Heilkunde-Übertragung

Westerfellhaus verlangt größere Eigenständigkeit für Pflegekräfte

Chronische Wunden versorgen, Infusionen legen, Heilmittel auswählen: Nach Ansicht des Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung können Pflegeprofis mehr als man ihnen in der Versorgung zugesteht.

Von Thomas HommelThomas Hommel Veröffentlicht:
Pflegekräfte sollen nach den Vorstellungen des Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung künftig mehr Kompetenzen erhalten. Dazu gehört etwa, dass sie auch Infusionen legen.

Pflegekräfte sollen nach den Vorstellungen des Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung künftig mehr Kompetenzen erhalten. Dazu gehört etwa, dass sie auch Infusionen legen.

© stephm2506 / stock.adobe.com

Berlin. Der Pflegebevollmächtige der Bundesregierung Andreas Westerfellhaus hat sich für eine Aufwertung der Pflegeberufe durch mehr eigenständige Aufgaben ausgesprochen. Es brauche dazu mehr Modelle der erweiterten Kompetenzübertragung, die dann „zügig“ Teil der Regelversorgung werden müssten, sagte der CDU-Politiker am Montag in Berlin. „Was Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten gelernt haben, sollten sie auch in der Praxis umsetzen können.“

Wenn ein hochbetagter Mensch im Pflegeheim zu wenig getrunken habe und deshalb eine Infusion nötig sei, brauche es „keinen Arzt und keine Krankenhauseinweisung, um das zu erkennen und eine angemessene Versorgung zu garantieren“, nannte Westerfellhaus ein Beispiel für mehr Eigenständigkeit für Pflegekräfte.

„Eigenes Budget nötig“

Auch im Bereich der Versorgung chronischer Wunden könnten entsprechend geschulte Pflegekräfte „eine Diagnose stellen“ und „eine therapeutische Entscheidung treffen“. Dafür brauche die Pflegefachkraft allerdings ein „eigenes Budget, das Recht dazu und eine eigenständige Entscheidung, wen und welche Berufsgruppe ziehe ich im Sinne einer konsiliarischen Tätigkeit hinzu“.

Pflegefachkräften Kompetenzen zu verweigern, die sie in der Ausbildung oder während des Studiums erlernt hätten, sei nicht bloß Ausdruck „mangelnder Wertschätzung“, kritisierte Westerfellhaus. „Es hat auch etwas mit Ressourcenverschwendung zu tun, denn diese Leistungen kommen beim Patienten oder beim Pflegebedürftigen nicht adäquat an.“ Pflegeprofis dagegen größere Verantwortung einzuräumen, sichere die Versorgung und den Nachwuchs.

Mehr Bedarfsorientierung!

In den Krankenhäusern sei überdies eine verbindliche und einheitliche Personalbemessung umzusetzen, sagte Westerfellhaus. Das funktioniere aber nur, wenn sich die Kliniken „nicht erlösorientiert, sondern bedarfsorientierter aufstellen“ – auch wenn das bedeute, „dass nicht jede Station und jedes Krankenhaus erhalten bleibt“.

Personalmangel in Krankenhäusern sei dann „hausgemacht“, wenn medizinisch unnötige Operationen Pflegekräfte und Ärzte binden, die woanders fehlten. Dasselbe gelte, wenn Patienten aus „wirtschaftlichen Gründen“ im Krankenhaus behandelt würden, obwohl sie aus ärztlicher Sicht ambulant versorgt werden könnten.

„Gleichmäßig gut bezahlen“

Zur Diskussion um eine flächendeckende Tarifbezahlung in der Altenpflege sagte Westerfellhaus, es handele sich um „eine unendliche Geschichte“. Es sei aber an der Zeit, Pflegefachkräfte „gleichmäßig gut“ zu bezahlen. „Ansonsten werden wir Verschiebungen erleben, die einer Versorgung in allen Bereichen nicht zuträglich sind“, spielte Westerfellhaus auf die teils großen Unterschiede in der Entlohnung von Kranken- und Altenpfleger an.

Höhere Gehälter in der Altenpflege seien von den Kassen zu refinanzieren, sagte Westerfellhaus. Pflegeeinrichtungen dürften keine Angst haben, dass sie auf diesen Ausgaben sitzen blieben. „Das muss verbindlich geregelt werden.“ Parallel brauche es eine Begrenzung der Pflege-Eigenanteile. Mehrkosten für gute Arbeitsbedingungen in der Pflege seien gesamtgesellschaftliche Aufgaben und müssten daher entsprechend finanziert werden.

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