Vor der Bundestagswahl

Umfrage: Selbst Union- und FDP-Wähler für Bürgerversicherung

Nach einer repräsentativen Umfrage bekennen sich auch Wähler von Union und FDP mehrheitlich für das Konzept einer Bürgerversicherung. Die Grünen trommeln indes für das Einheitssystem: Die Regierung habe die GKV „leergeplündert“.

Von Florian Staeck Veröffentlicht:
Das duale System auf der Kippe? Die Idee einer Bürgerversicherung findet einer aktuellen Umfrage zufolge Zuspruch in der Bevölkerung.

Das duale System auf der Kippe? Die Idee einer Bürgerversicherung findet einer aktuellen Umfrage zufolge Zuspruch in der Bevölkerung.

© Robert Kneschke - stock.adobe.co

Berlin. Einer repräsentativen Umfrage zu Folge bewerten zwei von drei Bundesbürgern (69 Prozent) die Einführung einer Bürgerversicherung mit „gut“ oder „sehr gut“. Das geht aus einer Befragung des Instituts Infratest dimap im Auftrag des ARD-Magazins „Monitor“ hervor.

Dafür wurden vom 30. August bis 1. September 1337 wahlberechtigte Bürger befragt. Als ungewöhnlich gilt, dass auch befragte Anhänger von CDU/CSU und FDP die Einführung eines solchen alle Bürger umfassenden Versichertensystems befürworten würden, und zwar mit 68 Prozent und 62 Prozent. Denn beide Parteien lehnen in ihren Wahlprogrammen dieses Vorhaben strikt ab.

SPD, Grüne und Linke dagegen haben angekündigt, das bisherige duale System aus GKV und PKV verändern zu wollen. Die Spielarten der Bürgerversicherung unterscheiden sich dabei zum Teil erheblich. Die Linke beispielsweise hat durchrechnen lassen, dass ihre Variante der Bürgerversicherung Mehreinnahmen von 76 Milliarden Euro in der GKV generieren würde. Bei der Sozialen Pflegeversicherung wären es über 16 Milliarden Euro Mehreinnahmen pro Jahr.

Grüne: Ein „überfälliger“ Systemwechsel

Die Diskussion über das Konstrukt Bürgerversicherung hat in jüngster Zeit durch das absehbare hohe Defizit der GKV im kommenden Jahr Auftrieb gewonnen. In der Sozialen Pflegeversicherung mussten zuletzt mehrfach die Beitragssätze erhöht werden, wohingegen die private Pflegeversicherung bei identischen Leistungen ein Finanzpolster von 36 Milliarden Euro aufbauen konnte.

Anlässlich der Umfrageergebnisse bezeichnete Maria Klein-Schmeink, Sprecherin für Gesundheitspolitik der Grünen Bundestagsfraktion, die Einführung einer Bürgerversicherung als „überfällig“. Union und SPD hätten gemeinsam die Reserven der GKV „leergeplündert“.

Die CDU verspreche Steuersenkungen und zugleich stabile Beiträge in der GKV. „Wie das alles zusammenpassen soll, sagt sie nicht“, kritisierte Klein-Schmeink. Demgegenüber stelle eine Bürgerversicherung eine „stabilere und verlässlichere Finanzierungsbasis für die Krankenversicherung“ dar. (fst)

Mehr zum Thema

Befragung

PKV-Versicherte 2021 noch zufriedener

Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Manfred Blinzler

Dann haben wir einen NHS mit allen Konsequenzen, siehe Großbritannien!


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Zeitgenössischer Kupferstich von William T. G. Morton und Kollegen im Massachusetts General Hospital in Boston. Mittels eines Glaskolbens führte Morton die Äthernarkose vor.

© akg-images / picture-alliance

175 Jahre Anästhesie

Triumph über den Schmerz

Nach erfolgreicher Sondierungswoche (v.l.n.r): Robert Habeck und Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz und FDP-Chef Christian Lindner am Freitag in Berlin.

© Kay Nietfeld/picture alliance

Erfolgreiche Sondierung

Das plant die Ampelkoalition im Bereich Gesundheit