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Banken locken Sparer mit attraktiven Zinsen

Die EZB hat die Zinsen gesenkt, doch Sparer und Anleger muss das nicht groß kümmern. Sie können 2012 mit attraktiven Zinsen beim Tages- und Festgeld rechnen. Denn die Banken brauchen das Geld neuer Kunden, um Risiken zu begrenzen.

Von Jürgen Lutz Veröffentlicht:
Anleger profitieren vom Kapitalbedarf der Banken mit hohen Tagesgeldzinsen.

Anleger profitieren vom Kapitalbedarf der Banken mit hohen Tagesgeldzinsen.

© K.-U. Häßler/fotolia.com

FRANKFURT/MAIN. Bis 30. Juni müssen Europas Banken ihr so genanntes hartes Kernkapital auf sieben Prozent ihrer risikobehafteten Geschäfte aufstocken.

Das bedeutet, dass eine Bank für 100 Euro, die etwa als Kredit vergeben werden, sieben Euro Eigenkapital vorweisen muss.

Das Gleiche gilt für risikoreiche Wertpapieranlagen. Zusammen mit dem weichen Kernkapital als zusätzlichem Risikopuffer müssen die Banken nach Angaben des Bundesfinanzministeriums 10,5 Prozent der Risikogeschäfte an Eigenkapital vorhalten.

"Die verschärften Vorgaben der Bankenaufsicht motivieren die Geldhäuser, ihre Wertpapieranlagen zu verringern und neues Geld von Kunden einzuwerben", sagt Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung in Frankfurt am Main.

Schließlich führe die Reduzierung risikoreicher Geschäfte zu einem geringeren Bedarf an Eigenkapital - und um an neue Kundengelder zu kommen, seien auch im laufenden Jahr attraktive Konditionen notwendig.

Wandel seit der Finanzkrise

Empirisch untermauern lässt sich dieser Trend durch den Vergleich der Tagesgeldzinsen, die Privatanleger bekommen, mit dem Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB).

Normalerweise liegen die Tagesgeldzinsen, wie sie im FMH-Index ermittelt werden, unterhalb des EZB-Leitzinses, zu dem die Banken nur gegen Vorlage von Sicherheiten bei der EZB Kredite bekommen.

So lag dieser repräsentativ ermittelte Tagesgeldzins von Januar 1999 bis August 2008 mit durchschnittlich 2,5 Prozent 0,6 Prozentpunkte unter dem EZB-Leitzins.

Mit dem Beginn der Finanzkrise Ende 2008 hat sich die Situation dramatisch gewandelt: Seit September 2008 lag der im FMH-Index ermittelte Tagesgeldzins im Schnitt bei 1,69 Prozent, der EZB-Leitzins aber bei 1,41 Prozent.

Das bedeutet: Die Banken zahlen ihren Kunden freiwillig mehr, als sie bei einer Geldleihe über die EZB bezahlen müssten. "Das deutet darauf hin, dass die Geldhäuser sich von den Unwägbarkeiten des Finanzsystems ein Stück weit unabhängiger machen wollen", sagt Herbst. Davon profitieren Sparer und Anleger.

Sparkassen und Volksbanken liegen bei Zinsen zurück

Ähnlich sieht die Situation beim einjährigen Festgeld aus. Von Januar 1999 bis August 2008 zahlten die Banken ihren Kunden durchschnittlich 2,92 Prozent an Zinsen - und damit fast 0,2 Prozentpunkte weniger, als sie die Geldaufnahme bei der EZB kostete.

Seit September 2008 indes bekommen Anleger für einjähriges Festgeld 1,98 Prozent, während der Leitzins im Schnitt bei 1,42 Prozent liegt. Auch hier zeigt sich der verstärkte Kapitalbedarf, der Sparern und Anlegern zugutekommt.

Doch keine Regel ohne Ausnahme: Sparkassen und Volksbanken sehen sich offenbar nicht gezwungen, neue Anleger anzulocken. Darauf deuten die relativ niedrigen Zinsen hin, mit denen sie ihre Kunden "verwöhnen".

So preist eine Sparkasse in Nordbayern ihr Tagesgeldkonto und dessen "attraktive, variable Zinsen von derzeit bis zu 0,5 Prozent p.a. je nach Guthabenbetrag" an.

Die Zinstabelle der FMH-Finanzberatung, die alle Banken aufnimmt, die dem Unternehmen ihre Zinsen melden, zeigt jedoch, dass deutlich mehr drin ist: 20 Banken zahlen ihren Bestandskunden Zinsen zwischen 2,85 und 2 Prozent.

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