Anlagen-Kolumne

Deutsche Wirtschaft unterschätzt?

Von Gottfried Urban Veröffentlicht:

Die deutsche Wirtschaft gilt als Konjunkturlokomotive für die Eurozone, und Deutschlands Wirtschaft läuft immer noch auf Hochtouren. Doch die Kurse der deutschen Industrieunternehmen stagnieren seit drei Jahren. Im April 2015 stand der Kursindex für deutsche Standardwerte bei etwa 6300 Punkten (Dax ohne Re-Investment der Dividenden).

Zur gleichen Zeit notierte der Kursindex für die 500 größten US-Unternehmen bei etwa 2100 Punkten. Heute liegt der breite US-Aktienmarkt um gut 30 Prozent höher, der Dax-Kursindex hingegen notiert rund zehn Prozent unter dem Stand von vor mehr als drei Jahren.

Der von den USA angezettelte Handelskonflikt, die neuen Zölle, Sorgen um Schwellenländer, Brexit und die politische Unsicherheit in Italien bremsen immer wieder Kurserholungen. Dabei wird der konjunkturelle Aufschwung hierzulande mit großer Wahrscheinlichkeit weiter anhalten. Im zweiten Quartal hat Deutschlands Wirtschaft trotz Trump und anderer Unsicherheiten wieder an Fahrt aufgenommen und 2019 rechnet die Bundesregierung mit über zwei Prozent Realwachstum.

Warum wir eine außergewöhnlich lange Boomphase erleben könnten, liegt auch daran, dass die Welt wie auch der Euroraum 2008/09 die schwerste Wirtschaftskrise nach dem Zweiten Weltkrieg durchlebt haben. Die Folge könnte ein wesentlich längerer und stabilerer Wirtschaftsaufschwung sein.

In der Eurozone ist die Wirtschafts- und Zinspolitik auf die Schwachen ausgelegt, was Deutschland weiter Vorteile verschaffen sollte. Steigende Zinsen werden wir sehen, wenn sich die Arbeits- und Konjunkturdaten der Eurozone weiter verbessern.

Doch die USA bleibt bei vielen Anlegern in der Favoritenrolle. Im Moment ist die wirtschaftliche Dynamik dort nicht zu bremsen. Als Niedrig-Steuerland zieht es internationale Unternehmen an.

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