Arzneimittelpolitik

Industrie fordert, auf Festbetrags-Anpassung für Heparine zu verzichten

Niedermolekulare Heparine sind unerlässlich zur Thromboseprophylaxe sowie in der Infarkt-Therapie. Der BPI warnt jetzt vor Versorgungsengpässen.

Veröffentlicht: 21.01.2020, 17:04 Uhr

Berlin. Bewirkt die afrikanische Schweinepest Engpässe in der Marktversorgung mit Heparin? Noch ist es nicht soweit, doch der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) warnte am Dienstag vorsorglich schon einmal vor Produktionsproblemen in China, die sich nachteilig auch auf die Angebotslage in Deutschland und Europa auswirken könnten.

Bestände gekeult

Wie eine Verbandssprecherin auf Nachfrage erläuterte, seien in China nach Einschleppung der Schweinegrippe unlängst Tierbestände in größerem Umfang gekeult worden. Dortige Heparin-Hersteller würden nun vermehrt Schweinemukosa in Europa einkaufen, infolgedessen verknappe sich das Angebot hier. Zudem habe die Krankheit bereits Bulgarien erreicht, womit dieser Markt als Rohstoff-Lieferant ausfalle. Aktuell könnten sämtliche Heparin-Anbieter noch liefern, heißt es weiter. Gerate der Markt jedoch weiter unter Druck, drohe sich das zu ändern.

„Kontraproduktive Fehlregulierung“

Unter diesen Bedingungen sei es nicht opportun, an der Preisschraube für Heparine zu drehen. Den Angaben zufolge bereitet der GBA „eine Absenkung der Festbeträge vor“. Am 6. Januar habe dazu in Berlin bereits eine nicht-öffentliche Anhörung stattgefunden. Einen Beschluss hat der GBA noch nicht gefasst. In der jetzigen Situation seien „solche ordnungspolitischen Fehlregulierungen kontraproduktiv“ und müssten „dringend unterbleiben“, so der BPI. „Sie vergrößern das Ausmaß der Lieferschwierigkeiten ohne Not und gefährden damit die Versorgung unzähliger Patientinnen und Patienten.“

BfArM: Noch keine Probleme

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bestätigte, dass momentan noch keine Lieferschwierigkeiten bestünden. Bereits beim letzten Branchentreffen („Jour Fixe“) Mitte November sei das Thema diskutiert worden. Damals hätten „keine Informationen zu einer möglichen kritischen Versorgungssituation mit Heparin-haltigen Arzneimittel aufgrund des Ausbruchs der afrikanischen Schweinepest in China“ vorgelegen. Dieser Kenntnisstand sei nach wie vor aktuell, heißt es. Auf EU-Ebene werde die Marktversorgung „unter Einbeziehung aller Mitgliedsstaaten“ ständig beobachtet. (cw)

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