Arzneimittelpolitik

Viele Apotheken auf der Kippe - schlechte Noten für die Lobby-Arbeit

Vor allem kleine Apotheken sind Grenzanbieter - bei scharfer betriebswirtschaftlicher Kalkulation müssten sie dicht machen. Das AMNOG verschärft die wirtschaftliche Lage.

Von Helmut Laschet Veröffentlicht: 17.01.2011, 14:47 Uhr
Scharf kalkulieren - das gilt für Apotheker jetzt verstärkt.

Scharf kalkulieren - das gilt für Apotheker jetzt verstärkt.

© Shingarev / fotolia.com

KÖLN. Nach einem Apothekenbetriebsvergleich des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH) hat sich die betriebswirtschaftliche Situation der Apotheken im Jahr 2009 deutlich verschlechtert - und 2011 könnte zum Krisenjahr werden.

So erreichten die Apotheken nach einer Analyse von 266 Bilanzen gerade einmal eine Umsatzrendite von 0,3 Prozent. Im Jahr 2008 waren es noch 0,8 Prozent gewesen.

Kleinere Apotheken mit bis zu fünf beschäftigten Mitarbeitern schreiben hingegen rote Zahlen. Entsprechend pessimistisch sind Apotheker mit Blick auf die Zukunft: Der Anteil derjenigen Apotheker, die eine ungünstige Geschäftsentwicklung erwarten, stieg von 62 Prozent im September auf 87 Prozent im Dezember.

Insgesamt macht dies rund 200 Millionen Euro aus. Angesichts der ohnehin schmalen Umsatzrendite ist dies ein spürbarer Wert. Außerdem befürchten die Apotheker, dass sinkende Spannen des Großhandels auf sie überwälzt werden.

Von der Gesundheitspolitik, die nun erstmals in der deutschen Nachkriegsgeschichte von einem FDP-geführten Gesundheitsministerium bestimmt wird, zeigen sich die Apotheker zutiefst enttäuscht.

Nach einem Umfragepanel des Instituts für Handelsforschung bewerten über 80 Prozent der Befragten die Leistung der Koalitions-Gesundheitspolitiker im Jahr 2010 mit den Noten "mangelhaft" oder "ungenügend".

Der Zorn trifft aber auch die Standesvertretung ABDA, deren Kampagne für die Inhaber-geführte Apotheke und deren Kampf gegen Versandhandel und Internet praktisch wirkungslos geblieben ist.

Fast zwei Drittel der im IFH-Panel befragten Apotheker benoteten die Leistung der ABDA im Jahr 2010 mit "mangelhaft" oder "ungenügend".

Dr. Markus Preißner vom IFH kritisiert, dass es der ABDA an einer Vision zur zukünftigen Positionierung öffentlicher Apotheken im Gesundheitssystem mangele.

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