Innovationskraft von Sanofi-Aventis im Fokus

Gewiss: Die Generikahersteller sitzen Sanofi-Aventis im Nacken. Doch Analysten trauen dem französischen Pharma-Konzern dank neuer Arzneien genug Schlagkraft zu, wenn der Patentschutz auf Umsatzbringer wegfällt.

Von Richard Haimann Veröffentlicht:
Konzernchef Chris Viehbacher verspricht auch für 2010 Gewinnwachstum. © pa

Konzernchef Chris Viehbacher verspricht auch für 2010 Gewinnwachstum. © pa

© pa

PARIS. Der Wettbewerb mit den Generikaproduzenten macht dem französischen Pharmakonzern Sanofi-Aventis zunehmend zu schaffen. Vorstandschef Christopher Viehbacher rechnet deshalb mit einem schwächeren Gewinnwachstum in diesem Jahr. Analysten sind weniger pessimistisch: Sie raten mehrheitlich zum Kauf der Aktie.

2009 winkte Aktionären ein Kursgewinn von 20 Prozent

Einen Kursgewinn von 20 Prozent konnten Aktionäre 2009 mit dem Papier von Sanofi-Aventis (ISIN FR0000120578) einstreichen. Dass die Börsianer mit ihrer Einschätzung richtig lagen, zeigen die Zahlen, die der französische Arzneimittelkonzern jetzt vermeldete: Bereinigt um Wechselkursschwankungen steigerte Sanofi-Aventis seinen Gewinn gegenüber dem Vorjahr in 2009 um 12,8 Prozent auf 8,47 Milliarden Euro. Der Umsatz legte im Vergleich zu 2008 (27,57 Milliarden Euro) um 6,3 Prozent auf 29,3 Milliarden Euro zu (wir berichteten). Der Gewinn je Aktie stieg um 13,1 Prozent auf 6,49 Euro.

Für 2010 ist Konzernchef Viehbacher weniger optimistisch: Nur zwei bis fünf Prozent werde das Gewinnwachstum je Aktie voraussichtlich betragen. Was dem Unternehmen zu schaffen macht, ist die zunehmende Konkurrenz durch Generika. Und in den kommenden Jahren können Generikahersteller auf weitere Sanofi-Bestseller zugreifen: Bis 2013 verlieren der Blutverdünner Plavix® (Clopidogrel), der Gerinnungshemmer Lovenox® (Enoxaparin) sowie die Tumormittel Eloxatin® (Oxaliplatin) und Taxotere® (Docetaxel) ihren Patentschutz in bedeutenden Märkten. Besonders brisant ist dabei Lovenox®. Der Gerinnungshemmer gehört zusammen mit Diabetesmittel Lantus® (Insulin glargin) zu den umsatzstärksten Medikamenten im Portfolio. Allein im vergangenen Jahr setzte der Konzern mit Lovenox® knapp drei Milliarden Euro um.

Börsianer ließ die vorsichtige Einschätzung des Konzernchefs kalt: Ende vergangener Woche stieg die Aktie um über zwei Prozent. "Die positiven Analysteneinschätzungen gaben dem Papier Auftrieb", sagt ein Frankfurter Händler.

Pipeline lässt Herzen der Analysten höher schlagen

Besonders optimistisch ist Analyst Mark Dainty von der Citigroup, der die Aktie mit "Kaufen" eingestuft hat: "Die Produktpipeline bei Sanofi-Aventis ist gut gefüllt." Der Konzern werde deshalb schnell Ersatz finden für jene Medikamente, die in den nächsten Jahren ihren Patentschutz verlieren. "Sanofi-Aventis ist ein schlafender Riese, der tatsächlich vor Kraft strotzt", meint auch Alexandra Hauber von J.P. Morgan Securities. Auf Sicht von zwölf Monaten könne die Aktie auf 62 Euro steigen. Das wäre ein Plus von rund 16 Prozent gegenüber dem Schlussstand Ende vergangener Woche.

Skeptischer sind Connie Schümann und Christine Nowak von der Raiffeisen Centrobank. Die Analystinnen stufen das Papier mit "Halten" ein. Schon vor Ablauf des Patentschutzes spüre der Konzern bei etlichen Mitteln die Generikakonkurrenz. So sei der Umsatz mit Plavix® bereits 2009 um zehn Prozent gefallen, da Ärzte in ganz Europa immer häufiger Generika verschrüben.

25 Wirkstoffe sind bereits in Phase III

Derzeit forscht Sanofi-Aventis an rund 130 neuen Wirkstoffen. Hauptforschungsfelder sind dem Unternehmen zufolge Erkrankungen des Zentralen Nervensystems, internistische sowie onkologische Krankheitsbilder. Dort sind jeweils zwischen 18 und 27 neue Produktkandidaten in der Pipeline. Auch bei den Vakzinen will das Pariser Unternehmen punkten: In dem Bereich wird an 24 neuen Produkten geforscht.

Die meisten Kandidaten befinden sich noch in frühen Entwicklungsphasen. In der entscheidenden klinischen Phase III hat das Unternehmen 25 Wirkstoffe. Jüngst erhielt die Blockbusterhoffnung Multaq® (Dronedaron) die EU-Zulassung. Das Arzneimittel ist indiziert bei erwachsenen, klinisch stabilen Patienten mit nicht permanentem Vorhofflimmern. Im Sommer 2009 wurde es bereits in den USA zugelassen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Praxiswissen Geldanlage

Rücklagen für plötzlichen Geldbedarf: Auf die Dosis kommt es an

Empfehlungen für die Geldanlage

Geld und Vermögen: Mit ein bisschen Optimismus ins Finanzjahr 2026

Kooperation | In Kooperation mit: der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank)
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Wissenschaft in Medizin übertragen

© Regeneron

Forschung und Entwicklung

Wissenschaft in Medizin übertragen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Regeneron GmbH, München
Arzneiforschung: Von Innovationen profitieren nicht nur Patienten, sondern immer auch die Gesellschaft als Ganzes.

© HockleyMedia24 / peopleimages.com / stock.adobe.com

Nutzenbewertung

Arznei-Innovationen: Investition mit doppeltem Nutzen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)
Patientenzentrierter Ansatz und europäische Produktion

© Springer Medizin Verlag

Unternehmen im Fokus

Patientenzentrierter Ansatz und europäische Produktion

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Strukturelle Ursachen ausschließen!

Das sind die Red Flags bei Nackenschmerzen

Humane Papillomviren

Nach Impfung: HPV-Screening nur zwei- bis dreimal im Leben?

Systemischer Lupus erythematodes

13 Tipps zur Umsetzung der europäischen Lupus-Leitlinien

Lesetipps
Ein einbandagierter Fuß

© Patrick Bonnor / stock.adobe.com

Wundheilung

Ulcus cruris venosum: Was für die Kompressionstherapie wichtig ist

Nahaufnahme eines Smartphone-Bildschirm mit dem Chatverlauf des Smartphonebesitzers mit einem Chatbot.

© terovesalainen / stock.adobe.com

Tipps für die Praxis

Wie sag ich‘s Patienten, dass der KI-Chatbot falschliegt?

Rita Süssmuth steht in ihrem Büro im Deutschen Bundestag.

© Bernd von Jutrczenka/dpa

Nachruf

Rita Süssmuth: Kämpferin gegen Diskriminierung