Anlagen-Kolumne

Frühindikator mit 46 Jahren Vorlauf

Mit den Gelddruckaktionen der Notenbanken wächst auch die Inflationsgefahr. Es gibt aber auch gegenläufige Kräfte, etwa den deflationären Einfluss der Demografie.

Von Jens Ehrhardt Veröffentlicht: 22.09.2012, 17:11 Uhr

Mit den jüngsten Ankündigungen der Notenbanken liegen die Karten nun auf dem Tisch. USA, Europa und auch Japan drucken massiv neues Geld.

Der Einfluss, den diese Notenbankaktionen weltweit auf die Aktienmärkte und auf die Inflationsraten haben werden, wurde unter dem Thema "Financial Repression" regelmäßig beleuchtet.

Die bisherige Logik des Marktes, dass schlechte Konjunkturdaten die Wahrscheinlichkeit des Gelddruckens erhöhen und deshalb positiv für Aktien sind, dürfte damit überholt sein. Denn momentan können die Notenbanken kaum mehr tun, als schon bekannt ist.

Ein ganz anderer Aspekt, der vor dem Hintergrund der offensichtlich inflationären Maßnahmen viel zu kurz kommt, ist der deflationäre Einfluss der Demografie. Es handelt sich dabei um einen "Frühindikator" mit einer Vorlaufzeit von 46 Jahren!

Der Hintergrund ist, dass die Menschen mit durchschnittlich 46 Jahren den Höhepunkt ihrer Konsumfreude erleben.

Große Anschaffungen wie Häuser werden in dieser Zeit getätigt. Die Babyboomer-Generation von 1961 entwächst diesem Alter allerdings seit 2007 und beginnt nun zunehmend zu sparen.

Da etwa zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts vom Konsum abhängen, ist der Zusammenhang von Lebensalter und Konsumneigung definitiv relevant. Es sind also im Schnitt besonders junge Menschen, die Inflation verursachen können.

Gute Nachrichten benötigt

Denn sie kosten und konsumieren viel, produzieren aber kaum etwas. Viel Nachfrage trifft auf wenig Angebot.

Folglich gab es in den 70er Jahren eine Zeit mit höheren Inflationsraten. Damals gingen die Babyboomer zur Schule und gaben das Geld ihrer Eltern aus.

In den 80er Jahren begann starkes Wachstum bei niedriger Inflation, nachdem eine neue Generation produktiver Arbeitskräfte herangewachsen war.

Wenn man heute schaut, wo die größten Inflationsraten herrschen, dann dort, wo es viele junge Leute gibt: in den Emerging Markets.

Das Gegenbeispiel ist Japan mit vielen Leuten, die am Ende ihrer Arbeitszeit stehen. Dort herrscht seit Jahren alles andere als Inflation, trotz massiver monetärer Stimulierung.

Fazit: Die Notenbankinterventionen sind eindeutig inflationärer Natur. Es gibt allerdings auch langfristig wirkende Faktoren, wie die Demografie, die kompensierend wirken können.

Kurzfristig ist das jedoch zweitrangig. Bis zur Berichtssaison des dritten Quartals braucht ein steigender Aktienmarkt gute Nachrichten von den Konjunkturfrühindikatoren. Hier würden insbesondere gute Auftragseingänge und verbesserte Einkaufsmanagerumfragen helfen.

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