Aussichten für Anleger
Die Börsen reagieren nervös auf das Zerwürfnis zwischen USA und Europa
Unsicherheit ist Gift für die Anleihe- und Wertpapiermärkte. Was die Eskapaden von US-Präsident Trump in der Außenpolitik für die Börse bedeuten, und wo aktuell dennoch Chancen liegen für Anleger.
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Verschiedene Munitionsprodukte im Ausstellungsbereich der Rheinmetall Waffe Munition GmbH, Niederlassung Pyrotechnik Silberhütte in Silberhütte. Die Rüstungsindustrie ist für Anleger in der aktuellen Lage fast ein Garant für sichere Renditen. Allerdings: Nicht alle wollen ihr Geld in Rüstung anlegen – aus ethischen Gründen.
© Matthias Bein/dpa
Kurseinbruch mit Ansage des US-Präsidenten? Dieses Mal noch nicht: Die Börse ist zunächst um den „Trump-Dump“ nach dessen Grönland-Aussagen herumgekommen, weil Donald Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos eingelenkt hat.
Der folgt seinem üblichen Muster: Herumpoltern und politisches Porzellan zerschlagen, dann alle beruhigen, die irritiert und ob des Lärms aufgeschreckt waren.
Börsen schlucken Beruhigungspille von Trump
Auch die Finanzmärkte haben die Beruhigungspille von Trump geschluckt und steigen wieder an. Dieser Ruhe ist aber nicht recht zu trauen. Das Problem bei Trump ist, dass es keine Verlässlichkeit mehr gibt.
Ein Bündnispartner, der so offen die politischen, wirtschaftlichen und militärischen Fundamente des westlichen Bündnisses infrage stellt, bleibt ein Risikofaktor.
Die akute Unsicherheit scheint zwar überwunden, aber für Europa und die Börsen sind die Eskalationsstufen einer möglichen Verschärfung des transatlantischen Konfliktes sehr unbequem.
Neben Zöllen könnten die USA Europa mit Beschränkungen bei der Energieversorgung (LNG) drohen, mit einer Abkopplung von Cloud-Systemen (Google), mit Beschränkungen auf den Finanzmärkten (Dollar-Clearing, Master- und Visa-Card), bis hin zu Exportkontrollen bei Technologie.
Werden die USA zum unsicheren Finanzmarkt-Akteur?
Das Problem ist: Es ist nicht ausgeschlossen, dass Trump in seiner unnachahmlichen Art neue Steine wirft. Darum besteht aus meiner Sicht ein erhebliches Risiko, dass der US-Präsident die Börsen in den nächsten Monaten immer wieder – und mit jedem Vorstoß mehr – verunsichern könnte. Unsicherheit und mangelnde Verlässlichkeit sind die beiden Faktoren, die die Finanzmärkte am meisten fürchten.
Wie groß die Unsicherheit gegenüber den USA inzwischen ist, zeigt die noch hinter vorgehaltener Hand geführte Diskussion um die Sicherheit der Goldreserven. Denn die Goldreserven vieler Länder liegen in den USA.
Es gibt Marktteilnehmer, die das Szenario durchspielen, dass die USA Anspruch auf diese Goldreserven erheben. Auch wenn ich einen solchen Grenzübertritt noch nicht für wahrscheinlich halte: Allein die Überlegungen zeigen, für wie unsicher einige den Akteur USA bereits einstufen, der sich teilweise nicht mehr an die regelbasierte Weltordnung halten will.
Anleihemärkte sind nervös
Dass die Finanzmärkte die wachsenden Unsicherheiten nicht auf die leichte Schulter nehmen, haben die Anleihemärkte stärker signalisiert als die Aktienmärkte. Die US-Renditen sind parallel zu Trumps Grönland-Vorstoß auf 4,30% hochgeschossen.
Fast genauso zügig haben sich die Renditen nach der Grönland-Wende von Trump wieder nach unten bewegt. Die Reaktion zeigt aber, dass die Finanzmärkte das Trump-Theater ernst nehmen und darauf im Zweifel auch stark reagieren. Das dürfte bei weiteren Eskalationen ähnlich sein.
Rendite-Turbo in Japan
Starke Bewegungen auf der Rendite-Seite gibt es auch in Japan. Die Ankündigung von Neuwahlen hat die Aktienmärkte zunächst beflügelt. Die Aussicht auf neue finanzielle Stimuli hebt die Aktienkurse an. Parallel dazu schießen die Renditen in Japan nach oben.
Die 10-jährige japanische Staatsanleihe rentiert inzwischen mit 2,25 Prozent. Vor drei Monaten lag sie noch bei 1,61Prozent. Das ist ein gewaltiger Anstieg in kurzer Zeit und dahinter steht die Frage: Wer soll die ganzen Finanzpakete bezahlen?
Geldtipp-Podcast Pferdchen trifft Fuchs
Welche Chancen und Risiken das Anlagejahr 2026 bringt
Hier kommen zwei Trends zusammen: Unsicherheit und explodierende Schulden. Das spiegelt sich im Preis von Gold und Silber. Der Goldpreis rennt auf die Rekordmarke von 5.000 US-Dollar zu. Der Silber-Preis ist inzwischen auf fast 100 US-Dollar je Feinunze hochgeschossen.
Kurzfristig ist der Silberpreis gewiss überreizt, Korrekturen auch in Silber-Aktien sind wahrscheinlich. Mittelfristig dürften die Edelmetalle aber weiter gefragt bleiben – vor allem dann, wenn es neue Unruhe-Herde geben sollte (zum Beispiel Iran).
Positionierung für Anleger 2026
Anleger sollten daher für 2026 hohe Kursschwankungen einkalkulieren. Wichtig wird sein, Gewinne in gut gelaufenen Positionen auch mal mitzunehmen, sich aber auch nicht nervös machen zu lassen. Hilfreich dabei sind eine klare Strategie und das Fokussieren auf tragfähige langfristige Trends.
Gute Aussichten wird weiterhin der Rüstungs-Sektor haben – und zwar weltweit. Ich persönlich würde aus ethischen Gründen zwar nicht in Rüstung investieren, rein ökonomisch betrachtet wird der Sektor aber weiter gute Renditen abwerfen.
Digitalisierung bringt Anlagechancen
Aussichtsreich bleibt auch der Trend der Digitalisierung, vor allem wenn Anleger Chancen in Verbindung mit einer grünen Energieversorgung denken. Daten sind ein extrem wichtiger Rohstoff geworden. Für die Verarbeitung braucht es Rechenzentren, Datennetze, Energie und Speicherlösungen. Hier gibt es zahlreiche gute Anlagechancen.
Auch Aktien in Sondersituationen und ausgewählte Titel in Schwellenländern bieten sehr gute Renditechancen, oft mit einem sehr guten Risikoprofil.
Aussichten für Anleger als Buch
Ausführlich nachlesen lässt sich die Position des vorliegenden Beitrags der „Fuchsbriefe“, die wie die Ärzte Zeitung zur Verlagsgruppe Springer Nature gehören, im Buch Anlagechancen 2026 „Chancen in Schuldenboom und Kriegswirtschaft“, das im Verlag der Fuchsbriefe erschienen ist.
Unser Autor Stefan Ziermann ist Chefredakteur im Verlag Fuchsbriefe. Er verantwortet den Unternehmerbrief „Fuchsbriefe, die Börsenbriefe FUCHS-Kapitalanlagen und die FUCHS-Devisen mit Fokus auf Währungen, Anleihen, Rohstoffe und Kryptowährungen und ist Herausgeber der Buch-Reihe „Anlagechancen“ und des Buches „Wie Unternehmer richtig vererben“.









