Pflegeversicherung

Sozialverband: Hunderttausende von „verdeckter Pflegearmut“ betroffen

Vier von fünf Menschen, die Ansprüche auf „Hilfe zur Pflege“ zuhause hätten, erhalten diese nicht, moniert der Paritätischen Gesamtverband und verweist auf eine neue Erhebung. Einen eindringlichen Appell an Bund und Länder gibt es auch.

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Krückstock an einem Rollator befestigt, im Hintergrund ein älterer Herr.

Pflege im Alter – für manche der Betroffenen ein Armutsrisiko, warnen Sozialverbände.

© Uwe Anspach/dpa/dpa-tmn

Berlin. Wer eine schmale Geldbörse hat und in den eigenen vier Wänden gepflegt wird, bekommt trotz Anspruch oft keine ausreichende finanzielle Hilfe. Das geht aus einer vom Paritätischen Gesamtverband in Auftrag gegebene Studie zum Thema Pflegearmut hervor. Die Arbeit stammt aus der Feder des Freiburger Pflegeforschers Thomas Klie.

Dr. Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, sagt: „Unsere Studie zeigt, dass finanzielle Hilfe in der häuslichen Pflege erschreckend oft ausbleibt – obwohl sie dringend gebraucht wird und rechtlich vorgesehen ist.“ Bund und Länder müssten endlich die Menschen in der ambulanten Pflege in den Blick nehmen und Pflegearmut bekämpfen.

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In der Studie heißt es dazu: „Die Empfehlungen aus der Bund-Länder-AG zum Zukunftspakt Pflege stellen zwar die ambulante und häusliche Pflege explizit in den Mittelpunkt, allerdings werden in Bezug auf die Armutsthematik die gravierenden Unterschiede gegenüber dem vollstationären Bereich fast vollständig ausgeklammert.“

Zur Einordnung: Rund 4,9 Millionen Menschen werden in Deutschland derzeit zuhause gepflegt. Etwa 390.000 von ihnen haben Anspruch auf die Sozialleistung „Hilfe zur Pflege“ – vorausgesetzt ihr Einkommen und Vermögen reichen zusammen mit den Leistungen der Pflegeversicherung nicht aus, um ihre Bedarfe zu decken.

Unterstützungsgrad abhängig von der PLZ

Aber: Nur 76.000 Betroffene erhalten laut Studie diese Hilfe tatsächlich. Damit zeige die Untersuchung, dass in der Regel nur einer von fünf Armutsbetroffenen in häuslicher Pflege die ihr zustehende Hilfe bekomme, so der Verband. Und woran liegt es? Außer Unwissen, Scham und fehlender Beratung führten „unterschiedliche Verwaltungspraxen“ der Sozialämter zu der in der Studie beleuchteten „Unterversorgung“, schreibt der Paritätische.

Dabei zeigen sich große regionale Unterschiede beim Zugang zur „Hilfe zur Pflege“: Während im Saarland nur jede zehnte zuhause gepflegte Person die ihr zustehende Leistung beansprucht, ist es in Sachsen-Anhalt jede fünfte, in Hamburg immerhin mehr als jede dritte.

Rock macht einen Flickenteppich aus: „Derzeit entscheidet die Postleitzahl darüber, wie gut Pflegebedürftige zuhause unterstützt werden – das ist schlicht ungerecht.“ Gute Pflege müsse überall ermöglicht werden, „unabhängig vom Wohnort“. (hom)

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