Geldanlage

Indexfonds: Immer günstig, aber nicht immer gut

Mit börsennotierten Indexfonds können Anleger zu sehr geringen Kosten in Aktienindices wie etwa den deutschen Leitindex Dax investieren. Doch die Anlageprodukte beinhalten auch Risiken.

Von Richard Haimann Veröffentlicht:
Die Papiere von Technologieunternehmen wie Google oder Facebook machen 14 Prozent des MSCI World Index aus.

Die Papiere von Technologieunternehmen wie Google oder Facebook machen 14 Prozent des MSCI World Index aus.

© alexander kirch / Getty Images / iStock

Neu-Isenburg. Börsennotierte Indexfonds sind bei Anlegern beliebt. 67,1 Milliarden Euro hatten private Investoren nach Berechnungen des Branchenportals extraETF.com Ende Juli in den im englischsprachigen Finanzmarktjargon Exchange Traded Funds, kurz ETF, genannten Investmentvehikeln in Deutschland investiert. Ein Plus von 19,6 Milliarden Euro oder 41,2 Prozent gegenüber den 47,5 Milliarden Euro zu Jahresbeginn. Doch die Anlageprodukte sind nicht ohne Risiko. „Eine Reihe von ETF-Formen beinhaltet spezielle Gefahren“, sagt Hennig Kirsch, Investmentstratege bei der Vermögensverwaltung Hansen & Heinrich in Frankfurt am Main.

Was die Indexfonds so beliebt macht, sind ihre niedrigen Kosten: ETF bilden passiv einen Index wie das deutsche Aktienmarkt-Leitbarometer Dax oder den New Yorker Dow Jones nach. Deshalb fallen im Gegensatz zu aktiv gemanagten Fonds nur minimale jährliche Verwaltungsgebühren von 0,1 bis 0,6 Prozent an. Zudem entfällt der bei anderen Fonds als Provision an die Banken fließende Ausgabeaufschlag von bis zu fünf Prozent, weil ETF-Anteile ausschließlich an der Börse gehandelt werden.

Bei Insolvenz droht Totalverlust

Doch nicht alle ETF erwerben auch die Aktien des jeweiligen Index. Sie bilden vielmehr das Aktienmarkt-Barometer synthetisch über Derivate anderer Finanzinstitute nach. Für Anleger besteht in diesem Fall die Gefahr eines Totalverlusts, sollten die Emittenten dieser Derivate insolvent gehen. „Anleger sollten deshalb nur in ETF investieren, die den jeweiligen Index direkt mit Aktien nachbilden“, sagt Thomas Freiberger, Geschäftsführer der Thomas Freiber Vermögensverwaltung in München.

ETF-Anbieter sind verpflichtet, in den Prospekten ihrer Indexfonds darzulegen, ob der Index synthetisch oder physisch mit Aktien nachgebildet wird. Die Prospekte können über die Internetseiten der ETF-Gesellschaften wie Amundi, Comdirekt, iShares, Lyxor, Vanguard oder Xtracker heruntergeladen werden. Börsenportale wie Onvista.de oder Finanzen.net bieten bei den bei ihnen gelisteten ETF direkte Links zu den Prospekten.

„Riskant sind auch sogenannte Nischen-Indexfonds“, sagt Stephan Witt, Kapitalmarktstratege bei der Berliner Vermögensverwaltung FiNUM.Private Finance. Diese ETF bilden spezielle Indices nach, die die Kursentwicklung von Unternehmen aus einzelnen Branchen widerspiegeln wie Trinkwassererzeuger, Hersteller von Windkraft- oder Solaranlagen. „Nischen-ETF jagen oftmals einem aktuellen Trend nach und setzten sich aus Werten zusammen, die bereits gut gelaufen oder gar schon überhitzt sind“, sagt Witt. „Dadurch ist die Gefahr von fallenden Kursen bei diesen Werten signifikant hoch.“

Ist der Anlageboom in einer solchen Nische vorüber, „stellen die ETF-Anbieter diese Indexfonds häufig ein und verkaufen die noch verbliebenen Aktien – egal ob die Anleger dies möchten oder nicht“, sagt Kirsch. Zwar erhielten die Kunden das noch verbliebene Kapital zurück. Sie müssten dabei aber häufig heftige Verluste hinnehmen. „Dieser Fall ist nicht selten“, sagt Kirsch. Vor rund sieben Jahren seien zahlreiche ETF auf „Seltene Erden“ eingestellt worden, als die Preise dieser für Smartphones und Elektromobile benötigten Rohstoffe stark fielen.

Schwerpunkt Technologieaktien

Bei Anlegern besonders beliebt sind auch ETF auf den MSCI World Index. Dieser bildet die Aktienkursentwicklung der 1600 größten Unternehmen aus den Industrieländern nach. Doch auch hier bestehe ein Risiko, sagt Vermögensverwalter Freiberger. „Die Konstruktion des MSCI World übergewichtet die Aktien, die in den Vorjahren besonders heftig gestiegen sind.“ Weil in den vergangenen Jahren Technologiewerte die höchsten Kursgewinne verzeichnet haben, bilden derzeit die Papiere der Google-Mutter Alphabet, von Amazon, Apple, Facebook und Microsoft den Schwerpunkt im Index.

„Die fünf Werte machen 14 Prozent des MSCI World aus“, sagt Freiberger. Die verbliebenen 1595 Unternehmen decken hingegen die übrigen 86 Prozent der Indexentwicklung ab. „Wenn der Wind einmal stärker dreht und die Kurse von Technologiewerten fallen, sind Anleger mit dem MSCI World größeren Risiken ausgesetzt“, sagt Freiberger.

Anleger sollten deshalb nur ETF nutzen, die Aktien tatsächlich in ihren Portfolios haben und etablierte Leitindices wie den Dax oder Gesundheitsaktien-Indices nachbilden, raten die Experten. Weil Letztere große, etablierte Pharmakonzerne enthalten, ist das Risiko hier gering. Allerdings sollten ETF immer nur eine Beimischung im Portfolio sein, sagt Witt. „Aktiv gemanagte Fonds, wo die Analyse über die Kapitalmärkte vom jeweiligen Management erledigt wird, sind ansonsten die bessere Wahl.“

Mehr zum Thema

Vermögensverwaltung

Auch in Geldfragen schlägt David den Goliath

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Die Coronakrise hat den Pflegekräften an der Charité zugesetzt. Um sie zu unterstützen, gehören inzwischen zehn Psychologen zum Team. Sorgen können dadurch unkompliziert in den Pausen angesprochen werden.

© Alexander Raths / stock.adobe.com

Supervision an der Kaffeetasse

Wie die Charité ihren COVID-Kräften Beistand leistet

Pandemiebedingt sind in den ersten neun Monaten die Arzthonorare bei den 102 Kassen nur um knapp 1,8 Prozent gestiegen. GKV-weit nahmen die Leistungsausgaben inklusive Verwaltungskosten um rund 4,8 Prozent zu.

© Stockfotos-MG / stock.adobe.com

Kassenfinanzen

Kassen bunkern noch 13,6 Milliarden Euro