Berufspolitik

Sorge um Zukunft der Krankenhäuser wächst

Droht Krankenhäusern im kommenden Jahr eine "Nullrunde"? Klinikvertreter in Schleswig-Holstein wollen sich dagegen wehren, sie fordern einen Ausgleich für weitere Kostensteigerungen.

Von Dirk Schnack Veröffentlicht: 29.09.2009, 05:00 Uhr

LÜBECK (di). Unter dem Motto "Stopp 2010" haben Krankenhausvertreter auf den elften schleswig-holsteinischen Gesundheitstagen in Lübeck auf die schwierige wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser und eine damit verbundene bedrohliche Entwicklung aufmerksam gemacht.

Der Landesvorsitzende des Verbandes der Krankenhausdirektoren (VKD) Hans-Martin Kuhlmann hält ein Jahr ohne Erlössteigerung für viele Häuser für kaum verkraftbar.

Nach seinen Angaben sind die Erlöse der Kliniken in Schleswig-Holstein seit dem Jahr 2000 nur um sieben Prozent gestiegen, die Kosten dagegen um 14 Prozent. Für weitere Kostensteigerungen, etwa durch Tarifanhebungen, bräuchten die Kliniken deshalb auch im kommenden Jahr einen finanziellen Ausgleich, meinte Kuhlmann.

Fest steht für ihn aber, dass die Kliniken weitere Einsparungen nicht ohne Belastung für die Arbeitsplätze realisieren können. Schließungen von Krankenhausstandorten dagegen hält er für unrealistisch. Stattdessen erwartet Kuhlmann, der das DRK-Krankenhaus Mölln-Ratzeburg leitet, eine weitere Spezialisierung und Zentrenbildung.

Sorge bereitet den Krankenhäusern weiterhin der starke Aderlass beim Personal. Professor Hartmut Nolte vom Verband Leitender Krankenhausärzte verwies auf die schwer zu besetzenden freien Arztstellen. Um regional auftretende Engpässe zu verhindern, hält er eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Praxen und Kliniken für zwingend erforderlich.

Um den Medizinermangel zu bekämpfen, sprach sich Nolte auch für bessere Arbeitsbedingungen für Ärzte und die Abschaffung des numerus clausus aus.

Engpässe gibt es allerdings zunehmend auch beim Pflegepersonal. Die Arbeitsbelastung ist inzwischen so groß, dass eine Pflegekraft es nach Angaben Kuhlmanns inzwischen nur noch durchschnittlich drei Jahre nach der Ausbildung in ihrem Beruf aushält. "Dagegen können wir gar nicht ausbilden", ließ Kuhlmann keinen Zweifel.

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