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Kassenpatienten

Drei Viertel nehmen IGeL-Offerten an

Rund eine Milliarde Euro haben Haus- und Fachärzte 2014 mit IGeL erzielt, schätzt das WIdO. Bei einem Großteil der angebotenen IGeL handelt es sich um Leistungen zur Krebsfrüherkennung.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:
IGeL-Leistungen sind auf dem Vormarsch - zumindest unter vermögenden Patienten.

IGeL-Leistungen sind auf dem Vormarsch - zumindest unter vermögenden Patienten.

© Africa Studio / fotolia.com

Berlin. Niedergelassene Vertragsärzte bieten inzwischen jedem dritten gesetzlich versicherten Patienten Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) an.

Laut einer repräsentativen Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der Ortskrankenkassen (WIdO) haben exakt 33,3 Prozent der Kassenpatienten bei ihren Haus- oder Facharztbesuchen innerhalb der vergangenen zwölf Monate eine Selbstzahlerleistung offeriert bekommen.

"Damit haben rund 20 Millionen GKV-Versicherte im letzten Jahr Erfahrung mit privaten Zusatzleistungen gemacht", resümiert WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber. Vor drei Jahren habe die Quote noch bei 29,9 Prozent gelegen, im Jahre 2001 gar nur bei 8,9 Prozent.

Nach WIdO-Schätzungen erzielten Haus- und Fachärzte zusammen im vergangenen Jahr rund eine Milliarde Euro mit IGeL - die Zahnärzte sind hier nicht inkludiert.

"Diese Expansion des IGeL-Marktes hat sich vor allem beim Angebot für Frauen vollzogen", hebt Klauber hervor. Frauen werde mit 41,8 Prozent wesentlich häufiger Selbstzahlerleistungen angeboten als Männern mit 23,2 Prozent.

Aktive Patientenansprache, hohe Inanspruchnahme

Wie die Umfrage ergeben hat, fragt nur etwas mehr als ein Viertel der Patienten von sich aus nach bestimmten IGeL-Angeboten.

Mit 72,6 Prozent gehe die Initiative in der Mehrzahl der Fälle von den Ärzten aus. Mit einer Quote von 72,2 Prozent verzeichnen die Ärzte dabei eine hohe Inanspruchnahme.

Mit 24,8 Prozent Spitzenreiter bei den offerierten IGeL sind laut Umfrage Ultraschalluntersuchungen - im Wesentlichen zur Krebsfrüherkennung bei Frauen - und Leistungen im Rahmen der Glaukom-Früherkennung (17,6 Prozent).

Rund elf Prozent der Angebote entfallen auf Medikamente, Heil- und Hilfsmittel (11,4 Prozent) sowie Blutuntersuchungen und Laborleistungen (11,2 Prozent). In 8,2 Prozent der Fälle werden Frauen weitere ergänzende Krebsfrüherkennungen angeboten.

Die Bestimmung des PSA-Wertes kommt auf 4,3 Prozent, die Akupunktur auf 3,1 Prozent. 3,0 Prozent entfallen auf kosmetische Leistungen und 2,8 Prozent auf das jüngst von Verbraucherschützern heftig kritisierte Hautkrebs-Screening auf Selbstzahlerbasis.

In 0,3 Prozent der IGeL-Offerten handelte es sich um Nahrungsergänzungsmittel.

Die in puncto IGeL aktivste Facharztgruppe sind der Erhebung zufolge die Gynäkologen. Auf sie entfielen 30,1 Prozent aller erbrachten Selbstzahlerleistungen. An zweiter Stelle finden sich die Ophthalmologen (20,5 Prozent) vor den Hausärzten mit 19,1 Prozent.

Etwas abgeschlagen folgen mit 10,9 Prozent die Orthopäden, danach die Dermatologen (5,7 Prozent) und die Urologen mit 4,6 Prozent. Die rote Laterne bei den ausgewiesenen Facharztgruppen tragen die Internisten mit 3,8 Prozent.

Vertreter der anderen Fachdisziplinen kommen zusammen auf einen Anteil von 5,3 Prozent.

In einer Modellrechnung kommt das WIdO zu dem Ergebnis, dass Ophthalmologen mit durchschnittlich 840 IGeL-Angeboten pro Arzt und Jahr - in der rein quantitativen Betrachtung - am aktivsten sind.

Auf Rang zwei folgen hier die Gynäkologen (609). Hausärzte werden mit 112 IGeL je Arzt und Jahr veranschlagt. Die Kosten für eine angebotene Selbstzahlerleistung beliefen sich im Durchschnitt laut Erhebung auf 65 Euro.

Allerdings handele es sich bei der Hälfte der IGeL um Angebote, für die je maximal 35 Euro berechnet würden.

Weiter Defizite im Umgang mit IGeL-Formalia

Ein neuralgischer Punkt sind laut WIdO weiterhin die bereits in der Vergangenheit von Verbraucherschützern und anderen kritisierten Defizite der IGeL-Praxen im Hinblick auf die Formalia, die für Ärzte beim Erbringen privatärztlicher Leistungen zwingend erforderlich sind.

So hätten 44,5 Prozent der befragten IGeL-Patienten angegeben, vor der Leistungserbringung keinen schriftlichen Behandlungsvertrag erhalten zu haben.

11,8 Prozent der Patienten sagten aus, ihnen sei keine schriftliche Rechnung über die erbrachte IGeL ausgestellt worden.

Wie die Befragung nahelegt, werden Selbstzahlerangebote überproportional von einkommensstarken Kassenpatienten nachgefragt. So sei in der Gruppe der Patienten mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von 4000 Euro und mehr eine Zustimmungsrate zu IGeL-Offerten von 40,7 Prozent zu verzeichnen, bei der Gruppe mit 1000 Euro oder weniger monatlichem Netto seien es dagegen gerade einmal 19,1 Prozent.

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