Tourismusindustrie für Geldanleger

Geld verdienen, weil andere die Füße hochlegen

Für ihren Jahresurlaub greifen die Deutschen tief in die Tasche. Viele Touristikdienstleister sind börsennotiert. Mit deren Aktien können Anleger vom Reiseboom profitieren. Dabei sollten jedoch zyklische Risiken nicht unterschätzt werden.

Von Richard Haimann Veröffentlicht:
Analysten sehen noch kein Ende der wachsenden Nachfrage nach Kreuzfahrten – im Gegenteil.

Analysten sehen noch kein Ende der wachsenden Nachfrage nach Kreuzfahrten – im Gegenteil.

© bildagentur-online.com / dpa

NEU-ISENBURG. Sommerzeit ist Ferienzeit. Das lässt die Kassen der Reiseveranstalter jetzt wieder klingeln. Allein deutsche Urlauber haben im vergangenen Jahr insgesamt 90,9 Milliarden Euro für Reisen aufgewendet – ein neuer Rekordbetrag.

"Die Reiseveranstalter konnten ihren Gesamtumsatz deshalb 2017 um acht Prozent auf 33,7 Milliarden Euro steigern", sagt Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV).

Dieses Jahr dürfte noch mehr Geld in die Kassen der Veranstalter fließen. Das zeigt die Tourismus-Analyse 2018 der BAT-Stiftung. Danach "zeichnen sich für viele Destinationen Zuwächse in der Gästezahl ab".

Von dieser Entwicklung können auch Anleger profitieren. Denn zahlreiche Dienstleister rund um das Urlaubsgeschäft sind börsennotiert.

"Die Bandbreite reicht von klassischen Reiseveranstaltern über Buchungsportale, Hotelketten, Mietwagenfirmen, Flughafenbetreiber, Reiseversicherer bis hin zu den großen Kreuzfahrt-Konzernen", sagt Adrian Roestel, Leiter Portfoliomanagement bei der Münchner Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen.

Zu den bekanntesten Branchenunternehmen zählt der Hannoveraner Reisekonzern TUI. Dessen Aktienkurs stieg seit 2012 um 320 Prozent.

Geringeres Risiko in Nischen

Dennoch sieht Helge Müller, Chefstratege beim Genfer Vermögensverwalter Genève Invest, Aktien von Tourismusveranstaltern nicht als ideales Investment für langfristig orientierte Anleger. "Die Touristikbranche ist sehr zyklisch."

Und da Reiseveranstalter bei der Erschließung neuer Destinationen hohe Investitionskosten stemmen müssten, "kommen sie bei einem Einbruch im Geschäft schnell in die negativen Zahlen", sagt Müller.

Das spiegelt die langfristige Kursentwicklung des TUI-Papiers sehr gut wider. Sowohl nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001 mit entführten Passagierflugzeugen auf das World Trade Center in New York als auch nach Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 brach das globale Geschäft mit Flugreisen massiv ein.

Die TUI-Aktie fiel deshalb von 2001 bis 2009 um mehr als 80 Prozent – und notiert auch heute noch deutlich unter dem früheren Höchstkurs von 56 Euro.

Mit erheblich weniger Risiko könnten Anleger "vom Boom im Tourismussektor profitieren, indem sie auf Unternehmen in Nischensegmenten setzen, die nicht den zyklischen Schwankungen im Urlaubsgeschäft ausgeliefert sind", sagt Müller.

Dazu zählten beispielsweise Aktien börsennotierter Flughäfen wie der Frankfurter Fraport oder des Flughafens Zürich. Die Aktienkurse beider Unternehmen haben sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt.

"Da der Luftverkehr jährlich um fünf Prozent zunimmt, profitieren diese Unternehmen von der stetig wachsenden Zahl der Reisenden, sind aber im Gegensatz zu Fluggesellschaften keinem harten Wettbewerb ausgesetzt", sagt Müller.

Zu den Unternehmen, die ebenfalls indirekt vom Tourismus profitieren, zählt der IT-Konzern Amadeus. "Die Gesellschaft ist einer der führenden Anbieter von Computerreservierungssystemen und verdient an jeder Buchung 4,30 Euro", weiß Müller. Der Aktienkurs hat sich seit 2013 fast verdoppelt.

Kreuzfahrer ins Portfolio?

Gerd Häcker, geschäftsführender Gesellschafter der Münchner Vermögensberatung Steinbeis & Häcker hält Aktien von Kreuzfahrtanbietern wie Royal Caribbean Cruises und Norwegian Cruise Line für sehr interessante Investments. "Ein Ende des Kreuzfahrtbooms ist nicht in Sicht."

In Europa und Nordamerika steige das Kundenpotenzial, weil zunehmend mehr Angehörige der Babyboomer-Generation das Rentenalter erreichen. Gleichzeitig nehme in China mit der wachsenden Mittelschicht die Nachfrage nach Schiffsurlauben stark zu. "Bis 2021 will die Branche in Fernost pro Jahr um 30 Prozent wachsen", so Häcker.

Reichlich Luft nach oben hätten die Anbieter in jedem Fall, meint der Experte. "Bislang entfallen lediglich zwei Prozent des Freizeitreisemarktes auf die Branche." Dabei verzeichneten die Kreuzfahrtanbieter die "höchsten Zufriedenheitsquoten unter international Reisenden. Dadurch gewinnen die Unternehmen zunehmend jüngere Urlauber als Kunden."

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