Direkt zum Inhaltsbereich

Gesetzlicher Urlaub auch bei langer Krankheit geschützt

ERFURT (mwo). Dauerhaft kranke Arbeitnehmer können künftig bis zu 24 Urlaubstage pro Jahr ansparen, über Jahre hinweg. Werden sie entlassen, können sie sich den Urlaubsanspruch auszahlen lassen.

Veröffentlicht:

Das hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt entschieden. Es setzte damit ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom Januar um und gab seine bislang gegenteilige Rechtsprechung auf.

Urlaub, der wegen Krankheit nicht genommen werden konnte, war nach bisheriger Rechtsprechung nämlich meist zum 1. April des Folgejahres verfallen. Das galt auch nach dem Manteltarif für Arzthelferinnen. Im Januar verwarf der EuGH dies als unvereinbar mit europäischem Recht.

Dem folgte nun das BAG. Kranke Arbeitnehmer können danach den Urlaub mehrerer Jahre ansammeln und dann später nehmen, wenn sie wieder gesund sind. Werden sie entlassen, besteht Anspruch auf finanzielle Abgeltung. Geschützt ist laut BAG allerdings nur der gesetzliche Mindesturlaub von jährlich 24 Werktagen. Ein längerer tariflicher oder vertraglicher Urlaubsanspruch - bei Arzthelferinnen je nach Alter 26 bis 30 Tage - kann daher weiter verfallen.

Nach dem Erfurter Urteil sind alle Ansprüche geschützt, die am 2. August 2006 noch nicht verfallen waren. An diesem Tag hatte das Landesarbeitsgericht Düsseldorf die Streitfrage dem EuGH vorgelegt; Arbeitgeber könnten sich daher nicht mehr auf Vertrauensschutz berufen, erklärte das BAG zur Begründung. Das bedeutet für Arzthelferinnen wie für die meisten anderen Arbeitnehmer, dass sie den gesetzlichen Urlaub von 24 Tagen rückwirkend bis Anfang 2006 geltend machen können.

Im konkreten Fall einer Erzieherin aus dem Rheinland galt ein längerer Übertragungszeitraum bis zum Ende des Folgejahres. Sie war nach einem Schlaganfall dauerhaft krank und wurde Anfang 2007 entlassen. Das BAG sprach ihr eine finanzielle Abgeltung für den gesetzlichen Urlaub der Jahre 2005 und 2006 zu.

Az.: 9 AZR 983/07

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Gastbeitrag

GKV-Beitragssatzstabilisierung mittels Privatisierung der Prävention?

Praktische Tipps

Aufgebrachte Patienten? Wie Praxisteams sicher deeskalieren

Kommentare
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Mikrobiomforschung

Atemwegs-Dysbiose befeuert Lungenerkrankungen

Weniger Spätkomplikationen

Frühe HbA1c-Kontrolle zahlt sich aus

Lesetipps
Eine Frau sitzt am Tisch und misst ihren Blutzucker am linken Zeigefinger.

© Felippe Lopes / Generated with AI / Stock.adobe.com

Potenzielle Über- und Untertherapie

Medikation des Typ-2-Diabetes wird im Alter zu selten angepasst