Berufspolitik

Union legt Konzept gegen drohende Unterversorgung vor

Mit kleinteiliger Bedarfsplanung und Arzt-Stationen will die Union dem Problem ärztlicher Unterversorgung vorbeugen. Der Pflegerat warnt derweil, die Regierung dürfe ihren Blick nicht bloß auf den Ärztemangel richten.

Von Sunna Gieseke Veröffentlicht: 15.03.2010, 15:10 Uhr

BERLIN. Die Union sorgt sich um die flächendeckende ärztliche Versorgung in Deutschland - und legt ein Konzept vor, wie sie das Problem angehen will. Ärzte sollen sich demnach nur noch dort niederlassen, wo sie "tatsächlich" gebraucht werden. Dies geht aus einem der "Ärzte Zeitung" vorliegenden Positionspapier der Union-Gesundheitsexperten Jens Spahn, Rudolf Henke, Rolf Koschorrek und Maria Michalk hervor.

Ein Ausschuss zur ärztlichen Versorgungsplanung - bestehend aus Angehörigen der Kassenärztlichen Vereinigungen, der Landesärztekammern, der Krankenhausgesellschaften, der Krankenkassen sowie Patientenvertreter und Vertreter der Länder und der Kommunen - soll die Sitzverteilung von Haus- und Fachärzten steuern.

Chancen sieht die Union vor allem in dem seit 2007 bestehenden Vertragsarztrechts-Änderungs-Gesetz. Unter anderem sollen die Möglichkeiten bei niedergelassenen Ärzten, Zweigstellen einzurichten oder weitere Ärzte anzustellen, ausgebaut werden. Sogenannte Arzt-Stationen sollen zudem eine flächendeckende Versorgung auf dem Land sicherstellen. Ärzte verschiedener Fachrichtungen sollen diese "regelmäßig, etwa an bestimmten Wochentagen", aufsuchen.

Eine kleinteilige Bedarfsplanung soll ebenfalls einer ärztlichen Unterversorgung entgegenwirken.

Die Planungsbezirke seien oftmals zu großräumig und wenig zielgenau, heißt es in dem Positionspapier. Als Beispiel wird Berlin genannt, das mit 3,5 Millionen Einwohnern ein einziger Planungsbezirk ist. Es dürfe nach Ansicht der Union-Gesundheitsexperten nicht sein, dass die Überversorgung der größeren Kreisstadt die Unterversorgung der kleineren Nachbarorte statistisch nivelliere.

Darüber hinaus sei in einem sektorübergreifenden Ansatz auch das ambulante Angebot der Krankhäuser zu berücksichtigen. Darin sieht die Union eine "große Chance zur Lösung der Konflikte" an der Schnittstelle ambulanter und stationärer Versorgung. Im Visier hat die Union dabei den umstritten Paragrafen 116b SGB V.

Einen weiteren Fokus setzt die Union auf die Nachwuchsförderung. Sie schlägt vor, zusätzliche Auswahlkriterien für Studienplätze einzuführen. Neben der Abiturnote sollen auch fachspezifische "Studierfähigkeitstests" und Auswahlgespräche in die Studienplatzvergabe einbezogen werden.

Der Deutsche Pflegerat warnte die Regierung davor, den Blick nicht nur auf die personellen Engpässe in der ärztlichen Versorgung zu richten. "Die Politik hat noch nicht erkannt, welche Dimensionen die Mängel in den Pflegeberufen mit sich ziehen", so der Präsident des Deutschen Pflegerats, Andreas Westerfellhaus.

Lesen Sie dazu auch: Bedarfsplanung soll kleinräumig werden

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