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Apotheken unter Wettbewerbsdruck im OTC-Markt

Der OTC-Markt wird durch den demografischen Wandel in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen. Diese Prognose stellte Marktforscher Dr. Frank Wartenberg von IMS Health beim DAV-Wirtschaftsforum in Potsdam.

Ruth NeyVon Ruth Ney Veröffentlicht:

Der Selbstmedikationsmarkt ist in Deutschlands Apotheken in den vergangenen Jahren insgesamt zwar nur leicht gewachsen. 2009 hatte der Vertrieb von nicht-verschreibungspflichtigen (OTC-) und freiverkäuflichen Arzneimitteln ein Volumen von 3,6 Milliarden Euro. Dennoch zeichnen sich nach Ansicht von Dr. Frank Wartenberg von IMS Health einige Änderungen für die Zukunft ab.

So ist zum einen Bewegung im Versandhandel mit OTC-Präparaten. Er hat inzwischen einen Anteil von zehn Prozent am Marktumsatz, Tendenz steigend. Besonders umsatzstark seien die Bereiche Tonika und Immunstimulantien sowie Herz-Kreislauf-Mittel, so Wartenberg beim Wirtschaftsforum des Deutschen Apothekerverbands (DAV). Die entsprechenden Präparate würden vor allem von älteren Menschen geordert, meist über Kataloge, weniger per Internet.

Zum anderen spielt nach Erhebungen des Marktforschungsinstituts die arztgestützte Medikation im OTC-Bereich eine immer stärkere Rolle. Sie sei im vergangenen Jahr um zehn Prozent gewachsen, so Wartenberg. "Das Grüne Rezept hat sich offenbar durchgesetzt."

Für die Zukunft sieht er den demografischen Wandel als Antriebsmotor für den Selbstmedikations- und Selbstzahlermarkt. So werde 2050 ein Drittel der Bevölkerung älter als 65 Jahre sein. Damit verbunden gebe es komplexere Krankheiten, die mehr Begleitung und Unterstützung erforderten. Daneben gebe es aber einen Einnahmerückgang bei der gesetzlichen Krankenversicherung bei deutlich steigenden Ausgaben. "Im Zuge dessen wird mittelfristig der Weg für den 2. und 3. Gesundheitsmarkt geebnet", erklärte Wartenberg.

Seiner Ansicht nach könne dies gerade in strukturschwachen Gegenden mit wenigen Ärzten und Apotheken den Versandhandel sogar notwendig machen, um eine umfassende Arzneimittelversorgung zu gewährleisten. Andererseits biete es Vor-Ort-Apotheken die Chance, sich an die Bedürfnisse einer zunehmend älter werdenden Bevölkerung anzupassen und durch entsprechenden Service und Beratungsqualität auch im OTC-Markt zu profilieren. Der Marktforscher erwartet hier allerdings zunehmend Konzentrationsprozesse. Bereits heute vereinnahmten 40 Prozent der Apotheken gut 60 Prozent des OTC-Umsatzes, bei Kosmetika entfielen 60 Prozent des Umsatzes sogar auf nur 25 Prozent der Apotheken. Ähnliche Prozesse gebe es auch bei den OTC-Herstellern. Die Top-10 machten schon heute die Hälfte des OTC-Umsatzvolumens. Eine durchschnittliche Apotheke erwirtschafte also mit nur zehn Herstellern die Hälfte ihres OTC-Umsatzes. Die wenigen Firmen, die künftig diesen Markt dominieren würden, erhielten so mehr Macht. Sie könnten damit etwa bei Apotheken ein entsprechendes Umfeld für ihre Produkte einfordern, vermutet Wartenberg. Um am Markt zu bestehen, müssten Apotheken in Zukunft daher für die ältere Kundschaft wie auch für marktbeherrschende Hersteller attraktiv sein.

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