Gewalt in der Pflege

Was tun bei Verdacht?

Der Springer-Kongress Pflege widmet sich im Januar einem heißen Eisen: Projekte zur Prävention und zum Umgang mit Gewalt in der Pflege bilden einen Fokus.

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BERLIN. Fest zupacken, anschreien oder sozial isolieren – Gewalt in der häuslichen Pflege ist ein Alltagsphänomen. Selten ist die Aggression offenkundig und selten passiert es aus Absicht, sondern weil die Angehörigen überfordert sind.

"Professionell Pflegende sind sich dann oft nicht sicher, ob ihr Verdacht stimmt und wie sie sich verhalten sollen", betont Anna Grundel, Pflegewissenschaftlerin und stellvertretende Heimleiterin des Alten- und Pflegeheims Anlagenring in Frankfurt am Main. In dem Projekt "Safer Care", das vom Bundesforschungsministerium gefördert wurde, haben Grundel und andere Wissenschaftler der Hochschule Fulda Handlungsempfehlungen für Pflegedienste erarbeitet.

Dieses Projekt und weitere Ansätze zur Gewaltprävention werden in mehreren Vorträgen und Workshops auf dem Springer-Kongress Pflege 2017 am 20. und 21. Januar in Berlin vorgestellt.

In einer Befragung von 254 pflegenden Angehörigen (Görgen et al., 2012) berichteten fast die Hälfte von ihnen, schon einmal psychische Misshandlung angewendet zu haben. 19 Prozent gaben zu, auch körperlich gewalttätig gewesen zu sein. Depressionen oder Angstattacken, chronische Schmerzen, Quetschungen oder gar Knochenbrüche – das können die Spuren sein, die die vielfältigen Formen von Gewalt bei den Pflegebedürftigen hinterlassen.

Die Entscheidung, ob und wie interveniert wird, sollte in einer Teambesprechung fallen. Hilfreich ist dabei, Hausärzte in die Überlegungen einzubeziehen. "Die Hemmschwellen, sich nach außen zu wenden, sind oft hoch", berichtet Grundel. "Hier gilt es, die Schweigepflicht gegen die sogenannte Garantenpflicht abzuwägen."

In schwierigen Fällen kann es notwendig sein, Heimaufsicht, Pflegekasse, Amtsgericht oder bei akuter Gefahr sogar die Polizei zu informieren. Besser ist es, solche Situationen zu vermeiden: "Das Wissen über Belastungsfaktoren – Demenz, schwerste Pflegebedürftigkeit, beengte Wohnverhältnisse oder fehlende soziale Unterstützung – bietet einen guten Ansatzpunkt für die Präventionsarbeit."

Rund 1500 Teilnehmer werden zum Kongress Pflege 2017 erwartet, der zum 22. Mal stattfindet und dieses Jahr von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig eröffnet wird. Bei dem Kongress wird es neben Themen aus Pflegepraxis und -management auch um das geplante Pflegeberufsgesetz und die Folgen des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs gehen. (an)

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