Nach der Wahl

Klinikreform bloß nicht verschleppen!

Um eine große Krankenhausreform kommt eine nächste Bundesregierung nicht umhin. Die Kliniklobby spielt dabei einmal mehr auf Zeit. So endet sie als Zaungast beim Umbau.

Von Thomas HommelThomas Hommel Veröffentlicht:

Die Bundestagswahl ist gut eine Woche her, da bringt sich die Kliniklobby bereits in Stellung. Aus gutem Grund: Gleich welcher Couleur die nächste Regierung ist. Am Umbau der Kliniklandschaft kommt sie nicht vorbei.

Und die künftigen Koalitionäre sollten tief graben. Ein neuer Anstrich der Fassade reicht nicht. Denn es bröckelt an vielen Ecken: Über- und Fehlversorgung, fehlende Ärzte und Pflegekräfte, veraltete Finanzierungsarchitektur. Die Mängelliste lässt selbst Klinikmanager erschrecken. So reichen sie die eine Hand zum nächsten Reformanlauf. Die andere aber halten sie weit auf.

Es dürfe nicht sein, dass wegen wirtschaftlicher Not Krankenhäuser schließen müssten, bevor Bund und Länder zur Strukturreform ansetzten, sagt DKG-Präsident Ingo Morell. Heißt: Erst einmal mehr Geld, bitte, dann können wir über den Umbau reden! Die Kliniklobby spielt damit einmal mehr auf Zeit. Die aber hat das angeschlagene System nicht.

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Da nützt auch der Verweis auf die Pandemie nicht: 13 von 14 Patienten wurden in Arztpraxen versorgt, nur jeder 14. COVID-Patient musste ins Krankenhaus. Dass inzwischen rund 75 Prozent der erwachsenen Bundesbürger und mehr als 35 Prozent der Kinder ab 12 Jahren geimpft sind, daran haben ebenfalls die Niedergelassenen erheblichen Anteil.

Sieht so ein System aus, das „spürbare Lücken“ aufweist, wie die Kliniklobby weismachen will? Wohl kaum.

Auch die Forderung nach einem „neuen Kapitel“ in der sektorenübergreifenden Versorgung entpuppt sich als halbherzig. International geht der Trend längst in eine andere Richtung als die, die der Kliniklobby vorschwebt: Statt ambulante Leistungen in Krankenhäuser zu zerren, setzen viele Länder auf eine Ambulantisierung stationärer Leistungen.

Mit der Umwandlung von Klinikstandorten in integrierte Gesundheitszentren haben Wissenschaftler der Universität Bayreuth schon 2018 einen Weg gezeichnet, wie sich Ambulantisierung in Deutschland abspielen könnte: wohnortnah, ressourcenschonend und günstiger. Die Krankenhäuser wären gut beraten, solche Modelle gemeinsam mit den Ärzten voranzutreiben. Andeutungen, dass die Kliniklobby dazu gewillt ist, gibt es. Das ist gut so. Denn ansonsten ist sie bei der nächsten Reform nur Gast am Bauzaun.

Schreiben Sie dem Autor: thomas.hommel@springer.com

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