Fakten und Fragen

Was wissen Experten wirklich über das Zika-Virus?

In nur wenigen Monaten hat sich das Zika-Virus explosionsartig in Lateinamerika ausgebreitet. Experten rätseln noch. Alle Fakten und Fragen kompakt zusammengestellt.

Veröffentlicht:

BERLIN Das Zika-Virus ist seit fast 70 Jahren bekannt. Doch noch sind viele seiner Eigenschaften unklar. Bislang galt es als relativ harmlos. Dies hat sich jedoch geändert.

Das wissen Experten:

1. Das Zika-Virus wurde nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1947 in Uganda in einem Rhesusaffen entdeckt. 1952 konnten Experten es auch bei Menschen in Uganda und Tansania nachweisen. Inzwischen hat es sich nicht nur in Afrika, sondern auch in Asien ausgebreitet. Zwei größere Ausbrüche gab es 2007 und 2013 in Pazifischen Inselstaaten.

Seit 2015 verbreitet sich der Erreger sehr rasch in Lateinamerika, vor allem in Brasilien und Kolumbien. Auch auf den Kapverdischen Inseln ist das Virus aufgetaucht.

2. Der Erreger wird vor allem von der tropischen Gelbfiebermücke Aedes aegypti übertragen, die auch Dengue-, Chikungunya- und Gelbfieber verbreiten kann. Die tagaktive Mücke kommt in Deutschland nicht vor.

3. Etwa 70 bis 80 Prozent der Infizierten haben nach Angaben der Gesellschaft für Virologie keine Symptome. Die anderen leiden einige Tage nach dem Mückenstich zum Beispiel unter Fieber, Muskel-, Glieder- und Kopfschmerzen. Es kann nach Angaben der Fachgesellschaft ein juckender Hautausschlag auftreten, der sich vom Kopf über den ganzen Körper ausbreitet. Die Symptome sind nach wenigen Tagen vorbei.

4. Bislang sind nur wenige Todesfälle bekannt geworden, die in Verbindung mit dem Zika-Virus stehen könnten. Zum Vergleich: Am Dengue-Fieber sterben pro Jahr rund 22 000 Menschen. An der von anderen Mücken übertragenen Malaria starben 2015 laut WHO 438 000 Menschen, 70 Prozent davon Kinder unter fünf Jahren.

5. Zika-Viren können auch durch Sex übertragen werden. Die WHO geht aber davon aus, das "beinahe 100 Prozent aller Ansteckungen durch Stechmücken erfolgen". Auch im Urin wurde das Virus nachgewiesen.

Das vermuten Experten

1. Es gibt Hinweise darauf, dass infizierte Schwangere ein höheres Risiko für Schädelfehlbildungen ihrer Kinder haben. In Brasilien ist von Oktober bis Anfang Februar die Zahl bewiesener Mikrozephalie-Fälle auf 404 gestiegen - in 17 Fällen konnte nachgewiesen werden, dass sich schwangere Frauen zuvor mit dem Zika-Virus infiziert hatten. 2014 wurden nur 147 bestätigte Mikrozephalie-Fälle registriert.

Nach Angaben des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) ist auch denkbar, dass es einen ganz anderen Auslöser geben könnte, beispielsweise ein Medikament.

2. Mediziner in El Salvador untersuchen noch, ob ein Zusammenhang zwischen Zika und dem Anstieg des seltenen Guillain-Barré-Syndroms mit Lähmungserscheinungen besteht.

3. Auch die Asiatische Tigermücke Aedes albopictus konnte zumindest im Laborversuch Zika-Viren übertragen. Der Virologe Christian Drosten (Universitätsklinikum Bonn) hält das Übertragungsrisiko durch die Asiatische Tigermücke in Deutschland aber für "verschwindend gering", da diese Art hier kaum vorkommt.

Für größere Ausbrüche sei das Klima in Deutschland zu ungünstig, erläuterte Christina Frank vom RKI.

Das ist unbekannt

1. Warum sich das mysteriöse Zika-Virus so rasch in Lateinamerika verbreitet hat, wissen die Experten noch nicht.

2. Ein Heilmittel gegen das Zika-Fieber gibt es nicht; nur die Symptome können etwa mit Wadenwickeln oder Schmerztabletten bekämpft werden. Auch ein Impfstoff ist nicht vorhanden. Die Forschung soll jetzt aber forciert werden. Die Entwicklung dürfte Jahre dauern.

(dpa)

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Pharmakokinetik von Rezafungin bei einer Dosierung von 400mg, gefolgt von 200mg einmal wöchentlich

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [10]

Invasive Candida-Infektionen

Modernes Echinocandin – optimierte Eigenschaften und klinische Vorteile

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mundipharma Deutschland GmbH & Co. KG, Frankfurt/Main

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Autopsiestudie

So häufig wird der Krebs erst nach dem Tod erkannt

Lesetipps
Schulterschmerzen? Im höheren Alter ist die Polymyalgia rheumatica nach der Rheumatoiden Arthritis die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© peopleimages.com / stock.adobe.com

Praxistipps

Schulterschmerzen: Die vertrackte, ärztliche Spurensuche