Keine Desinfektion

Viele Schulen im Nordosten haben Hygieneprobleme

Eine Kreisgebietsreform brachte es ans Tageslicht: An vielen Schulen in Mecklenburg-Vorpommern ist es um die Hygiene offenbar nicht so gut bestellt, wie es sein sollte.

Von Denis NößlerDenis Nößler Veröffentlicht:
KEIN Bild aus Mecklenburg-Vorpommern: Aber auch hier sieht es nicht sonderlich hygienisch aus.

KEIN Bild aus Mecklenburg-Vorpommern: Aber auch hier sieht es nicht sonderlich hygienisch aus.

© Klatt / mm images / imago

BERLIN. Zahlreiche Schulen in Mecklenburg-Vorpommern haben offenbar Nachholbedarf bei der Hygiene. Von Keimbefall, fehlenden Desinfektionsmitteln bis zu zweckentfremdeten Sporthallen ist dort so manches im Argen. Ans Licht gebracht hat das eine Kreisgebietsreform.

Im September 2011 entstand der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte aus zahlreichen Altkreisen. Größte Stadt ist Neubrandenburg. Der Kreis hat rund 270.000 Einwohner und 93 Schulen, davon allein 44 Grundschulen.

Die Neuordnung des Kreises hatte das Gesundheitsamt im vergangenen Jahr zum Anlass genommen, an allen Schulen eine sogenannte Komplexkontrolle durchzuführen. Mit einem einheitlichen Begehungsbogen wurden die Sanitärräume, Umkleiden, Turnhallen, Desinfektion, Reinigung und Dokumentation unter die Lupe genommen.

Zur Erinnerung: Schulen zählen zu den Gemeinschaftseinrichtungen und unterstehen laut Paragraf 36 des Infektionsschutzgesetzes der Überwachung durch das Gesundheitsamt.

Weitere Kontrollen angekündigt

Die Ergebnisse waren jedoch ernüchternd. Die allgemeine Hygiene war schlicht mangelhaft, resümierten die Amtsärzte aus dem Nordosten auf dem 63. wissenschaftlichen Kongress des Bundesverbands der Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst (BVÖGD) in Berlin (Gesundheitswesen 2013; 75 - P24).

In vielen Grundschulen fehlten schlicht Desinfektionsmittel - und das, obwohl sie in Mecklenburg-Vorpommern gesetzlich vorgeschrieben sind. Manche Sanitäranlagen wurden kurzerhand zu Umkleideräumen umfunktioniert - mit dem Risiko für Legionellen-Infektionen.

Denn die Proteobakterien vermehren sich bekanntlich in Biofilmen, wie sie sich in selten benutzen Wasserleitungen bilden, besonders gut. Und auch sonst waren die Begehungen offenbar ein Paradies für Mikrobiologen.

Von den Abklatschproben bildeten 76 Prozent einen Bakterienrasen, der an einigen Stellen auch pathogene Keime enthielt.

Das Gesundheitsamt im neuen Landkreis hat deswegen reagiert. Künftig werden die Schulen alle drei bis fünf Jahre kontrolliert. Einzelne Einrichtungen müssen sich sogar auf gezielte Nachkontrollen einstellen.

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