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Anlagen-Kolumne

Knall bei Tech-Aktien ist langfristig kein großes Drama

Der Abverkauf bei großen Technologiewerten spricht für eine Bereinigung. Weiter gibt es gute Argumente für die zyklischen Werte.

Von Dr. Jens Ehrhardt Veröffentlicht:

In den vergangenen Monaten drehte sich an der Börse alles um die großen fünf. Die US-Technologiewerte dominierten das Marktgeschehen, weil sie inzwischen ein Viertel des Marktes repräsentieren und unglaublich stark gestiegen sind.

Ähnliches gilt übrigens auch für Asien, wo die großen fünf Technologiewerte auch die Schwergewichte im Index sind. Durch Corona wurden deren Geschäftsmodelle beflügelt und haben im Gegensatz zu den vielen anderen Firmen, die gerade leiden, sogar noch profitiert. Vor einer Woche begann ein Abverkauf dieser Technologiewerte.

Viele Anleger übermäßig optimistisch

Die überreizte Markttechnik, das heißt der übermäßige Optimismus vieler Anleger dürfte wohl die plausibelste Erklärung sein, denn fundamental hat sich nichts verändert. Mehrere aufeinander folgende Tagesverluste von mehr als fünf Prozent pro Tag gab es lange nicht mehr. Alle Anleger, die zuletzt nur ungläubig den Kursverdopplungen zugeschaut haben, dürften sich in ihrer Meinung bestätigt fühlen, dass die Bewertungen inzwischen zu luftig waren.

Die Gravitationskräfte wirken auch an der Börse: Was steigt, kann irgendwann auch fallen. Oft halten Trends jedoch länger, als man glaubt. Die 200-Tage-Linie, die den Durchschnittskurs der letzten 200 Tage spiegelt, ist dafür ein guter Anhaltspunkt. Der Kurs des S&P 500 lag mit fast 14 Prozent ungewöhnlich weit über diesem Durchschnitt. Bei einzelnen Tech-Aktien betrug der Abstand sogar 60 Prozent.

Wann endet der über zehnjährige Konjunkturaufschwung?

Es ist klar, dass das irgendwann bereinigt werden muss. Aber selbst wenn die Technologiewerte stärker korrigieren, bedeutet das nicht das Ende des Aufschwungs. Da die Geschäftsmodelle weiterhin Dienstleistungen bieten, die extrem gefragt sind, werden die Käufer nicht lange auf sich warten lassen. Die Anleger haben gelernt: Rückschläge waren bei Tech-Titeln regelmäßig Kaufgelegenheiten.

Bis Anfang 2020 haben sich viele Leute gefragt: Wann endet dieser über zehnjährige Konjunkturaufschwung? Diese Frage wurde durch Corona beantwortet. Die Rezession kam schnell und heftig. Sie hat zwar nicht zu einer üblichen Bereinigung von Ungleichgewichten geführt, allerdings steht die Wirtschaft nun wieder am Beginn eines neuen Aufschwungs, der auch die zyklischen Aktien wieder begünstigen kann.

Fazit: Es gibt gute Argumente, dass Technologieaktien sich langfristig weiter gut entwickeln. Gleichzeitig haben auch zyklische Werte demnächst eine Chance. Die jüngsten Kurseinbrüche zeigen, dass man sich nicht zu einseitig aufstellen sollte. Mit einem diversifizierten Portfolio fährt man stabiler.

Dr. Jens Ehrhardt, unabhängiger Fondsmanager, erreicht mit seinen Fonds immer wieder Spitzenplätze unter den Vermögensverwaltern.

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