Chance für Moribunde

Todkranke noch operieren?

Soll man todkranke Patienten noch operieren? Nicht nur Ärzte reagieren da skeptisch. Das Problem ist nur: Zum Verhältnis von Schaden und Nutzen chirurgischer Eingriffe bei solchen Patienten gab es kaum Daten - bis jetzt.

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Ein Skalpell - auch für Schwerkranke?

Ein Skalpell - auch für Schwerkranke?

© Lee Pettet / istockphoto.com

CLEVELAND. Soll man todkranke Patienten tatsächlich noch operieren? Viele Ärzte, und nicht nur sie, werden da skeptisch reagieren - selbst wenn sicher sein sollte, dass die Betroffenen ohne Op sterben werden.

Doch das Problem ist: Zum Verhältnis von Schaden und Nutzen solcher Eingriffe bei diesen Patienten gibt es kaum Daten. Anästhesisten aus den USA und Kanada haben diesen Zustand nun zu ändern versucht.

Der erste Blick auf die Zahlen ist entmutigend - und das Team um Leif Saager vom Institut für Anästhesiologie der Cleveland Clinic gibt das auch unumwunden zu: Die 30-Tages-Mortalität moribunder Patienten erreicht nach operativen Eingriffen knapp 53 Prozent (J Crit Care 2013; online 10. Januar).

"Dabei muss man aber davon ausgehen, dass die Patienten ohne den Eingriff keine Überlebenschance gehabt hätten", schreiben die Forscher. Anders gesagt: 47 Prozent der Todkranken, die ansonsten gestorben wären, leben einen Monat nach einem operativen Eingriff noch.

Saager und Kollegen hatten für ihre Studie eine Datenbank des American College of Surgeons herangezogen, in der prospektiv gesammelte Daten von mehr als 600.000 zwischen 2005 und 2008 operierten Patienten gespeichert sind.

Auf hohe Risiken achten

Unter ihnen befanden sich auch knapp 2100 Moribunde, die ohne den schließlich vorgenommenen Eingriff gestorben wären. Die häufigsten Operationen, denen diese Schwerstkranken unterzogen wurden, waren Darmresektionen, Aortenresektionen mit Ersatz oder Anastomose und explorative Laparotomien.

Hier lag die 30-Tages-Sterblichkeit bei 50, 56 und 77 Prozent. Am niedrigsten fiel die Mortalität bei Appendektomien aus, wo sie 17 Prozent erreichte.

Das Verhältnis von Sterbenden zu Überlebenden fiel bei den moribunden Patienten 70-mal höher aus als beim Rest der Operierten. Die Rate schwerer Komplikationen, den Tod eingeschlossen, bezifferten die Forscher mit 83 Prozent.

Dies müsse beim Für und Wider eines Eingriffs bei Moribunden bedacht werden, schreiben sie. "Aber diese Patienten sind nicht in einer derart aussichtslosen Lage, wie früher angenommen, und eine chirurgische Therapie muss daher nicht sinnlos sein."

Bei der Entscheidung helfen mag die Kenntnis der Merkmale, die laut Saager und seiner Arbeitsgruppe für ein erhöhtes Sterberisiko sprechen. Unter den postoperativ Verstorbenen befanden sich signifikant mehr Patienten über 65 Jahre.

Erhöht war zudem der Anteil von Kranken mit Dyspnoe, Herzinsuffizienz, Aszites, akutem Nierenversagen, eingeschränkter Wahrnehmungsfähigkeit und von Beatmungs- oder Dialysepflichtigen.

Auch Patienten, die bereits länger als 24 Stunden im Koma lagen, überlebten deutlich seltener die ersten 30 postoperativen Tage. Zudem hatten die Operationen bei den später verstorbenen Patienten länger gedauert. (rb)

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Schade. Aus diesem Artikel und auch dem zu den Operationen bei moribunden Patienten hätte man mehr machen können. Oder besser: sehr gut! Aus diesen Artikeln KANN man viel mehr machen. Diskutieren Sie diese Fragen doch einmal breiter. Was wollen die (wir als) Patienten? Was bedeutet dabei Lebensqualität ganz individuell? Was wollen wir an Belastung für welchen möglichen Benefit auf uns nehmen? Was wollen wir an möglicher Lebensverkürzung für unsere Entscheidungen akzeptieren?

Lebensverkürzung nehmen wir alle täglich in Kauf bei unseren kleinen Entscheidungen, doch lieber den Aufzug als die Treppe zu nehmen; doch lieber etwas dicker Butter aufs Brot zu schmieren; doch lieber noch ein Glas guten Rotwein zum leckeren Steak zu trinken ...

Herzliche Grüße und Gutes Nachdenken sendet

thomas sitte
Palliativmediziner


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