Direkt zum Inhaltsbereich

50 000 Euro Regressforderung: "Ich kann das nicht bezahlen"

HANNOVER (cben). Die Regresse in Niedersachsen, die nun erstmals vollstreckt werden, zerren an den Nerven der Betroffenen. Von 263 regressbedrohten Ärzten für das Jahr 2001 sind heute 84 Kollegen übrig geblieben, die zahlen müssen. "Weniger als ein Prozent der niedersächsischen Ärzte", wie man bei der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen betont. Doch wen es trifft, den trifft es hart.

Veröffentlicht:

"Das bedeutet das Aus für meine Praxis: Das kann nicht das Anliegen von Rechtsstaat und KV und Kassen sein." Wolfgang Baur Hausarzt und Psychotherapeut

Wolfgang Baur zum Beispiel. Der Hausarzt und Psychotherapeut aus dem niedersächsischen Vienenburg aoll aktuell rund 50 000 Euro für das Jahr 2001 zurückzahlen. "Das kann ich nicht", sagt Baur zur "Ärzte Zeitung". Auch vor dem Beschwerdeausschuss konnte der Arzt den Stopp der Regresse nicht erreichen. Also hat er die Auseinandersetzung mit der KV jetzt bis vor das Sozialgericht gebracht, wo sein Anwalt Klage eingereicht und auch die Stundung des Regressbetrages beantragt hat, solange das Gericht den Fall untersucht.

Jetzt droht die Vollziehung der Vollstreckung

Das Dilemma: Noch vor einem Gerichtsentscheid, flattert dem Hausarzt ein Brief der KV ins Haus: "Der Rückforderungsanspruch wird hiermit geltend gemacht", heißt es darin. 50 193,88 Euro, um genau zu sein. Auf die Mitteilung, es sei ein Antrag auf Stundung gestellt worden, teilte die KV mit, "dass allein der Antrag die Vollziehung der Vollstreckung nicht hemmt." Baur sei danach "ziemlich fertig" gewesen, wie er sagt: "Bei solchen Briefen geht man als Arzt in die Hocke." Thorsten Kleinschmidt, Hausarzt und KV-Sprecher der Bezirksstelle Braunschweig, erklärt der "Ärzte Zeitung": "Ich kann verstehen, dass die Regressforderung für den Kollegen eine hohe und auch emotionale Belastung ist." Aber um die Ansprüche der KV zu wahren, müsse man das Geld fordern. Im Übrigen behielten die Kassen das Geld ein und die KV müsse im Zweifel den Betrag ausgleichen.

Kleinschmidt: "Bei der großen Forderungshöhe gehe ich davon aus, dass das Gericht dem Stundungsantrag stattgeben wird. Aber wir haben trotzdem den schwarzen Peter, das Geld fordern zu müssen, auch im Interesse unserer anderen Mitglieder. Damit machen wir uns natürlich nicht gerade beliebt."

Auch die KV hat noch keine Routine bei Regressen

Auch für die KV sei das Procedere der Regressforderung noch keine Routine, so Kleinschmidt. Für Baur jedenfalls ist klar: Für seine Praxis in Vienenburg sei es das Aus, wenn er zwar in ein paar Jahren die Regressverfahren vor dem Sozialgericht gewinnen würde, aber wegen der hohen Regresszahlungen längst keine Praxis mehr betreiben kann. "Das", so schrieb er an seinen Kollegen Kleinschmidt, "kann nicht Anliegen von Rechtsstaat und KV und Kassen sein."

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Apps auf Rezept im Visier

Schutz vor Regress bei der DiGA-Verordnung

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums v.l.n.r.: Professor Karl Broich (BfArM), Dr. Jürgen Malzahn (AOK-Bundesverband), Dr. Christine Mundlos (ACHSE e.V.), Hauke Gerlof (Ärzte Zeitung), Dr. Johanna Callhoff (DRFZ), Professor Christoph Schöbel (Ruhrlandklinik, Universitätsmedizin Essen), Privatdozent Dr. Christoph Kowalski (Deutsche Krebsgesellschaft), Dr. Peter Kaskel (Idorsia)

© Thomas Kierok

ICD-11: Die Zeit ist reif für die Implementierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Idorsia Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Bei erfolgreich therapierter Sialorrhö ist Teilhabe wieder leichter möglich

© Olesia Bilkei / stock.adobe.com [Symbolbild]

Glycopyrroniumbromid bei schwerer Sialorrhö

Wirtschaftliche Verordnung durch bundesweite Praxisbesonderheit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Proveca GmbH, Düsseldorf
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Motivierende Gesprächsführung

Wie motiviere ich Patienten mit Depression zu Sport?

Hantavirus und Ebolavirus

Was Patienten brauchen, die Sorge vor einem neuen Virusausbruch haben

Lesetipps
Dreidimensionale gerenderte Darstellung einer Fraktur des linken Oberschenkels.

© samunella / stock.adobe.com

Rasche Mobilisation entscheidend

Fraktur im Alter: An Delir und Osteoporose denken!

Vegane Ernährung, grünes Gemüse

© Johannes / stock.adobe.com / Generated with AI

Ernährungsberatung

Schilddrüse: Vegane Ernährung verschärft Jodmangel

Kardiologe Oliver A. Schmidt

© privat

Arzt entwickelt MFA-Börse

So finden Praxisinhaber die MFA, die zu ihnen passt