Kapitalanlage

Deutsche Ferienimmobilien trotzen der Corona-Krise

Der Trend zum Urlaub im eigenen Land treibt Buchungen in die Höhe. Kapitalanleger erzielen mit vermieteten Urlaubsdomizilen im Schnitt Nettorenditen von 4,5 Prozent. Entscheidend: Lage und Ausstattung.

Von Richard Haimann Veröffentlicht: 25.09.2020, 15:28 Uhr
Ein Ferienhaus als Kapitalanlage? Dafür sollten Anleger das Objekt nicht unbedingt für die Eigennutzung im Kopf haben.

Ein Ferienhaus als Kapitalanlage? Dafür sollten Anleger das Objekt nicht unbedingt für die Eigennutzung im Kopf haben.

© pia-pictures / Fotolia

Neu-Isenburg. Kapitalanleger sind mit deutschen Ferienimmobilien gut durch die Corona-Krise gekommen. Das zeigt eine Umfrage des Deutschen Ferienhausverbands. Danach mussten Vermieter zwar während des Lockdowns im Frühjahr Umsatzeinbußen hinnehmen, weil die Ostersaison entfiel. Dafür profitierten viele Eigentümer jedoch vom Trend zum Urlaub im eigenen Land in diesem Sommer.

„Trotz Unsicherheit und Corona-Auflagen verliefen bei 44 Prozent der Befragten die Sommerbuchungen besser als im Vorjahr“, sagt Michelle Schwefel, Geschäftsstellenleiterin des Verbands. „Im Schnitt lagen diese um 15 Prozent höher.“ Bei den übrigen Umfrage-Teilnehmern hatte sich der Umsatz in den heißen Monaten dieses Jahres größtenteils auf Vorjahresniveau bewegt.

Wegen der Pandemie hatten zahlreiche Urlauber in diesem Sommer auf Auslandsreisen und Hotelaufenthalte verzichtet und stattdessen ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung gebucht. Diese Entwicklung setzt sich nun im Herbst fort. „Während der Heimaturlaub boomt, haben beliebte Auslandsdestinationen im Süden Europas wie Griechenland, Spanien, Frankreich oder Kroatien mit massiven Einbrüchen zu kämpfen“, sagt Schwefel.

Küstenregionen besonders gefragt

34 Prozent der Eigentümer deutscher Ferienimmobilien seien deshalb in der Lage gewesen, die Miete in diesem Jahr zu erhöhen, zeigt eine gemeinsame Studie des internationalen Vermietungs-Dienstleisters FeWo-direkt und der Hamburger Maklergesellschaft Engel & Völkers. „Lediglich drei Prozent der Besitzer hat seine Miete gesenkt“, sagt Aye Helsig, Regionaldirektor Europa bei FeWo-direkt.

Besonders stark gefragt bei Urlauber seien Domizile an der Nord- und Ostsee, weniger begehrt sind hingegen Ferienwohnungen im Landesinneren. „Während die Küstenregionen überdurchschnittlich gute Ergebnisse einspielen, kann es in der Moselregion schon anders aussehen“, sagt Schwefel.

Im vergangenen Jahr haben Kapitalanleger der FeWo-direkt-Studie zufolge mit der Vermietung von Ferienimmobilien in Deutschland im Durchschnitt eine Netto-Rendite von 4,5 Prozent erzielt. „Besitzer von vermieteten Urlaubsdomizilen im Ausland kamen im Schnitt auf 3,7 Prozent“, sagt Helsig.

Zukünftig könnten Ferienimmobilien generell als sicherer empfunden werden als große Hotelanlagen.

Andreas Görler, Wellinvest - Pruschke&Kalm, Berlin

Die Netto-Rendite zeigt den jährlichen Mietertrag abzüglich von Steuern und Betriebskosten in Prozent des Kaufpreises der Immobilien einschließlich der Nebenerwerbskosten wie Maklercourtage, Grunderwerbsteuer, Grundbuch- und Notargebühren. Die geringeren Renditen im Ausland resultieren aus höheren Immobilienpreise in Relation zum erzielbaren Mietertrag sowie aus höheren Steuern.

Vermietung statt Eigennutzung

Auch wenn irgendwann ein Impfstoff gegen den SARS-CoV-2-Virus entwickelt worden sei, könnten zahlreiche Urlauber Ferienhäuser und -wohnungen weiterhin bevorzugen, sagt Andreas Görler, Anlagestratege bei der Berliner Vermögensverwaltung Wellinvest – Pruschke & Kalm. „Zukünftig könnten Ferienimmobilien generell als sicherer empfunden werden als große Hotelanlagen.“

Wer ein Domizil in einer Urlaubsregion erwirbt, um damit Rendite zu erzielen, müsse allerdings bereit sein, darauf zu verzichten, Haus oder Wohnung in der Ferienzeit mit der eigenen Familie zu nutzen. „Eine solche Immobilie lohnt sich, wenn der Anleger die Priorität klar auf die Vermietung legt“, sagt Görler.

Wer eine möglichst hohe Rendite erzielen will, sollte eine Ferienimmobilie deshalb auch nicht nach seinem persönlichen Geschmack auswählen, sondern „mit dem Blick eines Vermieters an die Sache herangehen“, sagt Görler. Das Objekt sollte sich an einem Ort befinden, der bei Urlaubern hoch im Kurs steht, insbesondere, wenn der Kauf über ein Darlehen finanziert wird. „Eine Ferienimmobilie sollte mindestens 17 bis 18 Wochen im Jahr vermietet werden können, damit die Einnahmen die Kosten für Unterhalt, Kredit und Tilgung übersteigen“, sagt der Stratege. Ideal seien dabei Vermietungszeiträume von mindestens 23 Wochen oder mehr im Jahr.

Kleinigkeiten entscheiden

In der Nebensaison verreisen weniger Menschen. Selbst in gefragten Urlaubsdestinationen übersteigt im Frühjahr und Herbst deshalb häufig das Angebot an vorhandenen Ferienimmobilien die Nachfrage. „Um auch in diesen Zeit Mieter zu finden, sollte das Objekt deshalb eine gute Ausstattung bieten“, sagt Görler. Dies bestätigt FeWo-direkt-Direktor Helsig. „Urlauber erwarten mindestens den gleichen Komfort wie zu Hause – gerne auch etwas mehr, denn der Urlaub soll schließlich Spaß machen und Erholung bringen“

Nach einer Umfrage des Deutschen Ferienhausverbands lassen sich jene Urlaubsdomizile am besten vermieten, „in denen es schnelles WLAN gibt, Haustiere erlaubt und eine Terrasse oder ein Balkon, ein Geschirrspüler sowie ein Kamin vorhanden sind“. Um Feriengäste nach einen Aufenthalt für eine Rückkehr zu gewinnen, komme es auf die Details an. „So kann ein scharfes Küchenmesser dem gemeinsamen Abendessen im Ferienhaus zum Erfolg verhelfen“, sagt Helsig.

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