Bundesweite Befragung

Wo die Bürger großen Reformbedarf in der Gesundheitspolitik sehen

Im Gesundheitswesen mangelt es vor allem an ausreichend Personal. Das hat eine Online-Befragung unter 10.000 Bürgern ergeben. Sie bewerten aber auch noch viele andere Themen kritisch.

Von Anke ThomasAnke Thomas Veröffentlicht:
Bei der Aktion „Der Pflege geht die Luft aus“ wiesen Demonstranten im Mai auf den Personalmangel in Pflegeeinrichtungen hin. Auch die Bürger sind mehrheitlich der Meinung, dass das Gesundheitssystem mit mehr Personal ausgestattet werden muss.

Bei der Aktion „Der Pflege geht die Luft aus“ wiesen Demonstranten im Mai auf den Personalmangel in Pflegeeinrichtungen hin. Auch die Bürger sind mehrheitlich der Meinung, dass das Gesundheitssystem mit mehr Personal ausgestattet werden muss.

© Fabian Sommer / dpa / picture alliance

Stuttgart. In den Wahlprogrammen der Parteien hat die Gesundheitspolitik eine eher untergeordnete Rolle gespielt. Dabei schätzen Bürgerinnen und Bürger den Reformbedarf als hoch ein. Das legen die Ergebnisse einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey nahe. Im Auftrag der AOK wurden 10.000 Menschen ab 18 Jahren im Zeitraum vom 9. bis 13. September online befragt.

Gefragt danach, wo der größte Handlungsbedarf im Gesundheitswesen für die nächste Bundesregierung gesehen wird, nannte mehr als jeder zweite eine bessere personelle Ausstattung (56,9 Prozent). Deutlich weniger Befragte fanden (37,5 Prozent), dass die Regierung für eine stabile und gerechte Finanzierung der Gesundheitsausgaben sorgen sollte.

Die an dritter Stelle genannte Baustelle dürfte bei erfahrenen Gesundheitspolitikern ein müdes Lächeln und leichtes Kopfnicken auslösen: Fast jeder Dritte (31,1 Prozent) wünschte sich eine bessere Verzahnung von Praxen und Krankenhäusern. Um das zu erreichen, müsste die Digitalisierung (29,2 Prozent) vorangetrieben werden.

Mehr Geld ins System bei stabilen Beiträgen

Weitere Bereiche, in den die Befragten Handlungsbedarf ausmachen, sind eine bessere finanzielle Ausstattung des Gesundheitswesens (25,3 Prozent) und effiziente und qualitätsgesicherte medizinische Angebote (23,7 Prozent). Bei der Vorsorge und Prävention sehen noch 17,2 Prozent Reformbedarf (siehe nachfolgende Grafik).

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Gefragt nach dem wichtigsten Aspekt bei der persönlichen Gesundheitsversorgung, geben die meisten Bürger (42,4 Prozent) eine hohe Qualität der medizinischen Versorgung an. An zweiter Stelle, aber deutlich abgeschlagen (19,3 Prozent), wünschen sich die Befragten einen schnellen Zugang zur Versorgung. 16,3 Prozent plädieren für stabile und bezahlbare Beiträge in der Krankenversicherung.

Die räumliche Nähe ist nur knapp jedem Zehnten wichtig (9, 3 Prozent), die persönliche Zuwendung nimmt mit sechs Prozent der Nennungen eine eher untergeordnete Rolle ein.

Koordination der Akteure läuft nicht rund

Warum es im Gesundheitswesen nicht rund läuft – auch dazu haben die Bürgerinnen und Bürger eine Meinung. Fast jeder zweite (48,9 Prozent) findet, dass es zu wenig qualifiziertes Personal gibt. 42,3 Prozent der Befragten kritisieren eine mangelnde Koordination der Akteure.

So meinen 53,3 Prozent, dass die Abstimmung zwischen Praxen, Kliniken, Pflege- und Reha-Anbietern aus ihrer Sicht eher schlecht bis schlecht funktioniert. Nur knapp jeder Fünfte ist der Auffassung, diese Abstimmung klappe gut bis sehr gut. 27,1 Prozent waren hier unentschieden.

Die Menschen hätten ein feines Gespür dafür, wo im Gesundheitswesen der Schuh drückt und welche Dinge jetzt Vorrang haben müssen, meinte Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, zu den Umfrageergebnissen. Er forderte, Gesundheitspolitik müsse bei den Koalitionsverhandlungen ein Hauptthema sein. „Überfällige Reformen dürfen nicht wieder aufgeschoben werden oder zur bloßen Verhandlungsmasse abgewertet werden“, so Litsch.

Für Baden-Württembergs AOK-Chef Johannes Bauernfeind sollte „die Gestaltung eines verlässlichen, nachhaltigen und wettbewerbsorientierten Finanzierungsmodells für die gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen“ Vorrang haben.

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