Lebensversicherungen

Anbieter reagieren auf Niedrigzinsen

Die Geldanlage in die klassische Lebensversicherung wird wegen der negativen Garantiezins-Entwicklung immer unattraktiver. Einige Versicherer reagieren bereits darauf.

Von Anne-Christin GrögerAnne-Christin Gröger Veröffentlicht:
Wer bis Mitte 2000 einen Vertrag abgeschlossen hat, dem sind wenigstens vier Prozent Verzinsung sicher.

Wer bis Mitte 2000 einen Vertrag abgeschlossen hat, dem sind wenigstens vier Prozent Verzinsung sicher.

© Jörg Carstensen / dpa

KÖLN. Vergangene Woche hat die Europäische Zentralbank den Leitzins von 0,75 Prozent auf 0,5 Prozent gesenkt - ein Rekordtief in der Geschichte des Geldinstituts. Die dauerhafte Niedrigzinspolitik macht den Lebensversicherern zu schaffen.

Es fällt ihnen immer schwerer, die Renditen zu erreichen, die sie ihren Kunden bei Abschluss eines Vertrags zugesagt haben.

Denn sie haben rund 90 Prozent ihrer Kapitalanlagen, aus denen die Garantien erwirtschaftet werden, in festverzinsliche Wertpapiere angelegt. Diese bringen zurzeit kaum noch Gewinn. Die Entwicklung hat direkte Konsequenzen für die Besitzer von Lebensversicherungen.

Denn seit Jahren sinkt der Garantiezins für Neuverträge. Wer sich jetzt entschließt, eine Police zu kaufen, dem dürfen die Versicherer höchstens noch 1,75 Prozent auf den eingezahlten Sparanteil garantieren.

Diese Höchstgrenze wird regelmäßig vom Bundesfinanzministerium festgelegt. Von Mitte 1994 bis Mitte 2000 betrug die Garantie noch vier Prozent.

Drei Prozent, viel mehr ist nicht drin

Wer in dieser Zeit eine Lebensversicherung abgeschlossen hat, dem müssen weiter die damals versprochenen vier Prozent gutgeschrieben werden. Wer sich später für einen Vertrag entschieden hat, der bekommt weniger.

Die Lage am Kapitalmarkt hat noch eine weitere Konsequenz für Besitzer von Lebensversicherungen: Die sogenannte Überschussbeteiligung sinkt. Mit ihr schreiben die Versicherer ihren Kunden jedes Jahr einen Betrag auf den Sparanteil gut, den sie zusätzlich am Kapitalmarkt erwirtschaftet haben.

Gemeinsam mit dem Garantiezins liegt die so genannte laufende Verzinsung derzeit bei durchschnittlich 3,61 Prozent, hat die auf Lebensversicherungen spezialisierte Ratingagentur Assekurata ermittelt.

Wenn die Gesamtverzinsung sinkt, das zu verteilende Geld aus den Töpfen der Versicherer jedoch nicht mehr wird, müssen sich Inhaber von neueren Verträgen mit geringeren Garantien auf entsprechend weniger Ausschüttungen einstellen.

"Wenn das Zinsniveau so niedrig bleibt, wird die Überschussbeteiligung weiter sinken", erwartet Lars Heermann von Assekurata.

Die Versicherungsanbieter müssen auf die Situation reagieren. Einige stellen sich bereits die Frage nach einer Begrenzung der lebenslangen Garantien.

"Es stellt sich die Frage, ob es angesichts der jüngsten Erfahrungen auf dem Kapitalmarkt noch vernünftig ist, selbst solche niedrigen Zinsen für eine sehr, sehr lange Zeit zu garantieren", sagt Johannes Lörper, Mitglied des Vorstands der Ergo Lebensversicherung.

Neuer Satz zu Rentenbeginn

Erste Gesellschaften bereiten sich bereits auf den Abschied von der klassischen Lebensversicherung vor. Markführer Allianz hat angekündigt, im Juli mit einer neuen Police auf den Markt zu kommen.

Auch Ergo hat für den Sommer ein verändertes Vertragsmodell angekündigt. Zwar haben beide Unternehmen bislang nur wenige Details bekannt gegeben, eines ist jedoch sicher: die Abkehr vom dauerhaften Garantiezins.

Bei der Allianz bekommen die Kunden eine Garantie für die Zeit des Ansparens, zu Rentenbeginn wird ein neuer Satz festgelegt, der sowohl höher als auch niedriger ausfallen kann.

Die Ergo dagegen will Kunden bis zum Rentenbeginn mindestens den Kapitalerhalt des eingezahlten Geldes garantieren. Parallel dazu wollen beide Versicherungsgesellschaften weiterhin an den klassischen Verträgen festhalten.

Für die Versicherungskunden bedeuten die Verträge unter Umständen ein höheres Risiko: Die Renditen können zwar höher ausfallen als bei einer klassischen Police. Je nachdem, wie sich der Kapitalmarkt entwickelt, können sie aber auch niedriger sein.

Außerdem sind die Leistungen der einzelnen Anbieter durch die unterschiedlichen Vertragsarten nicht mehr vergleichbar.

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