Thüringen fordert mehr Spielraum für Gesundheitspolitik

Veröffentlicht:

ERFURT (dpa). Die Länder brauchen nach Ansicht der Thüringer Sozialministerin Heike Taubert (SPD) mehr Gestaltungsspielraum in der Gesundheitspolitik. Taubert warnt zudem die Bundesregierung vor einem Ausstieg aus der solidarischen Krankenversicherung. Berlin müsse die Kassen gesetzlich verpflichten, für jedes Bundesland einen Ansprechpartner bereitzustellen, sagte die Ministerin in einem Gespräch mit dpa: "Im Moment haben wir so gut wie keine Einflussmöglichkeiten mehr, um Konzepte wie 'ambulant vor stationär' auf Länderebene auszugestalten." Durch Fusionen arbeiteten inzwischen fast alle gesetzlichen Krankenkassen länderübergreifend und verhandelten nur noch mit dem Bund. Zum 1. Januar 2011 gehen die AOK in Thüringen, Sachsen und Hessen zusammen.

Die in ganz Deutschland tätigen Ersatzkassen hätten meist keine Vertreter mehr in einzelnen Bundesländern und könnten die örtlichen Gegebenheiten schwer einschätzen. "Die Lage in einem eher ländlich geprägten Raum wie Thüringen ist aber ganz anders als in Ballungszentren", erläuterte Taubert. In einigen Thüringer Regionen würden händeringend Ärzte gesucht, in westdeutschen Städten gebe es dagegen einen Überschuss. "Die Bürger erwarten von den Landesregierungen, dass sie auf solche Probleme reagieren. Aber uns sind die Hände gebunden."

Taubert mahnte die Bundesregierung und die großen Bundesländer, nicht aus der solidarischen Krankenversicherung auszusteigen. "Wenn sich die CSU mit ihrem Vorschlag durchsetzt, dass die Krankenkassenbeiträge nur noch dort ausgegeben werden sollen, wo sie eingezahlt wurden, bedeutete dies das Ende der Solidarität sowohl der Patienten als auch der Ärzte." Mit Hilfe des Gesundheitsfonds sei es erst gelungen, die Gehälter der Ärzte in Ostdeutschland auf das Niveau ihrer Westkollegen anzugleichen.

Der Bundesregierung habe es bislang nicht geschafft, eine solidarische Lösung für die Gesundheitsreform vorzulegen, kritisierte die Ministerin. "Die schwarz-gelbe Koalition macht jetzt die bittere Erfahrung, dass die Gesundheitspolitik nicht so einfach zu reformieren ist. Von den großen Ankündigungen ist nicht mehr viel übriggeblieben." Fast alle ihre Vorschläge hätten zur Folge, dass die Beitragszahler - vor allem die Kranken - stärker belastet würden.

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Digitale Gesundheitsanwendungen

Elektronische Verordnung für DiGA jetzt freiwillig möglich

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Praktische Tipps

Beratungsfall Patientenverfügung – worauf es ankommt

Vielfältige Beweggründe

Warum Menschen statt zum Hausarzt in die Notaufnahme gehen

Lesetipps
Ärztin im Gespräch mit einem Patienten

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

Tipps für den Antrag

Vorsorge oder Reha: Was es für die Genehmigung durch die Kostenträger braucht