Wird der Morbi-RSA falsch berechnet?

Zu viel Geld für Junge und Gesunde, zu wenig für Alte und Kranke: Die AOK Bayern bemängelt fehlerhafte Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds. Die Kasse sieht gar einen methodischen Fehler bei der Berechnung - und spricht von "Altersdiskriminierung".

Veröffentlicht:
Gibt es eine fehlerhafte Zuweisung aus dem Gesundheitsfonds?

Gibt es eine fehlerhafte Zuweisung aus dem Gesundheitsfonds?

© C. / shutterstock.com

MÜNCHEN (sto). Durch einen methodischen Fehler im Berechnungsverfahren für den morbiditätsorientierten Risiskostrukturausgleich wird den Krankenkassen aus dem Gesundheitsfonds zu wenig Geld für die Versorgung älterer, schwer- und mehrfach kranker Menschen zur Verfügung gestellt.

Darauf hat die AOK Bayern bei einer Expertentagung in München hingewiesen.

Für junge und gesunde Versicherte bekommen die Krankenkassen dagegen zu viel aus dem Gesundheitsfonds.

Deckungsgrad sinkt mit dem Alter

"Die standardisierten Leistungsausgaben, also die Zuweisungen aus dem Fonds, sind schlicht falsch berechnet", erklärte die Verwaltungsratsvorsitzende der AOK Bayern auf Arbeitgeberseite, Dr. Claudia Wöhler.

Bei einem 30-jährigen Versicherten würden im Durchschnitt rund 104 Prozent seiner Leistungsaufwendungen durch den Fonds gedeckt.

Bei einem 70-Jährigen sinke der Deckungsgrad hingegen auf 98 Prozent und bei einem 80-Jährigen sogar auf 80 Prozent ab. "Das ist Altersdiskriminierung pur", sagte Wöhler.

Der Methodenfehler im Morbi-RSA ließe sich vergleichsweise einfach beseitigen, erklärte die AOK-Vertreterin. Dazu habe der Wissenschaftliche Beirat beim Bundesversicherungsamt vorgeschlagen, die Ausgaben von "allen Versicherten mit unvollständigen Versichertenepisoden zu annualisieren".

Dabei gehe es um die Berechnung von Zuweisungen für die Versicherten, die im Laufe eines Jahres gestorben sind, erläuterte Wöhler. "Es genügt die Anwendung einer der vier Grundrechenarten", sagte sie.

Flächendeckende Versorgung müsse gesichert werden

Diese Ungenauigkeit führe auch dazu, dass die Ziele des Morbi-RSA, Risikoselektion zu vermeiden und die Wirtschaftlichkeit der Gesundheitsversorgung zu erhöhen, nicht vollständig erreicht werden.

Bayern sei davon besonders betroffen, weil aufgrund der guten Konjunktur zwar hohe Beiträge in den Gesundheitsfonds abgeführt würden, bei der Mittelverteilung das höhere Ausgabenniveau des Gesundheitswesens im Freistaat jedoch nicht angemessen berücksichtigt werde.

Wöhler forderte daher länderspezifische Zuweisungen an die gesetzlichen Krankenkassen. Die Qualität der flächendeckenden Gesundheitsversorgung in Bayern müsse durch entsprechende Fondsmittel gesichert werden, so die Verwaltungsratsvorsitzende.

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Interview

Werden kurative Therapieansätze im AMNOG benachteiligt, Herr Dr. Rasch?

Bundessozialgericht 2025

Wieder mehr Neuzugänge beim BSG-Vertragsarztsenat

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Umbrella-Review

Welcher Sport bei Depression und Angststörung am besten hilft

Lesetipps
Nahaufnahme der Hände eines Labortechnikers mit einem Röhrchen mit einer Blutprobe darin aus einem Gestell mit anderen Proben.

© angellodeco / stock.adobe.com

Kasuistik

Massiv erhöhter CA-19-9-Wert weckt falschen Krebsverdacht