Kooperation

Erfolgsmodell Ärztering?

Prävention ist alles - das gilt auch für strukturschwache Regionen. Im niederrheinischen Rees haben elf Praxen für sich ein Erfolg versprechendes Rezept gefunden: ein Ärztering statt Ärztenetz.

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Ein Ring: Alternative zum Netz?

Ein Ring: Alternative zum Netz?

© Stephen Coburn / fotolia.com

KÖLN (tau). Im niederrheinischen Rees haben sich 17 Ärzte im Ärztering Rees zusammengeschlossen, um die medizinische Versorgung trotz hoher Altersstruktur und Nachwuchsmangels zu sichern. Erste Erfolge gibt es bereits.

Die Kooperation der elf Praxen hat zu einer engeren Koordination der medizinischen Versorgung geführt, sagt der Sprecher des Netzwerks, Dr. Michal El-Nounou.

"Das beste Beispiel ist, dass ein Kollege seine Patienten für das Langzeit-EKG früher immer in eine Praxis ins 20 Kilometer entfernte Wesel geschickt hat, weil er nicht wusste, dass ich das anbiete", sagt El-Nounou.

Ein weiterer Vorteil der Kooperation im Ärztering sei, dass die Mediziner gegenüber den Krankenkassen und Kliniken mit einer Stimme auftreten.

Mit dem vor einem Jahr gegründeten Ärztering wollen die beteiligten Ärzte die medizinische Versorgung in Rees trotz Nachwuchsproblemen auf hohem Niveau halten. Um sich über Probleme zu verständigen, setzen sie sich alle vier bis sechs Wochen zusammen.

Aktuell sucht der Ärztering nach einer Möglichkeit, wie in Rees wieder Röntgenuntersuchungen der Lunge angeboten werden können.

Problem ante portas

Das ist derzeit nicht mehr möglich, weil die geriatrische Abteilung der Klinik weggezogen ist. "Das zeigt, wie sich die Situation auf dem Land entwickelt", sagt El-Nounou.

El-Nounou hofft, dass der Ärztering dazu beitragen kann, Rees für Nachwuchsmediziner attraktiver zu machen. "Gefestigte Strukturen können helfen, den Nachwuchs zu halten", sagt er.

"Einzelkämpfer haben wenig Flexibilität und müssen mit hohen Patientenzahlen kämpfen." Noch gebe es genügend Ärzte vor Ort, aber das Problem werde wegen der Altersstruktur künftig akuter, erklärt El-Nounou.

Viele der niedergelassenen Mediziner in Rees seien bereits im Rentenalter oder kurz davor. "Drei der vier Hausärzte in den Reeser Vororten sind über 60 Jahre alt", sagt der 35-Jährige.

Für die Zukunft plant der Ärztering eine noch engere Abstimmung unter seinen Mitgliedern. "Wir wollen Behandlungspfade von der Voruntersuchung bis zur Behandlung beim Facharzt festlegen", sagt El-Nounou.

Geht das Konzept auf, könnten Behandlungen künftig besser strukturiert werden und sich die Wartezeiten für Patienten verkürzen.

Der erste öffentliche Auftritt des Ärzterings steht bald an: Zum Gesundheitstag am zweiten September wollen El-Nounou und seine Kollegen in Rees über Organspenden sprechen.

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