Arztmangel

Wann kommt der neue Hausarzt nach Woldegk?

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Die Suche von "Ärzte Zeitung" und AOK-Bundesverband nach einem Hausarzt für Woldegk hat die Diskussion um das Thema des drohenden Ärztemangels auf dem Land neu befeuert. Es gab die ersten ernsthaften Anfragen. Eine Entscheidung ist allerdings noch nicht gefallen.

Von Hauke Gerlof

WOLDEGK. Wird es gelingen, einen Hausarzt zu finden, der in den Süden Mecklenburgs ziehen und sich in der Kleinstadt Woldegk eine neue Existenz aufbauen möchte?

Genau das ist das große Ziel der Aktion "Landarzt gesucht" von "Ärzte Zeitung" und AOK-Bundesverband.

Dass es sich auf dem platten Land in Mecklenburg-Vorpommern gut leben lässt, haben zwei Praxisberichte über Hausärzte, die dort seit Jahren arbeiten, gezeigt: Wirtschaftlich ist eine Praxisgründung in Woldegk fast ohne Risiko, die Patienten sind dankbar, der Freizeitwert ist hoch.

Doch wie hoch sind die Chancen des Partners oder der Partnerin, am Ort oder in der Nähe Arbeit zu finden? Das fragte vor zwei Wochen ein Arzt, der offenbar Interesse an einer Niederlassung in Woldegk hat, per E-Mail.

"Wäre die Gemeinde bereit, die Bedürfnisse eines Ehepartners nach adäquater Arbeit zu berücksichtigen?", heißt es in der Mail.

"Meine Partnerin würde schon mitkommen, aber aus einer ungekündigten, gut bezahlten Stelle in eine potenzielle Arbeitslosigkeit wegen wirtschaftlicher Strukturschwäche - das ist schwer zu vermitteln."

Die Schönheit der Natur könne am Ende die "Befriedigung einer guten Arbeit und das ausgefallene zweite Gehalt in der Familienkasse nicht kompensieren", bedauert der Interessent.

Andere Regionen wollen teilnehmen

Doch KV und Gemeinde haben das Problem erkannt und würden auf jeden Fall dem Partner oder der Partnerin eines neuen Arztes mit Rat und Tat bei der Suche nach Arbeit helfen. Welche Möglichkeiten es gibt, wird demnächst in der Serie "Landarzt gesucht" berichtet werden.

Spannend wurde es vor zwei Wochen auch für Petra Ehlert, die jüngste Hausärztin am Ort. Am Telefon war Karl Heinz Stühmeyer, derzeit Allgemeinarzt in Hüllhorst, Westfalen.

Es sei ein "sehr konstruktives Gespräch" gewesen, erinnert sich Ehlert. Eine Anfrage, ob für sie auch eine Arbeit in einer Gemeinschaftspraxis vorstellbar wäre. Ihre Antwort: "Klar - wenn es passen würde."

Er denke über eine Übersiedlung nach Mecklenburg nach, bestätigt Stühmeyer auch im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Eine konkrete Bewerbung habe er aber noch nicht geschickt: "Ich bin ja nicht arbeitslos, wir haben hier eine Riesenpraxis zu zweit. Ich bin einfach noch nicht dazu gekommen", so der Allgemeinarzt.

Dass Woldegk mit seinen Problemen, einen neuen Landarzt zu finden, nicht allein ist, zeigt eine Zuschrift aus Zeitlofs in der Rhön.

Angst vor Regressen

"Könnten Sie sich vorstellen, dass wir an Ihrer fantastischen Idee "Landarzt gesucht" teilnehmen können?", fragt Gabriele Bramante, deren Mann nach ihren Angaben seit 30 Jahren "eine sehr erfolgreiche Praxis mit gutem Umsatz führt" - aber trotz vieler Anstrengungen keinen Nachfolger findet

Im nahen Bad Brückenau gehe es "auch nicht viel besser".

Doch es gibt auch kritische Stimmen von Ärzten, die sich etwa über das Ausmaß an Bürokratie im Praxisalltag beklagen. Dabei zeigt sich, dass den Ärzten oft nicht klar ist, wer dafür verantwortlich ist - die Gremien der Selbstverwaltung oder die Politik.

Darüber hinaus wird auch das Thema Regressangst angesprochen. Hier wünschen sich viele Ärzte, die sich zum Teil auch telefonisch gemeldet haben, mehr "Sicherheit". Beschwichtigungen wirkten dagegen eher kontraproduktiv. Fakt ist: Es muss sich etwas ändern.

Die Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen zeigen sich zunehmend beweglich, wenn es um neue Versorgungskonzepte oder Unterstützungsmöglichkeiten für die medizinische Versorgung in den ländlichen Regionen geht.

Die gemeinsame Initiative "Landarzt gesucht" von "Ärzte Zeitung" und AOK-Bundesverband zeigt, dass dieses Umdenken begonnen hat.

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