Kassen blockieren Zuschlag für Westküstenklinik

Im Streit um die klamme Westküstenklinik Brunsbüttel fürchten die Kassen einen Dammbruch.

Veröffentlicht:

BRUNSBÜTTEL (di). Die Krankenkassen wollen den ersten Sicherstellungszuschlag für ein Festlandkrankenhaus im Norden mit allen Mitteln verhindern. Noch vor der Entscheidung des Kieler Gesundheitsministeriums legten sich die Kassen auf den Klageweg fest.

Für die Westküstenklinik (WKK) Brunsbüttel, die den Zuschlag nach erfolglosen Verhandlungen mit den Kassen beantragt hat, könnte der dringend benötigte Zuschlag damit in weite Ferne rücken.

Im WKK wird derzeit ein Minus von 1,6 Millionen Euro geschrieben. Die Kassen halten die Probleme für hausgemacht und sprechen von Managementfehlern. Außerdem kritisieren sie einen Blockadekurs der Klinik. Sie empfehlen die Schließung der kostenintensiven chirurgischen Notfallversorgung.

Im WKK verblieben dann nur noch die Innere Medizin und die Geriatrie, was nach Überzeugung der Brunsbütteler nicht ausreicht. Sie verweisen auf die Versorgung der Beschäftigten in einem angrenzenden Industriepark.

7000 Unterschriften

Im Landtagswahlkampf haben sich inzwischen alle politischen Vertreter der Region hinter die Klinikforderung gestellt. Der Förderverein hat innerhalb kurzer Zeit über 7000 Unterschriften in Brunsbüttel gesammelt.

Auch der Vorwurf, das Haus verschließe sich Kooperationen mit niedergelassenen Ärzten, stößt in Dithmarschen auf Unverständnis. Die KV hat sich dennoch der Kassenforderung angeschlossen. KV-Chefin Dr. Ingeborg Kreuz hatte empfohlen, die von der KV betriebene Anlaufpraxis in Brunsbüttel stärker zu nutzen.

Als Vorbild für die Zusammenarbeit vor Ort verwies sie auf die Kooperation zwischen Klinik und niedergelassenen Ärzten auf Fehmarn.

Die Kassen erwarten, dass der kommunale Träger das Brunsbütteler Defizit aus den Überschüssen des ebenfalls zum Konzernzählenden WKK Heide ausgleicht. Hinter der Weigerung steckt auch die Furcht vor einem Dammbruch: Wenn mit Brunsbüttel das erste Festlandkrankenhaus einen Sicherstellungszuschlag erhält, werden voraussichtlich weitere Standorte diese Forderung erheben.

Eine Entscheidung aus Kiel wird in den nächsten Tagen erwartet. Bislang erhalten nur Inselkrankenhäuser den Sicherstellungszuschlag.

Mehr zum Thema

Heimbeatmung

Helios Klinik Leisnig erweitert ihr intensivmedizinisches Angebot

Geschäftsjahr 2023

Asklepios steigert Umsatz und Gewinn

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Wo lang im Gesundheitswesen? Der SVR Gesundheit und Pflege empfiehlt mehr Richtungspfeile für alle Akteure.

© StefanieBaum / stock.adobe.com

Sachverständigenrat Gesundheit und Pflege

Gesundheitsweise empfehlen Primärversorgung für alle – und Quotierung der Weiterbildung

„Wenn die Politik Wissenschaftlern sagen würde, wir wollen dieses oder jenes Ergebnis, ist das Propaganda.“ Klaus Überla – hier im Treppenhaus seines Instituts – über Einmischungen aus der Politik.

© Patty Varasano für die Ärzte Zeitung

Interview

STIKO-Chef Überla: RSV-Empfehlung kommt wohl bis Sommer

Dr. Iris Dötsch Fachärztin für Innere Medizin, Diabetologin und Ernährungsmedizinerin hat die Hauptstadtdiabetologinnen, eines neues Netzwerk für Frauen in der Diabetologie, gegründet.

© snyGGG / stock.adobe.com

Hauptstadtdiabetologinnen

Ein Netzwerk für Diabetologinnen