Klinikkeime in Kiel

Experten sehen keine Hinweise auf Hygienemängel

Experten aus Frankfurt sehen bislang keine Fehler bei der Uniklinik Kiel, nachdem dort bei mehreren verstorbenen Patienten multiresistente Keime nachgewiesen worden waren. Verbesserungsvorschläge der auswärtigen Mediziner werden direkt umgesetzt.

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:
Uniklinikum in Kiel: Bis Montagabend wurden 31 Patienten positiv auf den gefährlichen Keim getestet.

Uniklinikum in Kiel: Bis Montagabend wurden 31 Patienten positiv auf den gefährlichen Keim getestet.

© Rehder / dpa

KIEL. Die in der Bekämpfung des Erregers Acinetobacter baumannii zur Unterstützung geholten Frankfurter Experten haben das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) gegen Vorwürfe in Schutz genommen.

Nach ihrem ersten Eindruck hat das Personal in Kiel keine Fehler gemacht.

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den Frankfurter Experten berichtete UKSH-Chef Professor Jens Scholz von 31 Patienten am UKSH, die bis Montagabend positiv auf den Keim getestet wurden, darunter auch zwölf inzwischen verstorbene.

Bei neun von ihnen konnte die Keimbelastung als Todesursache ausgeschlossen werden.

Von den positiv getesteten Patienten liegen die meisten auf zwei isolierten Stationen in Kiel. Scholz konnte am Montagabend nicht ausschließen, dass ihre Zahl noch steigen wird.

Drei von ihnen konnten inzwischen entlassen werden, weil sie zweifach negativ getestet wurden.

Klinik: Keine Gefahr für Gesunde

Die Verantwortlichen in Kiel stellten klar, dass die entlassenen Patienten für Gesunde keine Gefahr darstellen und appellierten an die Öffentlichkeit, die entlassenen Patienten "nicht wie Aussätzige zu behandeln".

Die vom Main an die Ostsee geholten Experten unter Leitung von Professor Volkhard Kempf bescheinigten dem UKSH nach ihrem ersten Eindruck gute Arbeit.

Allerdings schlugen die Experten eine Modifikation vor, die das UKSH auch umsetzen wird: Positiv getestete Patienten müssen ab sofort dreimal negativ im Abstand von jeweils einer Woche getestet sein, bevor sie entlassen werden.

Die positive Testung wird in ihrer Gesundheitsakte aufgenommen, sie werden künftig bei jedem weiteren Klinikaufenthalt zunächst isoliert. Grund: Anteile des Erregers werden voraussichtlich im Darm verbleiben.

Zuvor hatte auch schon die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie berichtet, dass es nach ihrer Einschätzung keine Hinweise auf Hygienemängel in Kiel gibt. Kempf warnte vor voreiligen Urteilen aus der Ferne.

"Der Ausbruch in Kiel war Schicksal und ist nicht auf mangelndes Engagement von Ärzten oder Pflegern zurückzuführen", stellte er klar. Nach seinen Angaben gibt es keine universal gültigen Lösungen zur Bewältigung solcher Szenarien.

Von zahlreichen anderen Stellen gab es dagegen Kritik, unter anderen von Patientenvertretern und Gewerkschaften, die die dünne Personaldecke in der Klinik als Risikofaktor ansehen.

Diese Vorwürfe wies Scholz zurück. "Wir haben am UKSH einen besseren Personalschlüssel als den Bundesreferenzwert", so der UKSH-Chef.

Opposition spricht von "Kieler Keim-Krise"

Die Opposition im Norden spricht unterdessen von der "Kieler Keim-Krise" und wirft Gesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD) "Hilflosigkeit und mangelndes Verantwortungsbewusstsein" vor.

Als zuständige Fachaufsicht müsse Alheit "aus ihrer Zuschauerrolle herauskommen", wie die CDU forderte. Alheit ist als Wissenschaftsministerin für das UKSH und als Gesundheitsministerin für die Gesundheitsämter zuständig.

"Von beidem ist bislang nichts zu merken", meint die CDU.

Sie erwartet von Alheit, dass diese sich "an die Spitze der Aufklärung" stellt.

Alheit selbst forderte "möglichst schnell Klarheit" über die Hintergründe, die zu der begrenzten Verbreitung des gegen viele Antibiotikagruppen resistenten und in der Medizin erst seit rund 15 Jahren bekannten Erregers geführt haben.

Am Mittwoch will sich das UKSH in einer Informationsveranstaltung den Fragen der Bevölkerung stellen.

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