Transplantationen

14 Verstöße am Herzzentrum Berlin aufgedeckt

Zwei Drittel der Transplantationszentren sind kontrolliert worden. Die Prüfer haben Manipulationen und fehlerhafte Akten entdeckt.

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Bei Transplantationen ist es in den vergangenen Jahren an mehreren deutschen Kliniken zu Unregelmäßigkeiten gekommen.

Bei Transplantationen ist es in den vergangenen Jahren an mehreren deutschen Kliniken zu Unregelmäßigkeiten gekommen.

© Mathias Ernert

BERLIN. Im Herzzentrum Berlin hat es in den Jahren 2010 bis 2012 insgesamt 14 Verstöße gegen die Transplantationsrichtlinien gegeben.

Das hat eine Untersuchung der Prüfungs- und Überwachungskommissionen von Bundesärztekammer (BÄK), Deutscher Krankenhausgesellschaft und GKV-Spitzenverband ergeben. Bislang war von rund 30 Fällen berichtet worden.

Die Prüfer haben Hinweise auf Manipulationen mittels Medikamenten gefunden. Die Gabe von hochdosierten Kreislauf- und Herzunterstützungsarzneien habe die Transplantationen dringlicher aussehen lassen als sie möglicherweise waren, so die Prüfer.

Insgesamt haben sie 82 Herztransplantationen unter die Lupe genommen. Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt. Das Herzzentrum hatte im August selbst Anzeige erstattet.

Die Prüfberichte zu den ebenfalls im Zusammenhang mit Herztransplantationen in die Kritik geratenen Zentren in München-Großhadern und Gießen seien noch in Arbeit, berichteten Vertreter der Kommissionen bei der Vorstellung des Tätigkeitsberichts am Dienstag in Berlin.

Die Prüfer untersuchen zudem zwölf Fälle, in denen der Hirntod der Spender in Zweifel steht. Die Prüfung laufe, Ergebnisse lägen noch nicht vor, sagte der Vorsitzende der Überwachungskommission Professor Hans Lippert.

Falsche Angaben zur Erstdialyse

Auffällig waren laut Tätigkeitsbericht der Kommissionen vier Nierentransplantationen an Transplantationszentren in Berlin, Regensburg und Hamburg. Hier stellten die Kommissionen falsche Angaben zur Erstdialyse fest, die sie als Dokumentationsfehler einordneten.

Fündig wurden die Kommissionsmitglieder auch bei zwei Lebertransplantationen in Berlin und sechs in Regensburg, die teilweise bis 2007 zurückreichen.

In allen Fällen habe es aber keine Hinweise auf systematische Manipulationen gegeben, sagte die Vorsitzende der Prüfungskommission Anne-Gret Rinder. Keine Auffälligkeiten hat es bei den Stichproben zu Pankreas- und kombinierten Pankreas-Nieren-Transplantationen gegeben.

Insgesamt haben die Kommissionen seit der Änderung des Transplantationsgesetzes im Jahr 2012 60 Transplantationsprogramme an 33 Zentren überprüft. Zwischen 2010 und 2012 wurden 7596 postmortal gespendete Organe transplantiert.

1090 dieser Operationen haben die Kommissionen anhand der Krankenakten geprüft. Bis 2015 sollen alle 48 Transplantationszentren mindestens einmal geprüft worden sein. (af)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Kommentar zum Transplantationsbericht: Wo bleibt die Transparenz?

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