Lebensversicherungen

Indexpolice verspricht Rendite

Sind sogenannte Indexpolicen besser als klassische Lebensversicherungen? Sie haben Potenzial, aber Nachteile, wenn es um die Kosten für das Produkt geht, zeigt eine neue Studie.

Von Friederike Krieger Veröffentlicht: 07.02.2017, 16:45 Uhr

KÖLN. Wer sich eine Lebensversicherung neuen Typs wie eine Indexpolice zulegen will, sollte Vorsicht walten lassen. Die Policen sind nicht nur schwer miteinander vergleichbar, sondern liefern auch nicht immer eine höhere Rendite als herkömmliche Produkte. Zudem kosten sie mehr. Das geht aus einer Studie der auf Versicherer spezialisierten Ratingagentur Assekurata hervor.

Wegen des Niedrigzinsumfelds werden klassische Lebensversicherungen mit Garantiezins immer unattraktiver. Den Anbietern fällt es schwer, mit sicheren Kapitalanlagen wie Bundesanleihen die nötige Rendite zu erwirtschaften. Die Regierung hat den Garantiezins zu Jahresanfang von ohnehin schon mageren 1,25 Prozent auf 0,9 Prozent abgesenkt. Zwar müssen die Versicherer Kunden darüber hinaus noch an den Überschüssen beteiligen, die sie am Kapitalmarkt erwirtschaften, doch sie sprudeln wegen der niedrigen Zinsen schon längst nicht mehr.

Spitzenreiter bei der Verzinsung

Wer in diesem Jahr eine klassische private Rentenversicherung neu abgeschlossen hat, dem schreiben die Versicherer im Schnitt noch 2,61 Prozent Verzinsung auf den Sparanteil an der Police gut, also nach Abzug der Kosten. Im vergangenen Jahr waren es noch 2,86 Prozent. Die höchste laufende Verzinsung gewähren momentan noch die Deutsche Ärzteversicherung und die Neue Bayerische Beamtenversicherung mit je 3,05 Prozent.

Die Deutsche Ärzteversicherung liegt aber nicht in allen Bereichen vorne. Bei aufgeschobenen Rentenversicherungen gegen Einmalbeitrag belegt sie mit einer Beitragsrendite von 0,25 Prozent den letzten Platz. Spitzenreiter ist die Mecklenburgische Versicherung mit 3,22 Prozent Rendite.

Immer mehr Anbieter verabschieden sich aus dem Geschäft mit klassischen Verträgen. Von den 52 Gesellschaften, die an der Assekurata-Studie teilgenommen haben, sind nur noch 34 mit klassischen Policen im Neugeschäft aktiv. "Die Klassik ist im Neugeschäft in einen Randbereich hineingerutscht", sagte Assekurata-Chef Reiner Will.

Die neuartigen Lebenspolicen, die Versicherer stattdessen anbieten, sehen keine Garantieverzinsung mehr vor. Anfangs sicherten die meisten Gesellschaften den Kunden zumindest noch den Erhalt der eingezahlten Beiträge zu. "Das machen einige Versicherer noch, aber andere garantieren inzwischen nur noch 60 bis 80 Prozent der Bruttobeiträge", sagt Assekurata-Analyst Lars Heermann.

Einen Grund dafür sieht er in den höheren Renditechancen, die sich durch den Garantieverzicht eröffnen sollen. Die Idee: Wenn der Versicherer keine hohen Garantien mehr erfüllen muss, kann er das Geld der Kunden riskanter anlegen und damit eine höhere Rendite erwirtschaften. Netter Nebeneffekt für den Versicherer: Er muss weniger Eigenkapital bereitstellen.

Die Rechnung scheint aber nicht immer aufzugehen. Die 25 Versicherer, die ihre neuen Klassik-Policen von Assekurata haben untersuchen lassen, kamen im Neugeschäft 2017 auf eine durchschnittliche Verzinsung von 2,44 Prozent – das sind 0,17 Prozentpunkte weniger als bei den klassischen Policen. Bei den sogenannten Index-Policen, die 13 Anbieter im Programm haben, fällt die Überschussbeteiligung mit 2,92 Prozent dagegen üppiger aus. Auch die Deutsche Ärzteversicherung hat solche Policen im Programm.

Verluste ausgeschlossen

Die Gesellschaft bietet momentan eine laufende Verzinsung von 2,90 Prozent. Die Indexpolicen unterscheiden sich von der neuen Klassik dadurch, dass der Kunde mit seiner Überschussbeteiligung an der Wertentwicklung eines Aktienindex wie dem Dax partizipieren kann. Verluste sind dabei ausgeschlossen. Wenn der Index einbricht, wird dem Kunden einfach nichts gutgeschrieben. Allerdings kann er von positiven Entwicklungen nicht im vollen Umfang profitieren. Die meisten Versicherer schreiben den Kunden nicht mehr als drei Prozent Rendite im Monat gut.

Die Indexpolicen sind allerdings ein gutes Stück teurer als die klassischen Tarife. Die Effektivkosten, also der Renditeverlust durch die Kosten, beträgt bei den Verträgen 1,18 Prozent. Bei den Klassik-Policen sind es dagegen nur 0,79 Prozent und bei der neuen Klassik 1,02 Prozent.

Mehr zum Thema

Absicherung

Risikolebensversicherung immer sinnvoll

Reformdiskussion

Herr Spahn und der heiße Pflegeherbst

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Abstrich der Dritte: Die neue Corona-Testverordnung ermöglicht den Einsatz von Antigen-Schnelltests. Sie können am Point-of-Care, wie etwa an der Münchner Theresienwiese, zu schnelleren Ergebnissen führen.

Besonderheiten und Tücken

Darauf ist bei Corona-Antigen-Schnelltests zu achten

Digitaloffensive in der Medizin. Neue Pläne von Jens Spahn.

Drittes Digitalisierungsgesetz

Hat die eGK schon wieder ausgedient?

Bei Typ-2-Diabetikern war der Konsum von täglich mindestens vier Tassen grünem Tee plus einer Tasse Kaffee mit einem um 58 Prozent verringertem Mortalitätsrisiko verbunden.

Assoziationsstudie

Typ-2-Diabetes: Länger leben durch Kaffee und Tee?