eine für beide Seiten akzeptable Entscheidung getroffen hat. Sie bietet Ärzten wie Krankenkassen Sicherheit und Stabilität.

Dr. Christoph Straub: Wir hätten uns zu rechtfertigen, wenn wir schrillen Forderungen nach elf Prozent mehr nachgegeben hätten. Am Ende wurde aber Augenmaß bewiesen. Zusätzlich zur gerade beschlossenen Steigerung werden wahrscheinlich noch in dieser Woche weitere Empfehlungen für morbiditätsbedingte Anpassungen der Honorare veröffentlicht. Hier sehen wir vor allem die KVen in der Verantwortung. Sie müssen dafür sorgen, dass diese zusätzlichen Mittel genau dort investiert werden, wo eine Sicherung und Verbesserung der ärztlichen Versorgung notwendig ist.

Ärzte Zeitung: Wäre es nicht besser, Teile vorhandener Liquidität gezielt in die Sicherung und Verbesserung der ärztlichen Versorgung zu investieren?

Deh: Besser wäre es, wenn das zusätzliche Geld für die Ärzte, über 6 Mrd. Euro seit 2007, genau dafür eingesetzt worden wäre. Solange es die KBV nicht vermag, mit neuem Geld auch eine bessere ärztliche Versorgung zu organisieren, sollte in diese Hände kein weiteres Geld gegeben werden.

Straub: Wir investieren seit Jahren zusätzlich in innovative Versorgungsverträge. Gleichzeitig sind wir dabei, unser Leistungsspektrum noch zu erweitern. Dabei achten wir auf verbesserte Qualität und Patientennutzen. Und natürlich kommen diese Verträge auch gezielt den Ärzten zugute.

Ärzte Zeitung Würden Sie sich als einzelne Kasse dafür mehr Verhandlungsspielraum wünschen?

Deh: Ja. Damit wir für unsere Versicherten Leistung und Qualität mit den Ärzten vereinbaren können.

Straub: Natürlich könnte der Verhandlungsspielraum größer sein. Deshalb befürworten wir auch mehr Selektivverträge. Doch machen wir auch heute schon viel. Zur Förderung von Arztnetzen wurden beispielsweise mehrstufige Vergütungsmodelle entwickelt. Auch für Hämophilie, Ambulantes Operieren, Augen-, Krebs-, Rückenerkrankungen, ADHS hat die BARMER GEK mit Ärzten und anderen Leistungserbringern Versorgungsverträge entwickelt. Der Erfolg hängt allerdings auch maßgeblich vom Engagement der Leistungserbringer ab.

Die Fragen stellte Helmut Laschet

Lesen Sie dazu auch: "Honorarskandal": Ärzte rüsten zum Kampf Der Standpunkt: Warum die Wut verständlich ist

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