Berufspolitik

Solidarität als Ausweg aus der Regressfalle

BRAUNSCHWEIG (cben). Beim Gesundheitsverbund Braunschweig rufen einige Mitglieder nach dem Mittel der Ärztesolidarität, um betroffene Kollegen aus der Regressfalle zu retten.

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Die Idee des Verbundes: Wenn das Arzneimittelbudget eines Kollegen erschöpft ist, soll er den Patienten zukünftig in die Praxis eines Kollegen schicken, der voraussichtlich keine Probleme mit den Obergrenzen haben wird, damit dieser dann das Präparat verschreibt.

"Wir haben diese Fragen mit einigen Kollegen diskutiert, vor allem unter Hausärzten," erklärt Hausarzt Uwe Lorenz vom Gesundheitsverbund Braunschweig der "Ärzte Zeitung", "und wir konnten uns diese Lösung vorstellen. Jetzt wollen wir die Idee in einem größeren Kreis besprechen." Lorenz hat den Vorschlag in einem Brief an die 287 Kolleginnen und Kollegen des Gesundheitsverbundes mit der Bitte um Stellungnahme geschickt.

Ärzte können Stellungnahme einreichen.

Wenn ein Patient etwa in einer hausärztlichen Praxis die Arzneimittelrichtgrößengrenze überschritten hat, dann erhalte der Patient eine höfliche Aufforderung und eine Überweisung an einen kooperierenden fachärztlichen Kollegen, sich dort ausschließlich für die Verordnung von Medikamenten vorzustellen.

Auch der umgekehrte Weg zum Hausarzt sei natürlich möglich. "Wir können ja nicht einfach aufhören zu verordnen", sagt Lorenz, der selbst zurzeit mit Regressandrohungen kämpft, "wir sehen zurzeit keine andere Alternative".

Die Patienten, meint Lorenz, seien dafür offen. "Ich habe bereits mit einigen von ihnen über eine solche Möglichkeit gesprochen." Die Reaktionen seien positiv gewesen. Soll so eine Idee umgesetzt werden, wäre ein sehr vertrauensvolles Verhältnis zwischen den Mitgliedern des Verbundes nötig, müssten sie doch offen legen, wie viel Spielraum sie bei den Verordnungen noch haben. Lorenz: "Tatsächlich müssten wir dann lernen, viel mehr miteinander zu reden."

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