Ein Plädoyer für Solidarität und gegen Populismus

We shall overcome!

Der Hausarzt Dr. Karlheinz Bayer wehrt sich dagegen, dass der gewaltsame Tod seines Kollegen für politische Zwecke instrumentalisiert wird.

Von Dr. Karlheinz Bayer Veröffentlicht: 23.08.2018, 18:35 Uhr
We shall overcome!

In einem Trauermarsch, an dem sich viele Geflüchtete beteiligten, gedachten mehrere Hundert Menschen in Offenburg des Hausarztes, der in seiner Praxis getötet worden war.

© Benedikt Spether / dpa

Am 31. August 2015 hat Bundeskanzlerin Angela Merkel den historischen Satz gesagt: "Wir schaffen das!"

Am 22. August 2018 sangen einige hundert Teilnehmer am Ende eines Trauermarsches in Offenburg "We shall overcome", was das Gleiche aussagt. Den Trauermarsch haben Sozialarbeiter gemeinsam mit Flüchtlingen einer Sammelunterkunft organisiert.

Er führte etwa vier Kilometer quer durch die Stadt, von der Unterkunft zu der Praxis des Toten, vor der weiße Rosen niedergelegt wurden und wo Gelegenheit war, ein Gebet zu sprechen oder des Verstorbenen zu gedenken.

We shall overcome!

Dr. Karlheinz Bayer ist in einer Gemeinschaftspraxis in Bad Peterstal nahe Offenburg niedergelassen.

© privat

Reden wurden keine gehalten, um allein dem Gedenken an den geschätzten und beliebten Kollegen und der Trauer Raum zu lassen. Am zurückliegenden Wochenende haben rechte Demonstranten unter großem Protest versucht, den Tod des Arztes für fremdenfeindliche Propaganda auszunutzen. Offenburg dagegen ist stolz auf die bislang erfolgreiche Integrationsarbeit.

Der Trauermarsch begann mit rund 300 Teilnehmern, vorneweg gingen Asylbewerber und Flüchtlinge. Auf dem Weg zur Praxis in der Änne-Burda-Straße nahm die Zahl deutlich zu, sodass man an Ende etwa 500 zählen konnte.

Unter den Teilnehmern waren neben den rund hundert Flüchtlingen auch einige Dutzend Ärzte aus der gesamten Ortenau, viele Patienten und einige Lokalpolitiker.

Mehrfach konnte man hören, dass die zunehmende Gewalt gegen Helfer, Ärzte, Feuerwehrmänner oder Polizisten zu einem allgemeinen Problem geworden ist und keines ist, das man den Flüchtlingen anhängen kann.

Joachim T. war engagiert in der Flüchtlingsarbeit. Einige der Teilnehmer an dem Marsch erklärten, dass sie die vier Kilometer zwischen dem Wohnheim und der Praxis oft gegangen seien.

Solidarität war in allen Gesprächen zu spüren, die am Rand des Marschs geführt wurden. Bedauern darüber, dass so etwas geschehen konnte, Trauer um den Kollegen und Freund. Trotzdem wurde am Ende der Veranstaltung das Lied aus der Friedensbewegung gemeinsam gesungen: "We shall overcome!"

Lesen Sie dazu auch: Nach Messerattacke: Hunderte nehmen Abschied von Hausarzt

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