Der Standpunkt zum Betreuungsgeld

Wie auf dem Politbasar

Der Handel um das Betreuungsgeld treibt skurrile Blüten auf dem schwarz-gelben Politbasar. Dabei sollte sich die Regierung endlich mal mit der fundierten Kritik befassen - und die Prämie in der Mottenkiste versenken, meint Christiane Badenberg.

Veröffentlicht:

Die Autorin ist Redakteurin im Ressort Gesundheitspolitik. Schreiben Sie ihr: christiane.badenberg@ springer.com

Die neu entflammte Diskussion um das Betreuungsgeld macht das Problem mit dieser Leistung deutlich. Es durchzusetzen liegt keiner Partei wirklich am Herzen - auch nicht der CSU.

Für sie ist es lediglich ein Instrument, um ein Jahr vor der Landtagswahl in Bayern und der Bundestagswahl der konservativen Wählerschaft etwas zu bieten.

Teilweise erinnern die Äußerungen der Koalitionäre eher an das Feilschen auf einem Basar als an ernst zu nehmende politische Auseinandersetzungen: So soll die Auszahlung plötzlich doch an die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen geknüpft werden.

Oder: Wer kein Bargeld nimmt, kann mit dem Geld seine Altersvorsorge aufbessern. Den Vogel schoss FDP-Vize Holger Zastrow ab. Er will die Zustimmung zum Betreuungsgeld mit der Abschaffung der Praxisgebühr oder einer Senkung des Solidaritätszuschlages verknüpfen.

In dem Geschacher geht unter, dass es weiter massive und fundierte Kritik am Betreuungsgeld gibt. Dabei will niemand Eltern verbieten, ihre Kinder zu Hause zu betreuen. Die Frage ist nur: Warum müssen sie dafür vom Staat finanziell unterstützt werden?

Es ist kurzsichtig, nur aus politischem Kalkül gerade solche Eltern dazu zu verleiten, ihre Kinder zu Hause zu lassen, denen der Besuch einer Kita besonders gut tun würde.

Die dort Anregungen bekommen, die ihnen sonst nicht geboten werden. Um jedes Kind, das die negativen Folgen einer solchen Entscheidung tragen muss, ist es schade.

Aus gutem Grund sprechen sich Pädiater dafür aus, die für das Betreuungsgeld vorgesehenen vielen Millionen lieber in die frühkindliche Förderung zu stecken, statt sie fürs Betreuungsgeld zu verschwenden.

Auch die Autoren der Kinderarmutsstudie, die in dieser Woche veröffentlicht wurde, lehnen das Betreuungsgeld ab und plädieren dafür, in Einrichtungen für Kinder zu investieren.

All diesen Gründen zum Trotz gibt es kaum Hoffnung, dass das Betreuungsgeld nicht kommt. Tatsächlich aber wäre ein Scheitern mit Blick auf viele Kinder in diesem Land zu wünschen.

Mehr zum Thema

Fehlendes Lehrpersonal

Pflegeverbände warnen vor Personalnotstand

Kommentar zur Entlassungswelle in Spanien

Eine vergebene Chance

Auch BMG stellt klar

Kassenärzten ist nicht erlaubt, auf 3G zu bestehen

Schlagworte
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lange wurden Jugendliche nur als Zielgruppe für Corona-Impfungen wahrgenommen, nicht aber als Pandemieopfer. Das sorgt jetzt für volle Wartezimmer bei Therapeuten.

© Frank Hoermann / SvenSimon / picture alliance

Zi-Trendreport

Corona wirkt weiter auf Fallzahlen

Bei der Knie-Totalendoprothese gibt es einiges zu beachten, mahnt ein Orthopäde.

© peterschreiber.media / stock.adobe.com

Appell des BVOU

Mehr Zurückhaltung bei der Indikation zu Knieendoprothesen!

Eher unbegründete Ängste und Unsicherheiten sollten nicht dazu führen, dass notwendige Impfungen bei Kindernoder Erwachsenen unterlassen werden.

© Mareen Fischinger / Westend61 / picture alliance

Kollegenratschlag

So impfen Ärzte bei Dermatosen richtig