NRW

25 Millionen Euro für die Telematik

Elektronischer Arztbrief, elektronische Patientenakte - in Sachen Telematik ist jetzt das gefragt, was Ärzte in der Praxis anwenden können. Darauf will die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen ihre Förderpraxis einstellen.

Veröffentlicht: 13.09.2012, 17:25 Uhr
25 Millionen Euro für die Telematik

Elektronische Akte: In NRW soll Telematik jetzt gezielter gefördert werden.

© flydragon / shutterstock.com

ESSEN (kab). Die nordrhein-westfälische Landesregierung wird in den kommenden drei Jahren rund 25 Millionen Euro in die Förderung der Telematik im Gesundheitswesen investieren.

Fast die Hälfte davon entfällt auf den Bereich elektronische Akten, sagte Mathias Redders, Referatsleiter für Gesundheitswirtschaft und Telematik im NRW-Gesundheitsministerium, bei der Fachtagung IT-Trends Medizin/Health Telematics 2012 in Essen.

"Insbesondere die Ärzte wollen jetzt ganz konkrete Anwendungen sehen", sagte Redders.

Dabei gehe es darum, die Projekte von unten zu entwickeln und den Nutzen für Arzt und Patient in den Mittelpunkt zu stellen, statt ihnen fertige Konzepte überzustülpen. Die Vertreter der Ärzte in Essen begrüßten diese Strategie.

"Der Ansatz kann nicht sein zu schauen, was sich IT-Entwickler vorstellen können", sagte Dr. Thomas Kriedel von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL).

"Wir müssen sehen, was der Arzt in seiner Praxis braucht und daran die Strukturen wachsen lassen."

Arzt-Patienten-Beziehung nicht gefährden

Dabei dürfe es aber keinen Wildwuchs geben. "Die Schnittstellen sind wieder das Manko. Wir müssen da auch mit den Herstellern von Praxissoftware zusammenarbeiten", sagte Kriedel.

Bislang würden Informationen sehr unstrukturiert ausgetauscht, beklagte Dr. Andreas Sanders, Medizinischer Geschäftsführer des Evangelischen und Johanniter Klinikums Niederrhein.

Die elektronische Fall-Akte (EFA) sei allerdings ein großer Fortschritt für Systematisierung und Datensicherheit. "EFA ist das Synonym für geordneten Datenaustausch und kann Vertrauen bei den Patienten schaffen."

Die Klärung von datenschutz- und haftungsrechtlichen Fragen sei zentraler Punkt bei den elektronischen Akten, erklärte Kriedel. "Sonst wird uns der Durchbruch nicht gelingen."

In einem Modellversuch in Bochum und Ennepetal will die KVWL künftig den elektronischen Arztbrief austesten.

Anforderungen an den E-Arztbrief aus medizinischer Sicht hat der ärztliche Beirat zur Begleitung einer Telematikinfrastruktur für das Gesundheitswesen in NRW bereits formuliert.

Nun will der Beirat die Anforderungen an die E-Patientenakte festlegen, erklärte dessen Vorsitzende Dr. Christiane Groß.

Für die Ärzte sei das Vordringen der Telematik eine Herausforderung, sagte sie. "Die Arzt-Patienten-Beziehung wird sich verändern. Und wir müssen darauf achten, dass es nicht schlechter wird."

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