Versicherungswechsel?

Kfz-Policen: Geringere Prämien sind in diesem Jahr die Ausnahme

Jedes Jahr im Herbst stellen die Autofahrer ihre Versicherungen auf den Prüfstand. Mit einem Preiskampf der Anbieter sollten sie diesmal aber nicht rechnen. Denn die Schäden werden für die Versicherer immer teurer.

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Autounfall: Jetzt sollte die KFZ-Versicherung greifen.

Teure Reparaturen verhageln den Versicherern die Bilanz. Vor allem die Kosten für Ersatzteile sind enorm gestiegen.

© benjaminnolte / stock.adobe.com

Köln. Im Herbst findet traditionell die Wechselsaison bei den Autoversicherern statt. Die Anbieter versuchen, sich mit günstigen Prämien zu unterbieten, um neue Kunden zu gewinnen. Starke Preisausschläge nach unten werden in diesem Jahr allerdings die Ausnahme bleiben, berichtet der Rückversicherer E+S Rück. Das Unternehmen versorgt viele deutsche Kfz-Versicherer mit Rückversicherungsschutz und hat daher einen guten Marktüberblick.

Die Anbieter haben im vergangenen Jahr wegen der pandemiebedingt stark gesunkenen Schäden zwar Rekordgewinne eingefahren, einen Preiskampf liefern sie sich aber dennoch nicht. Das liegt auch an den immer teurer werdenden Schäden, vor allem wegen steigender Ersatzteilpreise und höherer Reparaturlöhne.

Wechselwillige dürfen sich nach Einschätzung von E+S Rück aber auch in dieser Wechselsaison über freundlicher gestaltete Neugeschäftstarife freuen. Das geht meist zu Lasten der Bestandskunden. Sie zahlen deutlich mehr als Neukunden und finanzieren mit ihren Beiträgen die Dumping-Preise der Neuverträge.

Wechseln kann Geld sparen

Wer den Anbieter wechselt, spart in den allermeisten Fällen bares Geld. Manchmal sind das nur ein paar Euro im Jahr, es kann sich aber auch um dreistellige Beträge handeln. Oft reicht es, dem bisherigen Versicherer mitzuteilen, welche Einsparungen bei anderen möglich sind, um eine Preisreduzierung durchzusetzen.

Noch bis zum 30. November 2021 können die meisten Autobesitzer ihre Police kündigen, um dann ab Januar zu einem günstigeren Anbieter zu gehen. Der Stichtag richtet sich nach dem Ende des Versicherungsjahres, meistens am 31. Dezember.

Menschen, die älter sind als 70, sollten sich vergewissern, dass es Beitragssprünge ins Negative gibt.

Michael Wortberg Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz

Für junge Menschen und Senioren lohne sich das Vergleichen besonders, sagt Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Sie zahlen aufgrund ihres Alters und des damit verbundenen höheren Versicherungsrisikos in der Regel deutlich mehr. „Menschen, die älter als 70 Jahre sind, sollten sich vergewissern, ob es Beitragssprünge ins Negative gibt“, sagt Wortberg.

Wenn die Prämien von einem Jahr aufs andere deutlich steigen, sei dies ein Zeichen dafür, dass der Versicherte womöglich in einen „Seniorentarif“ überführt wurde. Einen höheren Beitrag zahlen ältere Fahrer eigentlich immer, der Aufschlag variiert aber.

Um Prämienerhöhungen im Alter zu umgehen, können sich Betagte über ihre erwachsenen Kinder absichern, schlägt Wortberg vor. Dabei übertragen sie die eigene Schadenfreiheitsklasse auf den Sohn oder die Tochter. Das ist legal und sorgt dafür, dass deren Beitrag sinkt.

Der Versicherungsvertrag des Zweitwagens, den Vater oder Mutter nutzen, läuft dann offiziell über die Kinder, der Elternteil wird als Fahrer aufgeführt. Beiträge lassen sich auch reduzieren, indem Verbraucher auf ein E- oder Hybrid-Auto umsteigen. Eine Reihe von Anbietern – darunter Allianz, DEVK und HUK-Coburg – gewährt Besitzern solcher Fahrzeuge Rabatte, in der Regel zwischen 5 und 15 Prozent des Beitrags.

Der junge Digitalversicherer Friday, eine Tochter des Schweizer Versicherers Baloise, hat sich bewusst dagegen entschieden. „Wir wollen das Risiko adäquat bepreisen und nicht Gruppen wegen ihrer Antriebsart diskriminieren“, sagt Robin Latz, der für das deutsche Geschäft zuständig ist. Es gehe dem Anbieter vielmehr darum, ein Bewusstsein fürs Autofahren zu schaffen. Friday setzt daher auf einen Tarif, bei dem sich der Beitrag vor allem an der Fahrleistung orientiert.

Erstattungen bleiben wohl aus

Um sich einen Überblick über alle Kfz-Versicherer zu verschaffen, sollten Verbraucher nicht nur Vergleichsportale wie Check24 oder Verivox nutzen. Auf diesen Seiten ist immer nur ein Teil der Anbieter aufgeführt – nämlich der, der Provisionen an die Betreiber der Plattform zahlt. Viele Versicherer verzichten darauf, sich auf den Portalen listen zu lassen.

Die HUK-Coburg, der Marktführer in der deutschen Kfz-Versicherung, und ihr Online-Direktversicherer HUK24 arbeiten nicht mit Check24 zusammen, und auch Cosmos Direkt, der Direktversicherer der Generali, hat sich von dem Vergleichsdienst verabschiedet. Hier bleibt nur, die Internetseiten dieser Anbieter direkt anzusteuern.

Beitragsrückerstattungen, wie es sie für Kunden für das erste Corona-Jahr 2020 gab, werden für das laufende Jahr wohl ausbleiben. Nicht nur die wieder angestiegene Fahrleistung, sondern auch die schweren KfzSchäden durch das Juli-Hochwasser lassen wenig Spielraum für Rückzahlungen. (kdc, frk, bel)

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