Praxis und Gaststätte
Tagsüber Stethoskop, abends Zapfhahn: Warum Hausarzt Busch eine Kneipe betreibt
Der Bottroper Hausarzt Dr. Christian Busch führt seit wenigen Wochen eine Gaststätte im Ruhrgebiet. Die Doppelbelastung erfordert organisatorisches Geschick – und die Unterstützung von Patienten und MFA.
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Hausarzt Christian Busch in seiner Kneipe „König Eck“...
© Jochen Tack
Bottrop. Dr. Christian Busch ist Stadtgespräch. Denn der Allgemeinmediziner führt nicht nur seit mehr als zehn Jahren eine Hausarztpraxis am Südringcenter in Bottrop. Seit wenigen Wochen betreibt er obendrein eine waschechte Ruhrpott-Kneipe.
Mittwoch bis Samstag steht er teilweise bis weit nach Mitternacht im „König Eck“ am Zapfhahn – und dass, obwohl er bis dato kein passionierter Kneipengänger war. Dennoch ist er mit seinem Doppelleben bislang zufrieden, sagt er im Gespräch mit der Ärzte Zeitung.
An fünf Tagen pro Woche versorgt er rund 3.500 Patienten pro Quartal, gemeinsam mit einer angestellten Ärztin und acht Medizinischen Fachangestellten. Sein Einstieg in die Gastronomiebranche ergab sich mehr oder weniger zufällig. Busch kaufte die Immobilie, in der sich das „König-Eck“ befindet, von einer Bekannten.
Es gab zwar einen Pächter für die Kneipe, doch dieser hatte längst vor, auszusteigen. Eine Nachfolgerin war schnell gefunden, doch auch diese Zusammenarbeit platzte, die Frau zog sich aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig zurück.
Zunächst brauchte er eine Schanklizenz
Was also tun mit der Gaststätte, die sich längst zu einem festen Treffpunkt im Stadtviertel etabliert hatte? Zunächst nutzte Busch die Räumlichkeiten für eine private Feier und trommelte an Silvester Freunde im „König-Eck“ zusammen.
Und fand offenbar so großen Gefallen am Dienst hinter der Theke, dass er noch am selben Abend zu seiner Frau sagte: „Dann mache ich das eben alleine.“ Und wie reagierte die Ehefrau? „Sie hat nicht sofort gesagt, dass ich bescheuert bin“, erinnert er sich schmunzelnd.
Starten wollte er mit dem Projekt so schnell wie möglich. Doch zunächst galt es, die bürokratischen Hürden zu überwinden. „Eine Kneipe zu eröffnen ist aufwendiger als eine Arztpraxis.“
Beispielsweise musste er sich beim städtischen Amt für Recht und Ordnung eine Schanklizenz besorgen, dafür absolvierte er einen vierstündigen Kurs an der IHK. Immerhin: „Als Arzt durfte ich das Thema Infektionsschutz weglassen“, sagt der 51-Jährige.
„Betreutes Trinken“
...und in seiner Praxis.
© Jochen Tack
Am 25. Februar folgte schließlich die offizielle Eröffnung. Seitdem kümmert er sich nach Praxisschluss um den Wareneinkauf und schenkt anschließend selbst Getränke aus.
Kochen muss er nicht, für die Zubereitung der Ruhrgebietsklassiker wie Currywurst mit Pommes, Schnitzel oder auch den „Steigersalat“ beschäftigt er zwei Köche, einer von beiden war sogar Patient in seiner Praxis. Generell stünden die Patienten seinem „Nebenjob“ sehr aufgeschlossen gegenüber, viele besuchten ihren Doktor abends im „König-Eck“.
Sein Engagement für die Kneipenkultur habe sich mittlerweile in Bottrop herumgesprochen, sagt Busch erfreut. Fernsehsender rennen ihm seit Wochen die Bude ein. Das Team einer befreundeten Arztpraxis mietete bereits die Kegelbahn im Keller und feierte anschließend im Gastraum weiter.
Bis zu 60 Gäste finden in der Gaststätte Platz, an den meisten Abenden ist es laut Kneipier Busch brechend voll. Es gibt sogar ein Online-Reservierungssystem, über das man sich einen Tisch buchen kann. Und die Besucher benähmen sich fast immer gesittet. „Bislang musste ich nur einmal jemanden hinauswerfen.“
Aus seiner Sicht betreibt er mit dem Kneipenprojekt eine Arzt Sozialmedizin. Sinnlos volllaufen lassen können sich die Gäste eher nicht, dem medizinischen Blick des Hausarztes entgeht nichts. „Es ist sozusagen betreutes Trinken.“ Sagt er und grinst.
Patient steht in der Küche, MFA-Azubi hilft im Service
Sorgen, am Tresen von den Patienten auf ihre Beschwerden angesprochen zu werden, zerschlugen sich schnell, dies könnten die Besucher gut trennen, so der Allgemeinmediziner. Wie gelingt es ihm, den Praxisalltag und die Arbeit in der Gaststätte unter einen Hut zu bekommen? Bislang funktioniert es.
Der Mediziner ist froh, geeignetes Personal als Unterstützung gefunden zu haben. Nicht nur hilft seine Tochter im Service aus, auch seine MFA-Azubi wird abends immer mal wieder zur Kellnerin. „Alleine könnte ich das alles nicht stemmen.“
Obendrein muss man wohl auch ein Organisationstalent sein: Busch hat schon des Öfteren mehrere Projekte gleichzeitig gehändelt. So beteiligte er sich viele Jahre am Bottroper Palliativnetzwerk und war Mitbegründer des Deutschen Instituts für Notfallmedizin.
Er weiß aber auch, dass die Gastronomie ein schwieriges Pflaster ist. „Die Preise, die man in diesem Bereich verlangen kann, sind viel zu niedrig.“ Die Arbeit mache Spaß, sei aber auch sehr stressig. Ob die Kneipe finanziellen Erfolg bringt, müsse sich in den nächsten Monaten zeigen. „Als Arzt rechnet man schließlich immer in Quartalen.“












