Berufspolitik

Volles Wartezimmer - oft auch wegen Bagatellen

BERLIN (sun/HL). Patienten gehen häufig aus "geringfügigen Anlässen" zum Arzt. Das geht aus dem Barmer GEK Arztreport hervor, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Veröffentlicht: 15.09.2010, 14:31 Uhr
Volles Wartezimmer - oft auch wegen Bagatellen

Hausarztverträge könnten nach Ansicht der Barmer GEK unnötige Arztbesuche vermeiden.

© Schellhorn / imago

Im Schnitt suchen Patienten 18-Mal im Jahr einen Arzt auf. Weit überdurchschnittlich ist die Frequenz bei Hypertonikern (32), Herzinsuffizienten (49) und Depressiven (44).

Filtert man solche behandlungsintensiven Patienten heraus, so ergibt sich folgendes Bild: 70 Prozent der verbleibenden Patienten verursachen keine oder nur geringe Ausgaben von unter 100 Euro pro Jahr, etwa für Arzneien. Diese Patienten kommen aber im Schnitt pro Jahr auf fast 7,5 Arztkontakte.

Barmer GEK-Chefin Birgit Fischer zieht daraus das Fazit, dass durch bessere Steuerung und Koordination ein Teil überflüssiger Arztkontakte vermieden werden kann. "Eine gute Idee hierzu sind die Hausarztverträge", so Fischer, die allerdings den geltenden Paragraf 73b für ungeeignet hält. Notwendig seien die Koordination von Haus- und Fachärzten, integrierte Versorgungsverträge für bestimmte Indikationen und Programme für chronisch Kranke. Eine weitere Erkenntnis: Multimorbidität wird auch im geltenden Morbi-Risikostrukturausgleich nicht ausreichend abgebildet.

Lesen Sie dazu auch: Der Morbi-RSA braucht Korrekturen

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Kommentare
Dr. Boris H. May

Lösung bei der PKV und im europäischen Ausland

Bagatellbesuche von Patienten stören nicht nur die Kassen, sondern auch uns Ärzte. Im Bereich der PKV wird dieses Problem, ebenso wie z.B. in Frankreich, durch eine Selbstbeteiligung gelöst, die die Selbstverantwortung des Patienten fördert.

Dr. Thomas Georg Schätzler

Der neue Trend: Bagatellisierung der hausärztlichen Allgemeinen und Inneren Medizin!

Sehr geehrte Frau Birgit Fischer, ich habe Ihnen schon oft genug geschrieben und keine fundierte Antwort zu Ihrer gesetzlichen Verpflichtung gehört, die seit 2009 vorgeschriebene Hausarztzentrierte Versorgung (HzV) nach § 73b SGB V mit dem dafür mandatierten Hausärzteverband (HÄV) abzuschließen. Stattdessen haben Sie in der Ärzte Zeitung undifferenziert allen Niedergelassenen, und damit auch uns Hausärzten, unzureichende Versorgungsqualität vorzuwerfen versucht. Dies haben Sie dann wortreich zurücknehmen wollen.

Es ist Ihnen nicht gelungen! "Patienten gehen häufig aus ''geringfügigen Anlässen'' zum Arzt", heißt es in Ihrem Report so schön. Sind das etwa Ihre Versicherten, die Kosten von unter 100 Euro im Jahr verursachen, "aber im Schnitt pro Jahr auf fast 7,5 Arztkontakte" kommen? Dann sind Sie doch fein raus! Pro Arztbesuch nur 13,33 Euro Kosten verursacht. Ja, geht''s denn noch billiger? Für jedes Billig-Generikum bekommt die Apotheke schon 8,10 Euro "Schubladen"-Entnahmeentgelt!

Aber es kommt noch Dicker: Sie behaupten, dass "durch bessere Steuerung und Koordination ein Teil überflüssiger Arztkontakte vermieden werden kann". Ja, aber dann hurtig ran, hochverehrte ehemalige SPD Landesgesundheitsministerin in NRW, das wäre doch eine probate Aufgabe für Ihre BEK/HEK.

Aber ich ahne schon, wer für "die Frequenz bei Hypertonikern (32), Herzinsuffizienten (49) und Depressiven (44)" an jährlichen Arztbesuchen verantwortlich gemacht wird: Wir, besonders die Hausärzte sind es, bei denen Patienten sich "auf Kosten Ihrer Krankenkassen" herumdrücken und herumlungern, um von Medizinern "erfundene" Krankheiten kostenträchtig mit „obskuren“ Therapien behandeln zu lassen, die in Ihren Augen gar nicht existieren und notwendig sind. Oder sollte ich mich getäuscht haben? - fragt sich besorgt

Ihr sehr ergebener Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM in Dortmund


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