Hessen

Teilstudienplätze werden umgewandelt

Durch die Einbindung des Klinikums Fulda sollen an der Uni Marburg neue Vollstudienplätze entstehen.

Christoph BarkewitzVon Christoph Barkewitz Veröffentlicht:

WIESBADEN. Mit der Umwandlung 185 sogenannter Teil- in Vollstudienplätze will das hessische Wissenschaftsministerium zusätzliche Studienmöglichkeiten für Mediziner an der Philipps-Universität in Marburg schaffen. Künftig sollen die betroffenen Studenten den klinischen Abschnitt des Studiums am Klinikum Fulda absolvieren können, teilte Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) mit.

Damit wird eine bereits seit Ende 2014 bestehende Kooperation ausgebaut, in der das Klinikum als "Campus Fulda" der Universitätsmedizin Marburg Bestandteil der Ausbildung von Humanmedizinern ist. Zusätzlich wird sich nun die Hochschule Fulda als weiterer Partner beteiligen. Die Kooperation schaffe nicht nur neue Studienplätze, sondern biete die Chance, die Humanmedizin mit den Gesundheits- und Pflegewissenschaften an der Hochschule zu vernetzen, sagte deren Präsident Professor Karim Khakzar.

Teilstudienplätze müssen nach geltender Rechtsprechung dann ausgewiesen werden, wenn es für das erste Fachsemester des Studiengangs Humanmedizin rechnerisch mehr Studienplätze gibt als für das erste klinische Fachsemester (fünftes Fachsemester) zur Verfügung stehen. Sobald der Erste Abschnitt der Ärztlichen Prüfung (früher "Physikum") erfolgreich bestanden ist, werden die Studenten exmatrikuliert.

Sie müssen sich dann innerhalb Deutschlands für einen Studienplatz im klinischen Studienabschnitt bewerben oder das Studium im Ausland fortsetzen.

Bindung an die Region als Ziel

Damit gehen regelmäßig potenzielle Ärzte für Hessen verloren – ein Missstand, dem Minister Rhein mit der Maßnahme ebenfalls entgegenwirken möchte: "Studierende, die von Anfang an die Möglichkeit haben, ihr gesamtes Studium an einer Hochschule zu absolvieren, binden sich auch eher an die Region." Die Weiterentwicklung zum Universitätsklinikum Fulda als Partner der Universität Marburg und der Hochschule Fulda sichere Hessen mehr Ärztinnen und Ärzte, glaubt auch Dr. Thomas Menzel, Vorstandssprecher des Klinikums.

Mit dieser Perspektive könne der für Studenten ohne Vollstudienplatz höchst unbefriedigende Zustand endlich beendet werden, sagte Professor Katharina Krause, Präsidentin der Philipps-Universität. Die bisherigen Erfahrungen mit der begonnenen Kooperation mit dem Klinikum Fulda seien sehr positiv. Die Betroffenen fühlten sich mitunter als "halbe Ärzte", ergänzte Rhein. Zu wissen, dass keine Garantie auf die Fortsetzung des Studiums bestehe, sei sehr ernüchternd.

Feste Teilstudienplätze gibt es nach Ministeriumsangaben in Hessen derzeit nur in Marburg. Ziel der neuen Kooperation sei nun, die Zahl der Teilstudienplätze schrittweise abzubauen. Im kommenden Wintersemester solle in einer Pilotphase zunächst für 40 Studenten der Übergang in den klinischen Abschnitt geschaffen werden, im Wintersemester 2019/2020 dann für 80, im Wintersemester 2020/2021 schließlich für 185 Studenten.

Der Marburger Bund begrüßte zwar die Umwandlung in Vollstudienplätze, mahnte aber eine schnellere als die vorgesehene schrittweise Umsetzung an. Wenn der politische Wille jetzt vorhanden sei, dürften die Weichen nicht erst nach der Landtagswahl gestellt werden, forderte dessen Landesvorsitzende Dr. Susanne Johna: "Um die Pläne in die Realität umzusetzen, müssen dafür die personellen, materiellen und räumlichen Kapazitäten geschaffen und die dafür notwendigen finanziellen Mittel sofort zur Verfügung gestellt werden."

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