Anlagen-Kolumne

Auch in der Corona-Krise besser nicht gegen die Fed wetten

Historische Schwankungsbreiten werden derzeit gesprengt. Aber all das muss nicht dazu führen, dass die Börsen ins Bodenlose fallen, argumentiert ein Anlageexperte.

Von Dr. Jens Ehrhardt Veröffentlicht: 24.04.2020, 15:28 Uhr

Jeder, der sich mit der Börse beschäftigt, kennt die Börsenweisheiten. Die übliche zu dieser Zeit ist: „Sell in May and go away“. Eine noch wichtigere ist: „Don’t fight the Fed!“ Diese besagt, dass man nicht gegen die US-Notenbank Federal Reserve Bank wetten sollte.

Diese Regel ist sehr alt und hat mit den Jahren sogar noch an Bedeutung gewonnen, weil die Notenbanken zum Retter der Kapitalmärkte avanciert sind. Der Aufschwung der vergangenen Jahre wäre nicht möglich gewesen, wenn den Märkten nicht viel Liquidität zur Verfügung gestellt, wenn die Zinsen nicht reduziert und nicht in Aussicht gestellt worden wäre, alles zu tun, was notwendig sein könnte. Jeder kennt das Zitat von Ex-EZB-Präsident Mario Draghi: „Whatever it takes“. Eigentlich ist es noch umfangreicher, denn Draghi sagte: „Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough.“

Auch wenn Draghi nicht mehr in Amt und Würden ist, so wird in der aktuellen Situation deutlich, was er mit dem zweiten Satz gemeint hat. Die Summen, die sowohl die Fed als auch die EZB aufwenden, um den Markt zu stützen, wären vor wenigen Jahren noch unvorstellbar gewesen.

Kapitalmärkte können stabilisiert werden

Zu Hochzeiten der quantitativen Lockerung kaufte die EZB monatlich für 60 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen und Wertpapiere. Heute sind es an einzelnen Tagen bereits mehr als 70 Milliarden Dollar. Früher waren es nur qualitativ hochwertige Wertpapiere, die gekauft wurden, heute sind es auch „Schrottanleihen“.

Inzwischen heiligt der Zweck jedes Mittel. Die Kapitalmärkte können stabilisiert werden, obwohl wir inmitten einer gigantischen Wirtschaftsabschwächung stecken. Auch dieses Ausmaß ist unvorstellbar und bewegt sich im Bereich der Superlative. Rückblickend wird das Jahr 2020 in jeder Zeitreihe klar erkennbar sein. Sämtliche Indikatoren schlagen derart stark aus, dass die Achsen angepasst werden müssen.

Historische Schwankungsbreiten werden derzeit gesprengt. Aber all das muss nicht dazu führen, dass die Börsen ins Bodenlose fallen, denn die Notenbanken tun unvorstellbar viel. Wenn genügend Geld zur Verfügung gestellt wird und die Zinsen niedrig sind, dann wird die Liquidität über kurz oder lang investiert.

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