Kapitalanlage

Größte Energiewende aller Zeiten

Im Kampf gegen die globale Erwärmung wollen EU und USA die Wirtschaft in ihren Ländern klimaneutral umbauen und dafür Milliardenbeträge investieren.

Von Richard Haimann Veröffentlicht:
Windräder statt Kohlekraftwerke – das ist nur ein Mosaikstein in der Antwort der Industrieländer auf den Klimawandel.

Windräder statt Kohlekraftwerke – das ist nur ein Mosaikstein in der Antwort der Industrieländer auf den Klimawandel.

© Schulz-Design / stock.adobe.com

Neu-Isenburg. Wassermassen in Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Österreich – brütende Hitze und Waldbrände in Kanada und dem Nordwesten der USA: Die jüngsten Wetterextreme zeigen, dass der Klimawandel nun auch die Industrienationen mit Wucht erreicht hat.

Politiker verkünden, Klimaschutzpakete nun mit Macht voranzutreiben. Es gehe um nicht weniger als „die größte Energiewende aller Zeit“, sagt Petra Ahrens, Vorstand der Maiestas Vermögensmanagement in Köln. Ein Trendwechsel, auf den sich Anleger einstellen sollten.

EU will bis 2050 klimaneutral sein

Die Weichen dafür sind längst gestellt. Die EU will spätestens 2050 klimaneutral sein. Bis dahin sollen sämtliche Kohlekraftwerke in den 27 Mitgliedsländern stillgelegt sein, Fahrzeuge mit Verbrennermotoren Elektromobilen weichen, Öl- und Gasheizungen durch regenerative Wärmeerzeugungssysteme abgelöst werden. „Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, will die EU in den kommenden Jahren 250 Milliarden Euro in die Märkte pumpen“, so Ahrens.

Die US-Regierung dreht gar ein noch größeres Rad und stellt 4000 Milliarden US-Dollar für den nachhaltigen Umbau der Wirtschaft bereit. Einhergehen soll der Geldregen in Europa und USA mit diversen Auflagen. „Keine Branche und kein Unternehmen wird am Thema Nachhaltigkeit vorbeikommen“, sagt die Vermögensverwalterin.

Anleger müssten deshalb ihre Portfolios langfristig neu ausrichten. „Sie sollten sich fragen, welche Branchen von dem Strukturwandel profitieren werden“, so Ahrens. Dieser Ansicht ist auch Uwe Wiesner, Portfoliomanager der Vermögensverwaltung Hansen & Heinrich in Berlin.

„Klimaschutzpakete und massive technologische Fortschritte in Bereichen wie E-Mobilität, Energieeffizienz und eine umweltschonende Wirtschaft schaffen große Wachstumspotenziale, an denen sich Anleger beteiligen sollten.“ Zu den Gewinnern dürften zudem Unternehmen zählen, die sich darauf spezialisiert haben, sauberes Trinkwasser bereitzustellen und Umweltverschmutzungen zu beseitigen.

Lithium, Nickel, Kupfer

Auch Aktien von Bergbauunternehmen, die sich auf Metalle fokussieren, die für die Energiewende benötigt werden, könnten Kurssteigerungen verzeichnen. „Lithium wird für fast alle elektronischen Bauteile und Akkumulatoren benötigt“, sagt Manfred Rath, Portfoliomanager der KSW Vermögensverwaltung in Nürnburg.

Auch Nickel spiele bei der Batterieproduktion eine große Rolle. Kupfer werde als Stromleiter gebraucht. „Silber wiederum wird nicht nur in der Elektromobilität und der Elektronik benötigt, sondern auch in der Medizintechnik und der neuen 5G-Mobilfunktechnologie“, so Rath.

Um von der Wandlung zu einer klimaneutralen Wirtschaft am besten zu profitieren, sollten Anleger auf aktiv verwaltete Fonds setzen. Deren Manager betreiben aufwändigen Research, um die aussichtsreichsten Aktien zu identifizieren und streuen das Kapital – und das Risiko – ihrer Kunden breit über diese Werte. Welche Investmentstrategien solche Fonds verfolgen, zeigt etwa der Global Environmental Opportunities Fund der Genfer Bank Pictet.

„Der Fonds investiert zu 37 Prozent in Aktien aus dem Segment Energieeffizienz, zu 20 Prozent in Konzerne, die umweltschonend wirtschaften und zu 14 Prozent in Unternehmen, die auf Umweltschutz und Schadstoffbeseitigung fokussiert sind“, so Wiesner. „Ergänzt wird das Portfolio zu weiteren sechs Prozent durch Aktien von Unternehmen der Abfallwirtschaft und zu fünf Prozent um Werte aus der nachhaltigen Land- und Forstwirtschaft.“

Klimaschutzpakete und massive technologische Fortschritte in Bereichen wie E-Mobilität, Energieeffizienz und eine umweltschonende Wirtschaft schaffen große Wachstumspotenziale, an denen sich Anleger beteiligen sollten.

Uwe Wiesner, Portfoliomanager der Berliner Vermögensverwaltung Hansen & Heinrich

Laut einer Studie der Ratingagentur Scope werden derzeit in Deutschland über 1000 Fonds mit Investmentschwerpunkt Ökologie und Klimaschutz angeboten. „Jedoch nur 57 davon investieren dezidiert in Firmen, die zu einer nachhaltigeren Welt beitragen“, sagt Analystin Barbara Claus.

Diese hätten 2020 eine deutlich bessere Performance als der Gesamtmarkt erzielt. „Im Schnitt erwirtschafteten diese 57 Fonds eine Rendite von 22,3 Prozent, während der globale Aktienindex MSCI World nur um 6,7 Prozent zugelegt hat.“

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