Pflegereform
PKV-Chef warnt vor „Generationen-Folge-Last“ in dreistelliger Milliardenhöhe
Die Debatte über das Rentenpaket hat die Koalition vergangenes Jahr auf die harte Probe gestellt. Bei der Pflegereform dürfte es genauso turbulent zugehen. Aktuelle Folgerechnungen zeigen warum.
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„Zusätzliche Belastungen in dreistelliger Milliardenhöhe“: PKV-Chef Dr. Florian Reuther.
© Rolf Schulten
Berlin. Mit Blick auf die geplante Pflegereform fürchtet der Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) milliardenschwere Folgekosten für die jüngeren Generationen. Anlass sind Überlegungen von Bund und Ländern zur Begrenzung der Eigenanteile im Pflegeheim.
Im Abschlussbericht der Arbeitsgruppe „Zukunftspakt Pflege“ werden hierzu zwei Optionen benannt: ein Pflegedeckel von monatlich 1.000 Euro bzw. 1.200 Euro und die regelhafte Dynamisierung von Leistungen der sozialen Pflegeversicherung.
Beide Varianten könnten teuer, sehr teuer ausfallen, warnt der PKV-Verband und verweist auf Berechnungen seines wissenschaftlichen Instituts – zuerst hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet.
Deckel, die teuer werden könnten
Selbst wenn sich die Politik in einer Pflegereform mit sehr viel „Kosten-Realismus“ für die „billigste“ umlagefinanzierte Reformvariante – also einen moderaten Pflegedeckel von anfänglich 1.200 Euro im Monat plus ambulante Inflationsdynamisierung entschiede, wachse bis 2040 eine zusätzliche Generationenlast in Höhe von knapp 102 Milliarden Euro auf. Knapp neun Milliarden Euro empfielen auf die Jahre 2027 bis 2030, weitere 93 Milliarden Euro auf die Jahre 2032 bis 2040.
Kolumne aus Berlin
Die Glaskuppel zu steigenden Eigenanteilen: Teuer, teurer, Heimpflege
Noch happiger fällt die Rechnung bei einem Pflegedeckel von 1.000 Euro im Monat aus. Dies würde die „Generationen-Folge-Last“ einer Pflegereform bis zum Jahr 2040 auf 137,6 Milliarden Euro steigen lassen, schreibt der PKV-Verband.
Fokussiere man auf die ambulanten Leistungen, dynamisiere diese nicht inflations-, sondern lohnorientiert und kombiniere das mit einem stationären Pflegedeckel von 1.200 Euro, lägen die Folgekosten bis 2040 bereits bei über 182 Milliarden Euro.
Reuther: Der nächste Generationenkonflikt droht
„Mit der Pflegereform droht nach dem Rentenpaket der nächste Generationenkonflikt“, warnt PKV-Verbandsdirektor Dr. Florian Reuther. Leistungsausweitungen wie die Deckelung der stationären Pflegekosten sowie eine zusätzliche Dynamisierung ambulanter Leistungen würden die Beitragszahler „massiv überfordern“.
Selbst die moderate Variante führe bis 2040 zu zusätzlichen Belastungen in dreistelliger Milliardenhöhe, so Reuther. Das schade dem Wirtschaftsstandort und verschärfe die Schieflage zwischen den Generationen. Wer Pflege dauerhaft bezahlbar machen wolle, müsse auf Eigenverantwortung und „generationengerechte Vorsorge“ setzen.
Experten-Rat Pflegefinanzen
„Scheinlösungen“: Kritik am Pflege-Papier der Bund-Länder-Arbeitsgruppe hält an
Bund und Länder feilen seit Monaten an einer Pflegereform. Dem Vernehmen nach wird insbesondere die Finanzierung als größte Herausforderung betrachtet. Anfang 2027 soll die Reform in Kraft treten – was sportlich ist.
Der Bundesgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Alten- und Behindertenhilfe, Thomas Knieling, warnt unterdessen davor, den Blick auf die Finanzierung zu verengen. „Die gesamte Diskussion macht allerdings deutlich, dass es nicht um die versprochene Strukturreform geht, die Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit in den Blick nimmt. Es geht darum, Geld zu beschaffen, damit alles andere so bleiben kann, wie es ist.“ (hom)
Viele Optionen, keine Festlegungen: Abschlussbericht zur geplanten Pflegereform liegt vor – und entt




